Roman Fischer liefert Zündstoff. Musikalisch wie textlich bietet dieser Künstler Diskussionsfläche, denn hier treffen Emotionen auf Rock, Geigen auf Gitarren. Geht nicht, meinen die Einen, während seine Fürsprecher unentwegt betonen, Romans Sound hätte internationales Niveau und passe sich zu Recht keinem Trend an!

Mit ‘Personare’ erscheint dieser Tage das zweite Album des Augsburgers und wird all jene Lügen strafen, die dem jungen Songwriter nach seinem 2004 erschienen Debüt ‘Bigger Than Now’ keine große Zukunft voraussagten. Alles an ‘Personare’ ist Aufbruch und Bewegung, vom Anfang bis zum Ende schließt sich ein Kreis, ein musikalisches Kapitel und ein Puzzleteil ans andere. Wie dies zustande kam, verrät Roman Fischer im persönlichen Gespräch.

Eine neuer Anfang

Nach der Veröffentlichung deines Debüts ‘Bigger Than Now’ wurde es recht ruhig um deine Person. Fast so, als sei Roman Fischer untergetaucht?
Ich wollte mir für ‘Personare’ einfach mehr Zeit nehmen. Auch weil ich mit der ersten Platte nicht so super zufrieden bin. Deshalb war es mir wichtig, die neuen Songs nicht zu früh raus zuhauen. Was nicht heißen soll, dass ich mein Debüt nicht mag – es spiegelt definitiv den Roman Fischer dieser Zeit wider. Nur war es so, dass ich in eine andere Richtung wollte und mit ‘Bigger Than Now’ in so eine typische Singer/Songwriter-Ecke gedrängt wurde. Du weißt schon, wegen Alter und Aussehen.

Schwer zu sagen, was er mit Letzterem meint. Fest steht jedoch, dass Roman Fischer beim Nachfolger eine andere Seite von sich präsentieren wollte als noch beim Debüt. Was einen langen Arbeitsprozess von fast anderthalb Jahren mit sich brachte. “Eine intensive Zeit”, wie er zurückblickend resümiert, die ihn allerhand Entbehrungen kostete.

Stimmt es, dass du kurzerhand deinen Fernseher verkauft hast, um nicht abgelenkt zu werden?
Na ja, ich habe schon längere Zeit das Ding nicht laufen gehabt! Außerdem brauchte ich das Geld mehr als diesen Technikkram.

Dein Album war also nicht nur ein geistiger, sondern auch ein finanzieller Kraftakt?
Finanziell musste ich mir keine Sorgen machen. Mein Studioaufenthalt war total billig und wurde schließlich von meinem Label bezahlt. Klar, die Proberäume muss ich finanzieren und das kann ins Geld gehen, gerade wenn man nicht zufrieden mit dem eigenen Material ist. Aber dann stellt sich für einen Musiker auch zwangsläufig die Frage, ob es wirklich das Richtige ist, was er da macht. Ich meine, wenn ich nebenher noch mehr Arbeiten gehen müsste, als ich das zwangläufig schon tue, dann hätte ich mich wahrscheinlich für das Falsche entschieden.

Songs aus schwarzen Samt

Tatsächlich war es für den Augsburger ein Kraftakt, die Songs aufzunehmen, denn bis zuletzt saß Roman Fischer im stillen Kämmerlein und tüftelte an den Songs. Das mag für Einige sein Image als Einsiedler nur bekräftigen und auch der Künstler selbst fühlt sich mit dieser Umschreibung nicht unwohl. “Ich empfinde das selbst auch ein bisschen so. Klar, ich habe seit zwei Jahren eine feste Band, aber eigentlich bestimme ich schon ganz genau, wie Roman Fischer klingen soll. Sicherlich bin ich auch niemand, der eine gute Idee von Außen grundsätzlich ablehnt. Ich finde jedoch, dass eine Band ihren Kopf braucht. Schau dir Radiohead an und vergleich deren Alben mit der Soloplatte von Thom Yorke. Du wirst feststellen, da gibt es einen Kopf innerhalb der Band. (überlegt) Das ging bei mir schon in der Kindheit auf dem Dorf los, da hatte ich auch die Außenseiterposition.” Trotzdem kam ihm oft die Frage, ob die Aufnahmen zu ‘Personare’ mit einer Band nicht leichter gewesen wären. Er hätte die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilen können, denn an die hundert Songskizzen hatte Roman Fischer in den letzten Monaten, fast Jahren angefertigt. Die Frage: Ist meine Wahl für ‘Personare’ die Richtige?, stand dabei oft im Raum.

Auf deinem Album versammelt sich letzten Endes eine Auswahl von elf Tracks. Ich stelle mir es sehr hart vor, genau diese Songs für das finale Album bestimmen zu müssen?
Es ist für mich wichtig gewesen, an einen Punkt zu kommen, an dem einem das völlig egal wird. Das passiert automatisch, wenn die Distanz zu der Sache verloren geht und ich völlig in die Produktion eintauche. Dadurch verwischt die Frage nach Gutem oder Schlechten und es ergeben sich ganz neue Auswahlmöglichkeiten. Man wird kompromissloser und macht mehr, was man selber will, als was erwartet wird! Deswegen bin ich auch sehr glücklich, wenn jemand auf meiner Homepage ins Gästebuch schreibt, die Songs von ‘Personare’ seien wie schwarzer Samt.

Status Quo Vadis

Trotz der anfänglichen Zweifel, liefert Roman Fischer mit ‘Personare’ sein persönliches Opus Magnum. Es zeigt einen gefestigten, sich selbst reflektierenden Künstler. Mit schwelgerischen Harmonien, tiefgründigen Texten und einem akzentfreien englischen Gesang, definiert es fast im Alleingang die Grenzen deutscher Pop-Musik.  “Anfänglich hatte ich natürlich Zweifel. Gerade weil auch viel negative Energie in diesem Album steckt. Ich weiß schließlich selbst, dass momentan einige Bands eher ein positives Lebensgefühl verkörpern. Aber ich glaube, das ist es, was ‘Personare’ ausmacht, es gibt sich nicht zufrieden den Unständen hin und meint, alles sei prima. Ich bin eben mehr ein Fan von düsteren Sachen bzw. Mystiken. (überlegt). Es ist jedoch nicht alles scheiße, und ich hatte mir auch überlegt: Mensch, vielleicht eine Nummer, die etwas flockiger ist! Aber es kam halt anders.”

Während des gesamten Gesprächs wirkt Roman Fischer sehr konzentriert. Er antwortet bedacht und ausführlich. Nur bei der Frage, was nun, nach dem famosen Album ‘Personare’ kommen soll, gerät er in Stocken: “Ich spüre immer einen gewissen Druck von außen, wenn meine Musik bei den Leuten gut ankommt. Deswegen ist es im Moment besser, ich gehe mit den Songs erstmal auf Tour und mache mir danach Gedanken über neue Songs (kurze Pause) Also ehrlich gesagt, habe ich schon so zwei, drei Bilder für ein kommendes Album im Kopf.” Und dann werden wieder alle fragen: Wie hat er das bloß hingekriegt!