Auf den ersten Blick scheint alles eindeutig: die in dieser Woche neu anlaufenden Filme liefern genau das, was man von ihnen erwartet. Der linksliberale Robert Redford versucht sich an linksliberalem Politkino, Keira Knightley stakst mal wieder hübsch gewandet durch einen eleganten Kostümfilm und Jessica Alba sieht aus wie aus dem Ei gepellt. Sind das nun Erwartungen, die erfüllt werden, oder nicht doch eher Klischees? Das darf natürlich jeder selbst entscheiden, selbst der Jessica Alba-Fan. Aber wir werfen noch einmal einen kurzen Blick auf die Filme, in der Hoffnung, dass sie vielleicht doch noch ein paar Überraschungen in petto haben.

30 Days Of Night“ zum Beispiel ist die Verfilmung eines Vampircomics und sieht ehrlich gesagt auch so aus. Computeranimiertes Blut fließt in Strömen durch weißen Schnee, denn die Untoten fallen am Polarkreis ein, wo ein kleines Städtchen in Alaska einmal im Jahr in komplette Dunkelheit gehüllt ist. Coole Idee eigentlich, aber warum sprechen die Vampire so eine seltsame Sprache, die nach einer Mischung aus afrikanischen Klicklauten und Altgriechisch klingt? Sie waren doch auch mal Menschen?! Aber gut, dann hat man eben was zu Kichern, wenn die Spannung zwischendurch nachlässt.

Einer gewissen unfreiwilligen Komik entbehrt auch Robert Redfords „Von Löwen und Lämmern“ nicht, und sei es nur wegen des nicht ganz ideal sitzenden Dreiteilers, den Tom Cruise trägt und dabei nicht sicher zu sein scheint, ob er nun Löwe oder Lamm ist. Überhaupt wird fast den ganzen Film über nur gequatscht und Redford lässt nichts unversucht, um seine Botschaft an den Mann zu bringen: Leute, denkt nach und engagiert euch! Ist vielleicht nicht sonderlich originell, aber irgendwie durchaus richtig. Deswegen wollen wir uns mal nicht beschweren, dass der Film eigentlich nichts Neues zu sagen hat.

Wenig Neuigkeiten gibt es auch von Keira Knightley zu berichten. Noch immer ist sie, wie man in „Abbitte“ sehen kann, viel zu dünn. Aber niemand sieht mit einer Zigarette in der Hand eleganter aus als sie. Ansonsten entpuppt sich die Romanverfilmung nach tollem Beginn ziemlich dröge. Jedes einzelne Bild sieht aus wie ein Bewerbungsvideo für die nächste Oscar-Verleihung, aber inhaltlich geht es dann doch nur darum, dass der Krieg schlecht und die Liebe tragisch ist. Und kleine Mädchen können ganz schön böse sein!

Alles andere als böse ist natürlich das bereits erwähnte Fräulein Alba. Kann die überhaupt böse sein? Mehr als perlweißes Grinsen und einen beleidigten Schmollmund hat man ja bisher noch nicht von ihr gesehen. Daran ändert auch die platte Komödie „Der Glücksbringer“ nichts, auch wenn Alba allen Grund hätte, wütend zu sein. Denn an ihrer Seite steht ein gewisser Dane Cook, von dem irgendwer meint, er müsse Filmstar werden und ihn deswegen mit einer Rolle nach der nächsten versorgt. Dabei gab es auf der Leinwand wirklich selten uncharismatischere Typen zu sehen als den!

An Charisma hat es John Cusack noch nie gemangelt, aber in letzter Zeit scheinen ihm die guten Drehbücher abhanden gekommen zu sein. „Mein Kind vom Mars“? Seit wann muss sich der Mann denn mit Familienkitsch beschäftigen? Dass auch Schwester Joan und die niedliche Amanda Peet mitspielen, reicht als Entschuldigung jedenfalls nicht aus.

Und wo wie gerade bei Entschuldigungen sind: wir hätten noch eine verdient. Natürlich ist klar, dass man „Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinselnicht mit den drei heiß verehrten Synchronsprechern in der Hauptrolle verfilmen kann. Die sind schließlich keine frechen Jungs mit Sommersprossen mehr, sondern mittelalte Herren mit Bäuchlein und Halbglatze. Aber musste der deutsche Regisseur Florian Baxmeyer sich ausgerechnet für amerikanische Teenager entscheiden? Sicher, genau danach verlangen die Originalgeschichten, aber mit dem Kassetten-Kult von früher hat das irgendwie nichts mehr zu tun.

Übrigens kommt auch Maria Schraders Regiedebüt „Liebesleben“ ganz ohne deutsche Schauspieler aus. Die Entscheidung der Schauspielerin, die so lange über ausbleibende Rollen geklagt hat, bis sie sich jetzt einfach in einem neuen Job versuchte, macht aber tatsächlich Sinn, denn sie hat den gleichnamigen Bestseller von Zeruya Shalev verfilmt und der spielt nun einmal in Israel. Ansonsten: alter Mann, junges Mädchen, nicht jedermanns Geschmack!

Ach, und dann gibt es in dieser Woche ja auch noch „Die Chroniken von Erdsee“, einen Anime-Film. Aber hier kommt dann doch wieder alles genau so, wie man es schon im Vorfeld ahnt: der Film ist natürlich aus Japan, hat einen adrett gezeichneten Jüngling in der Hauptrolle und erzählt von der Wichtigkeit der Natur. Wie das in Anime-Filmen eben so ist. Vielleicht ist solche Vorhersehbarkeit aber auch nicht das Schlechteste. Eine derart schockierende Überraschung, wie sie uns nächste Woche in Form von „Ex-Drummer“ erwartet, würde man im Kino wirklich nicht jede Woche verkraften.

Patrick Heidmann