Eigentlich hätte alles so einfach sein können: Schon beim 2005 erschienenen Album ‘Lady Sleep’ wollte Maximilian Hecker seinem Image als trauernder Melancholiker ein Ende setzen. Doch es kam anders. Nicht nur die Presse reagierte gewohnt skeptisch auf den hypersensiblen Indie-Pop, auch Maximilian selbst sah ein: “Das Bild, das in den letzten zwei Jahren von mir gemacht wurde, war recht unglücklich.” Anlässlich seines neuen, vierten Albums ‘I’ll Be A Virgin, I’ll Be A Mountain’ ergreift der Wahlberliner nun die Chance einige Dinge richtig zu stellen.

I. “Ich bin kein Jammerlappen!”

“Die Pressereaktionen zur letzten Platte ‘Lady Sleep’ empfand ich als sehr ungünstig. Teilweise hat mich das gestört, obwohl ich auch außerhalb von Deutschland Erfolg hatte. Wenn zum Beispiel jemand schreibt, ich sei ein Jammerlappen, dann muss ich einfach entgegnen, der Typ hat mich und meine Musik nicht verstanden. Ich habe aber auch festgestellt, dass das, was mich glücklich macht, scheinbar nicht das ist, was andere Menschen darunter verstehen. Meine Vorstellung von Glückseligkeit bezieht sich eben nicht auf Spaß haben, sondern auf die Befreiung von der Last, die das Leben so mit sich bringt. Auch bei meinem neuen Album ‘I’ll Be A Virgin, I’ll Be A Mountain’ gibt es nichts Morbides oder Trauriges! Es geht viel mehr um das Erreichen eines Zustands von Reinheit und Ewigkeit. Das kommt mir in der Presse zu kurz: nicht Melancholie, sondern Musikalität ist die wichtigste Schaffensquelle!”

II. “Ich stelle mein Privatleben nicht zur Schau!”

“Den Vorwurf, dass ich mein Privatleben benutze, um mich als ‘Mann des Volkes’ darzustellen, empfinde ich als völlig ungerechtfertigt. Klar, Berlin ist eine Medienstadt und hier leben wahnsinnig viele Journalisten. Doch deswegen bleibe ich weder zu Hause, noch stelle ich mein Dasein abseits der Musik gewollt zur Schau. Ich glaube, dieses Image kommt auch daher, dass ich viele Sachen über meine Musik nicht in ein paar Sätzen ausdrücken kann und zwangläufig private Dinge von mir erzähle. Vielleicht bin ich zu gutgläubig, wenn ich mit anderen Menschen rede?! Aber ich stehe halt nicht auf diese Bullshitnummer: ‘Yeah, I love it, it’s great to be here!’ So wie bei diesen Making-Ofs von den Hollywood-Produktionen, wo die Darstellerin gefragt wird, wie ihr Verhältnis zur Crew am Set war: ‘Oh, I love all the people around me and the third Cableguy is like a brother now!’ Es geht mir eben mehr um die Wahrheit und die hat manchmal mit meinem Privatleben zu tun.”

III. “Nein, ich wollte kein Star werden um des Rummels willen!”

“Ich wurde in meinen früheren Interviews nie müde zu betonen, dass ich ein Star werden will. Klar, dass war ganz am Anfang und man darf nicht vergessen, dass ein junger Künstler manchmal Dinge von sich gibt, die nicht so gemeint sind. (überlegt) Man will ja auch ein Star werden, um das Gefühl zu haben, nichts zu verpassen während einer Karriere. Alle Möglichkeiten und Wege ausprobieren zu können. Dadurch wechselt man auch die Position von der Fan-Ebene: Ich will wie Nirvana werden!, hin zu: Ich bin Nirvana! Es ging und geht mir jedenfalls nicht darum, viel Geld zu verdienen oder auf der Straße erkannt zu werden. Ganz ehrlich, für mich hat sich seit der Zeit, als ich als Straßenmusiker meine Songs unter die Leute brachte nicht viel geändert. Die ganzen Mechanismen, die mich hätten Eitel werden lassen können, haben nie gegriffen. Das funktioniert bei mir nicht!

Das glaubt man ihm gern. Wie er vor einem sitz: Unsicher, hadernd und manchmal wirkt er dabei fast zerbrechlich. Wie seine Musik: ‘I’ll Be A Virgin, I’ll Be Mountain’ beweist einmal mehr Maximilians feines Gespür für perfekte und harmonische Melodien. Ein Songwriter der sich stets treu geblieben ist und nie hat verbiegen lassen. Wahrscheinlich ist er genau deshalb mit seinem neuesten Werk näher am großen Wurf als bei allen früheren Versuchen.