Im Fachjargon heißen Menschen wie Malte (MySpace) und Max (Motor FM) „Editorial Filter“ (bitte Englisch, am besten gar Amerikanisch aussprechen) und sind ziemlich angesagt. Ihre Beliebtheit rührt daher, dass sich Digitalisierung sei Dank, ein jeder äußern kann, aber es kaum jemanden gibt, der das Interessante vom Uninteressanten, das Geniale vom Blödsinnigen, das Hingeschlunzte vom liebevoll Produzierten vorab für einen trennt.

Bis auf Malte und Max wie gesagt. Sie machen es möglich, dass sich die Flut der Einsendungen die uns seit dem letzten Newsletter ereilt, bricht, bevor ihr sie zu sehen und hören bekommt. Sie sind es, die sich jeden Track anhören, den die Bands bei uns anmelden und dann auf ihre MySpace-Site stellen um von MySpace wie im Newsletter versprochen direkt auf die Motor Playlist zu kommen. Es sind nach wenigen Stunden bereits Hunderte. Ich fürchte Malte und Max werden Verstärkung brauchen um Woche für Woche die 12 herauszufiltern, die Ihr dann begutachten und für gut befinden könnt. Alles weitere hört ihr dann auf Motor FM in heftiger Rotation.

Hör ich da einen „Unfair“ sagen? Findet es jemand unpassend dass Malte und Max hier einfach nach Gutdünken entscheiden dürfen? He, beide haben reichlich Erfahrung. Sowohl bei Plattenfirmen als auch für Newcomer Sendungen haben beide schon viele Bands entdeckt und gefördert. Und, dieser Akt der subjektiven Auswahl ist genau das, was man „Editorial Filter“ (bitte Englisch, am besten gar Amerikanisch aussprechen) nennt.

Mir sind Menschen die entscheiden und sich damit auch angreifbar machen tausendmal lieber, als all die Massen, die sich hinter einem vermeintlichen Plebiszit verstecken. Politiker die dieses Land nach Umfrageergebnissen regieren, Redakteure die Sendungen nach gemäß der Resultate von Telefonbefragen machen, Markenartikler die ihre Werbung rein von Akzeptanztests abhängig machen und nicht Malte und Max sind das Problem. Das permanente Schielen auf den vermeintlichen, kleinsten, gemeinsamen Nenner führt zu Stillstand, Konturlosigkeit und endloser Langeweile. Aber es ist für die jeweiligen Entscheider bequem, denn sie entscheiden ja gar nicht. Geht es schief, können sie sich immer hinter den Testergebnissen verstecken. Sie sind nicht schuld, sondern haben im Zweifel „ihre Hausaufgaben gemacht“. Feigheit und Positionslosigkeit wird so als Professionalität dargestellt.

Anders bei Malte und Max. Die müssen noch selbst mit ihrem Geschmack und Instinkt ran und machen sich, wenn ihr all das anhört und für schlecht befindet, ziemlich angreifbar. So geht das auch Dienstag für Dienstag bei Motor FM. Die neuen Platten der Woche werden gemeinsam angehört und wir fünf entscheiden ohne Interesse an vermeintlichen Chartpositionen oder ähnlichem, was wir gut genug für die Playlist finden und was halt nicht. Deshalb klingt Motor FM so wie es klingt.

Bitte geht mit derselben, kompromisslosen Haltung an die 12 Songs, die Euch unsere lebenden, redaktionellen Filter (diesmal bitte Deutsch aussprechen) ausgesucht haben und helft uns damit die erste von Myspace erstellte Charts zu machen.

Danke Tim