Duran Duran sind wieder da. Bereits im Frühjahr 2003 hatte sich die legendäre englische Popband in Originalbesetzung reformiert. Exakt 25 Jahre nach der Gründung der Band setzen Simon LeBon (Gesang), Nick Rhodes (Keyboards), John Taylor (Bass), Andy Taylor (Gitarre) und Roger Taylor (Schlagzeug) ihre Karriere fort. Bereits die ersten Reunion-Konzerte, die Duran Duran im Sommer dieses Jahres in Japan und den USA gaben, waren binnen kurzer Zeit ausverkauft. Derzeit arbeitet die Band an einem neuen Album, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Die Doppel-DVD “Greatest” liefert nun schon einmal die audio-visuelle Visitenkarte der glamourösen Bilderstürmer, die ihren internationalen Erfolg zu einem nicht geringen Teil ihren spektakulären Videoclips verdankte.

1978 in Birmingham, England von dem Keyboarder und Klangarchitekten Nick Rhodes und dem Bassisten John Taylor gegründet, ließen sich Duran Duran von verschiedenen musikalischen Vorbildern leiten: der Soulmusik ihrer Jugend, der vibrierenden Underground-Szene New Yorks in den Siebzigern (speziell die New York Dolls und Velvet Underground), der Verwandlungsikone David Bowie und den avantgardistischen Roxy Music. Inspiriert von all diesen Quellen, bildeten Duran Duran neben Bands wie Spandau Ballet, Human League, Ultravox und Culture Club die Speerspitze der so genannten “zweiten britischen Invasion”. Mit ihren elektrifizierenden Live-Shows und ihrem Hang zu kontinuierlicher technologischer Innovation sollten Duran Duran die meisten ihrer Zeitgenossen überdauern.

Zweifellos waren Duran Duran die erste Band, deren fulminante Karriere ohne MTV undenkbar scheint. Für jene Generation, die mit dem in den frühen Achtzigern frisch prosperierenden Musiksender aufgewachsen ist, lieferten sie Pionierarbeit. Mit wachsenden Budgets entstanden an immer exotischeren Drehorten Videoclips, die den Produkten der Zeitgenossen um Meilen voraus waren. “Greatest” enthält tatsächlich einige der denkwürdigsten Momente in der Geschichte der Popmusik. Wer könnte schon das Video zu “Rio” vergessen, in dem die Band umringt von Bikini-Schönheiten auf einer Yacht vor Sri Lanka kreuzt, oder das pornographisch anmutende, von Godley und Crème inszenierte Video zu “Girls On Film”, das dafür verantwortlich zeichnet, dass die DVD auch hierzulande von der FSK erst ab 16 zugelassen ist?

Aber Girls und Glamour waren nicht die einzigen Faktoren, die diese Videos so faszinierend machten. Wunderschöne Aufnahmen von tropischen Paradiesen, futuristische Visionen, die ihrer Zeit weit voraus waren, und eine geradezu hypnotisierende, symbolträchtig arrangierte Farbenpracht taten ihr übriges. Eine Vielzahl der frühen Videos waren von dem australischen Talent Russell Mulcahy gedreht worden, darunter “Hungry Like The Wolf”, “Save A Prayer”, “Rio”, “Is There Something I Should Know?” “The Reflex” und “Wild Boys”. Das Medium Video war maßgeblich für die Karriere der Band und “Wild Boys” war der erste Song, bei dessen Entstehung die Band schon die visuelle Umsetzung als wichtigsten Teilaspekt berücksichtigte. Russell Mulcahy hatte vor, einen abendfüllenden Film über das gleichnamige Buch von William Burroughs zu drehen. Er bat Duran Duran, dafür einen Song zu schreiben. Die Ideen für seinen Kinofilm brachte Russell dann alle in das Video mit ein. Später führte er übrigens Regie bei Filmen wie “Highlander” und “Tale of the Mummy”.

Styling, Look und Mode waren überaus wichtige Faktoren für das Image von Duran Duran, das inzwischen übrigens von internationalen Trendsettern wieder zum ‚Absoluten Muss’ erklärt wurde, sowohl auf den Laufstegen als auch in den Clubs. Die Videos gewähren einen Einblick in das gesamte Lebensverständnis einer Ära, in der aufs verschwenderischste mit Geld, Dekadenz, aufreizender Erotik und Androgynität kokettiert wurde. Und Duran Duran hatten dieses Spiel perfektioniert.

Legenden und Anekdoten umranken die diversen Drehs, sei es zu “Wild Boys”, wo Simon LeBon fast ertrunken wäre, oder zu “Hungry Like The Wolf”, wo der Elefant plötzlich ausbrach, auf dem Roger Taylor saß. Spektakulär setzten Duran Duran auch ihren Bond-Song “View To A Kill” um: Gedreht auf dem Eiffelturm, schienen die Bandmitglieder in dem als Agentenfilm angelegten Clip selbst in die Handlung einzugreifen. Die köstliche Pointe des Films ist, als sich der Leadsänger zum Schluss vorstellt: “My name is Bon, Simon Le Bon”. “View To A Kill” war die erste Nummer-eins eines Bond-Songs überhaupt.

Die Videos lassen das abenteuerliche Leben der Band noch einmal vor Augen treten. Zusätzlich gibt es auf der “Greatest”-DVD neben den 21 offiziellen Videoclips noch zahlreiche Extras. Neben alternativen Enden zu den bekanntesten Videos (“Planet Earth”, “Girls On Film”, “Union Of The Snake”, “New Moon On Monday” in insgesamt fünf Versionen und “Wild Boys) ermöglicht auch das umfangreiche Interviewmaterial einen tieferen Einblick in die Geschichte der Band, respektive verschiedener Produktionen wie “Wild Boys” oder ihr 1984er Album “Seven And The Ragged Tiger”. Auf dem CD-Rom-Teil der DVD sind alle Lyrics, eine umfangreiche Photo-Gallerie, Bildschirmschoner und ein Link zur Website der Band zu finden. Außerdem sind auf der DVD zahlreiche so genannte Easter Eggs zu finden, die den Spaß an dieser DVD noch verlängern.

“Greatest” ist alles in allem die faszinierende Werkschau jener Band, die, benannt nach einer Figur aus dem Science-Fiction-Epos Barbarella, über Jahre immer wieder neue Maßstäbe setzte und in diesem Jahr bei den MTV Music Video Awards verdientermaßen mit einem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet wurde. Von Lady Diana einst zur Lieblingsband erklärt, vom amerikanischen Rolling Stone als “Fab Five” gefeiert, untermauern auch zwei zur Jahrtausendwende erschienene Tribute-Alben mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Deftones, Goldfinger und Kylie Minogue die ungebrochene Faszination und das hohe Renommee von Duran Duran. Wenn man all ihre Charterfolge, alle Auszeichnungen, alle gigantischen Stadionkonzerte, alle bahnbrechenden Videos und den starken Einfluss, den sie noch heute auf Musiker ausüben, zusammenfasst, ergibt dies eine Geschichte, die sich durchaus mit Giganten wie U2, Rolling Stones und Madonna vergleichen lässt. Und während Duran Duran nun zu neuen Abenteuern aufgebrochen sind, kann man sich dank “Greatest” ihre Geschichte noch einmal in komprimierter Form vergegenwärtigen.

Promo