Dramatische Szenen, die sich an diesem Wochenende in deutschen Kinos abspielen werden. Natürlich spreche ich nicht von aufgebrachten Zuschauern, die gerade „Die Legende von Beowulf“ gesehen haben und wütend ihr Geld zurückfordern (obwohl ich sie gut verstehen würde). Und leider erzeugte es auch keine Tumulte, als vergangenes Wochenende die Wartenden an den Kassen eines großen Berliner Kinos gesagt bekamen: „Natürlich können Sie Tickets für ‚American Gangster’ bekommen. Aber die Filmkopie ist kaputt und es läuft die ganze Zeit ein schwarzer Streifen durch die Bildmitte. Kostet trotzdem den vollen Preis.“ Das große Drama spielt sich stattdessen bei den Neustarts dieser Woche tatsächlich auf der Leinwand ab.

Machtlos“geht dabei richtig in die Vollen. Ein seit vielen Jahren in den USA lebender Ägypter wird nach einem Terroranschlag am Flughafen verhaftet und heimlich ins Ausland verschleppt, wo die CIA ihn verhören und foltern lässt. Das ist starker Tobak, zumal für einen Hollywoodfilm, der mit Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon und Meryl Streep hervorragend besetzt ist. Aber es wundert dann auch nicht, dass Dank einer schwangeren Ehefrau sowie einer etwas plumpen „Osama und Julia“-Geschichte schnell die politische Botschaft von großen Emotionen an den Rand gedrängt wird.

Wesentlich überzeugender, weil unsentimentaler ist dagegen „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“. In dem rumänischen Cannes-Gewinner wird vom ganz persönlichen Drama zweier junger Frauen berichtet, die für eine illegale Abtreibung durch ihre ganz eigene Hölle müssen. So eindringlich, zurückhaltend und toll gespielt waren in diesem Jahr wenige Filme, weswegen ein Kinobesuch auch all jenen Skeptikern empfohlen sei, die sich denken: „Was interessiert mich eine Geschichte aus dem Rumänien von 1987“?

Aber natürlich kann man ernste, erschreckende Geschichten auch ganz anders erzählen. Zum Beispiel als (überwiegend) schwarzweißen Zeichentrickfilm! Marjane Satrapis „Persepolis“ war schon in informierten Kreisen in Buchform ein absoluter Renner, und die Kinoversion ist nun nicht minder wunderbar. Mit sehr viel Charme, Witz und toller Ästhetik wurde das Leben eines iranischen Mädchens verfilmt, das nach der Islamischen Revolution nach Europa flieht – und der Heimat doch nie so ganz entkommen kann.

Wahlweise lassen sich gesellschaftspolitische Umwälzungen aber übrigens auch als knallbuntes Musical verpacken. Julie Taymor hat sich eine lange Liste von Beatles-Klassikern geschnappt und drumherum die Liebesgeschichte zwischen Jude und Lucy (natürlich!) gebastelt, die nebenbei auch den Vietnamkrieg, die Bürgerrechtsbewegung and andere große Themen streift. Vor allem aber ist „Across the Universe“ ein musikalischer und visueller Overkill, der teilweise genial und teilweise unglaublich kitschig ist.

Wer das Drama allerdings eher im Familiären sucht und nicht zuletzt deswegen jetzt schon Angst vor den Weihnachtstagen hat, dem sei „Meine schöne Bescherung“ ans Herz gelegt. Die deutsche Komödie beweist mit einem besoffenen Weihnachtsmann, einer eigentlich unmöglichen Schwangerschaft und tollen Schauspielern (Martina Gedeck, Heino Ferch, Meret Becker etc.), dass es immer noch viel schlimmer kommen kann, als man das selbst von zu Hause kennt. Und dabei ist Vanessa Jopps Film auch noch überraschend temporeich und witzig!

Ob man das wohl auch von „Tell“ behaupten kann? Gute Frage, denn der Film wurde der deutschen Presse vorab gar nicht gezeigt. Aber weil diese Parodie auf den Schweizer Nationalhelden von den gleichen Machern kommt, wie der ziemlich peinliche eidgenössische Überraschungshit „Achtung, fertig, Charlie!“, und außerdem mit Christian Tramitz und Axel Stein besetzt ist, stehen die Chancen eher schlecht. Stattdessen ist das ganze wohl eher ein großes Drama – was in diesem Fall alles andere als ein Kompliment ist.

Text: Patrick Heidmann