Es ist vollbracht! Das Collaboration-Album, auf das alle Deutsch-Rap-Fans schon seit Jahren gewartet haben, ist fertig. Die Battle-Rap-Könige und persönlichen Freunde Azad und Kool Savas bringen gemeinsam endlich die CD “One” (Subword/BMG) an den Start.

Wann seid ihr auf die Idee gekommen, auch einmal zusammen ein ganzes Album zu machen?

Kool Savas: Eigentlich schon sehr früh, nachdem wir den zweiten oder dritten Song zusammen für ein paar Sampler aufgenommen haben. Dadurch haben wir auch schon relativ schnell gemerkt, dass der Vibe stimmt. Schon damals haben wir gesagt, dass wir echt mal ein ganzes Album zusammen machen müssen.

Azad: Das hat wirklich gar nicht so lange gedauert, bis wir auf die Idee kamen. Wir haben uns gleich auf Anhieb gut verstanden und auch die Musik des jeweils anderen geschätzt. Da haben wir den Plan auch von Anfang an ins Auge gefasst. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Savas mir “Azad-Savas-Connection 2000” auf eine Platte getaggt hat. Aber das hat sich dann doch ein paar Jahre verzögert.

Wie lange kennt ihr beide euch denn schon?

Kool Savas: Das weiß ich eigentlich gar nicht mehr so genau. Ich schätze so sechs Jahre.
Azad: Wenn ich mich nicht irre, war das 1999, also echt sechs Jahre her, dass wir uns das erste Mal trafen. Unsere erste gemeinsame Kollaboration hatten wir für Roey Marquis II auf dem Album “Ming” bei dem Track “Banana”. Als Erinnerung an diesen Track haben wir jetzt auf “One” den zweiten Teil davon aufgenommen.

Wer hat denn alles produziert?

Kool Savas: Aus Deutschland haben wir Monroe, Martelli, Sti, Azad und mich. Aus Amerika haben wir L.E.S., Scholar, Needlz und Kwame. Azad und Monroe sind dabei die Einzigen, die zwei Beats drauf haben.

Im Moment arbeiten ja viele deutsche Künstler mit amerikanischen Produzenten zusammen. Auch Afrob hat ja auf seinem neuen Album Beats von Needlz. Wie seid ihr mit den Leuten in Kontakt gekommen?

Azad: In Amerika war so ein Typ, der das alles gemanagt hat und das wahrscheinlich auch für Afrob getan hat. Der ist wie so eine Kontaktmafia und kennt tausend Leute. Du kommst halt an, der checkt das Alles mit dir ab und bringt dich von einem zum anderen. Du hörst dir dann von den ganzen Sachen, die er ranbringt, die Beats an. Da war halt auch zufällig Needlz bei, der mir in dem Moment, in dem wir den Beat ausgesucht haben, gar kein wirklicher Begriff war. Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass er auch was auf dem G-Unit-Album produziert hat. Wir haben in dem Moment auch nicht wirklich nach Namen geguckt, sondern danach, wer was drauf hat und wer geile Beats macht. Und was uns aus den Socken gehauen hat, haben wir genommen.

Habt ihr gar keine Gastfeatures von anderen Rappern auf dem Album?

Kool Savas: Nein, nur Xavier Naidoo in einem Song – und sonst gar nichts.

Ihr seid ja beide sehr bekannt für Eure Battle-Texte, habt aber auch bewiesen, dass ihr genauso deepe Lyrics schreiben könnt. Gerade Azad hat ja auch viel Wert darauf gelegt, dass dieses Mal erst die deeperen Texte aus seinem Album ausgekoppelt werden, was ja bei seinem vorletzten Album durch die Unstimmigzeiten mit ‘3P’ nicht mehr geschehen konnte. Wie habt ihr zusammen dieses Album aufgebaut?

Kool Savas: Wir haben natürlich sehr viele Battle-Songs auf dem Album. Wir haben aber auch viele Battle-Songs in Halbthemensongs umgewandelt. Zum Beispiel haben wir in einem Song nur Kriegsmetaphern benutzt, so dass es eben nicht nur ganz simpel battlemäßig ist. In dem Song “One For All” sind wir auch ein bisschen sozialkritisch im Sinne von “Man muss zusammen kämpfen, um irgendwas hier an der ganzen Situation zu verändern”. In dem Song mit Xavier beschreiben wir unseren persönlichen derzeitigen Zustand. Wir haben schon ein paar Sachen, die nicht direkt was mit Rap zu tun haben, aber natürlich sind auch viele Battle-Sachen dabei, weil wir ja beide aus dieser Richtung kommen.

Azad: Ich würde das auch nicht so sagen, dass es ein reines Battle-Album ist. Wir haben es in jeglicher Sicht einen Schritt tiefer gesetzt. Wir haben uns auch von vornherein gesagt, dass wir es kein pures Battle-Album werden lassen. Es ist battlelastig, aber nicht pur. Deswegen haben wir einen gewissen Ausgleich geschaffen. Der Track mit Xavier ist auch einer, der direkt vom Herzen kommt. Auch bei Tracks, wo wir gebattelt haben, haben wir uns gesagt, dass wir nicht nur batteln, sondern das auch mal wie bereits erwähnt auf eine andere Weise machen, als Konzept-Battle. Bei “Tollwut” haben wir die Punchlines in Tierarten verpackt, wo der Track nur aus Tiermetaphern besteht. Wir bringen die Sachen schon in einem neuen Rahmen.

Wollt ihr das Projekt weiterführen? Gibt es da schon Zukunftsplanungen oder ist das jetzt erst mal vollbracht, gut so und fertig?

Kool Savas: Ich denke, das ist erst mal vollbracht und fertig. Ich weiß nicht, wie es weiter geht. Azad hat sein eigenes Label und ich habe mein eigenes Label. Jeder will jetzt erst mal möglichst viel Energie in seine eigenen Projekte reinstecken, damit auch möglichst früh mal was passiert. Ich habe noch viel zu tun mit ‘Optik’ und will, dass es größer wird. Da müssen dann manchmal auch die persönlichen Bedürfnisse zurückstecken. Ich will jetzt auch mehr zum Wohl des Labels tun.

Azad: Es hat ja jetzt auch nicht wirklich fünf Jahre gebraucht, um das Album zu machen. Es war so, dass wir praktisch damals in unseren Startlöchern waren und dann natürlich erst mal unseren jeweiligen Run hingelegt haben. Jeder hat sein Ding gemacht, das bei uns beiden ja jetzt auch schon sehr solide steht. Aus meiner Sicht wäre es auf jeden Fall ein cooles Ding, das fortzusetzen. Ich wäre da auf jeden Fall am Start und ich denke auch, dass es jetzt nicht noch einmal so lange brauchen würde. Generell ist es ja nur eine Zeitfrage. Die Arbeit an sich geht bei uns eigentlich sehr leicht und sehr schnell von der Hand. Man weiß nie, was kommt. Wir sind natürlich sehr glücklich, dass wir das geschafft haben. Am Ende war es natürlich nicht so einfach, da jeder von uns Beiden ein ganz genaues Bild davon hat, was er machen will. Wir mussten da gemeinsam auch einen gemeinsamen Nenner finden.

Text: Martin Gegenheimer