Was haben wir nicht gestaunt? Da waren sie auf einmal und wirkten inmitten all der New-Wave-Bands wie kleine Paradiesvögel mit ihren Bärten und ihrem wallenden, langen Haar. Ihre Musik hatte mit all den derzeit angesagten NME-Bands rein gar nichts gemein. Sonniger Folk-Pop mit Countryanleihen schallte uns entgegen, und die Magic Numbers haben uns damit den Sommer 2005 gerettet.

Das mit den Scissor Sisters ist vielleicht etwas weit hergeholt. Aber Romeo Stewart wirkt neben Julian Casablancas genauso bezaubernd wie Jake Shears neben James Blunt. Der homogene Einheitsbrei, der uns natürlich gut gefällt, wurde durch das Debüt der Magic Numbers ordentlich durchgerührt und ihr Debüt stellte die perfekte Alternative zu all dem Vorhandenen dar. ‘Forever Lost’ avancierte zur sonnendurchtränkten Spätsommer-Hymne, die durch wunderbaren Harmoniegesang zu bestechen wusste.

Nun folgt Streich Nummer Zwei, der auf den Namen ‘Those To Brokes’ hört. Die Enkel der Hippies sind zurück und bleiben dabei sich selbst treu. Ein paar Neuerungen gibt es im Soundgefüge aber durchaus. Das wollige Gefühl verstrahlt ihre Musik aber noch immer. Die Mädchen Michele und Angela treten heutzutage etwas mehr in den Vordergrund und Angela macht sich dabei fast immer ins Hemd: “Ich bin immer sehr nervös, wenn mein Song kommt. Ich mag es, im Hintergrund zu stehen.” Ihr Song ist ‘Undecided’. Der Song von Michele hört auf den Namen ‘Take Me Or Leave Me’.

Weitere Neuerungen im Kosmos der Magic Numbers ist die Einfachheit beim Schreiben der Songs. Welcher Künstler kriegt seine Songs schon von Carl von den Beach Boys im Traum vorgesungen? Niemand, denkt ihr? Dann fragt mal Romeo: “Eines Nachts hatte ich diesen verrückten Traum, in dem die Beach Boys und Tom Waits auftauchten. Ich bin mir bewusst, dass das verrückt klingt. Die Sache ist, dass Carl von den Beach Boys anfing, diesen Song zu singen und mir zwischenzeitlich immer wieder sagte, dass ich ihn bloß nicht vergessen sollte. Er hat mir den kompletten Song vorgesungen. Als ich aufwachte, schnappte ich mir sofort die Gitarre und spielte den Song nach. (…) Hoffentlich kommen mir noch mehr Songs im Traum zu geflogen, damit ich gar nichts mehr machen brauche, außer aufzuwachen.”

So einfach wird es Romeo Stodart aber nicht gemacht. Viel Arbeit hat er in den Song ‘Boy’ gesteckt, damit dieser samt neunköpfigem Streicherensemble so klingt wie er klingt: “Ich wusste, wie es sich anhören soll. Ich hatte die Melodie schon tausend Mal auf der Gitarre gespielt, aber ich habe mir selbst nicht zugetraut, das Arrangement für die Streicher zu schreiben. Ich bin schon so lange ein Fan von Nick Drake. Es war ein Traum von mir, eines Tages mit Robert Kirby zusammenzuarbeiten, der schon für Nick Drake gearbeitet hat. Wir haben ihn dann kontaktiert, ihm unsere Ideen vorgetragen, ihm das Stück vorgesungen und dann hat er eingewilligt und uns dieses wunderbare Arrangement abgeliefert. Es war toll, dabei sein zu dürfen, wenn etwas so Schönes eingespielt wird.”