Ein pinker Nightliner hat auf jeden Fall Stil. Im Innenhof der Berliner Kulturbrauerei steht ein jener geparkt, und im strömenden Regen begleitet uns der Tourmanager in diesen hinein. Die Mitglieder von The Departure treten ähnlich geschmackssicher auf wie ihr Nightliner. Ein pinkes Hemd als Undersatementgeste kleidet Sänger David Jones, während sein Bassist Ben Winton sich düster mit roter Krawatte gibt. Ein schönes Bild, das die Jünglinge von The Departure da abgeben. Das Image stimmt schon einmal, und das mit der Musik kriegen wir später auch noch hin.

Ob es sich negativ auf Geist und Seele auswirkt, wenn man seine Kindheit und Jugend in einer Kommune verbracht hat, stand eigentlich während des ganzen Gesprächs nicht zur Debatte. Aber wenn man David Jones da so auf dem Fahrersitz des Tourbusses rumhampeln sieht, nimmt diese Frage immer klarere Konturen an. Mit den Zähnen kann er eine Bierflasche aufmachen. Toll, möchte man ihn entgegen schreien. Aber er fordert schon von alleine Applaus für sein Tun ein. Mit viel Selbstsicherheit ist er auf jeden Fall gesegnet. Und zwischendurch mag man nur die Augen rollen, bei all dem Enthusiasmus, den David Jones an den Tag legt.

Der bisherige Werdegang der Band lässt sich schnell skizzieren. Binnen fünf Monaten hatte man einen Plattenvertrag für sich ans Land gezogen. Daraufhin folgten Supportslots für The Killers und beim renommierten Reading Festival durfte man im Jahr der Bandgründung auch gleich noch auftreten. Hört sich alles fein an, und Ben Winton wie auch David Jones können das nur unterstreichen. Und auch wenn sich das alles nach einem Schnellschuss anhört, so ist David Jones sich sicher, dass das der richtige Weg ist und dass man jetzt schon besser ist als manch andere Band. Wow. David Jones rückt seine Jarvis Cocker-Brille zurecht und brabbelt und zappelt weiter.

Gebrabbelt wird in der nächsten halben Stunde über David Bowie. Den findet er toll und er kann es kaum mehr abwarten, bis er seine Ziggy Stardust-Phase haben wird. Als Referenzpunkte gibt er Depeche Mode an. Die findet er auch spitze. Und irgendwann möchte er auch einmal vor so großem Publikum auftreten, seine Arme spreizen und das Publikum für sich singen lassen. Über das Image der Band wird natürlich auch gesprochen. Das sei keineswegs konstruiert, sondern hat sich so entwickelt: “Unser Image soll unsere Musik transportieren. Ich finde es interessant, eine Band auf der Bühne zu sehen, die als Gesamtkonzept auftritt.”

Nun will aber erst einmal das Debüt ‘Dirty Words’ promotet werden. Manch böse Zunge behauptet, dass den Jungs gesagt wurde, wie ihre Musik zu klingen hat. Musikalisch reihen sie sich von daher in die New Wave-Sachen ein und zollen Joy Division Tribut. Und dass da gleich Interpol ins Spiel kommt, liegt auf der Hand. Einziges Manko bei The Departure ist leider, dass ihre Songs nicht durchgängig gut sind. Alles außen herum stimmt, bloß fehlt dem ein oder anderen Song die Kraft. Die Kraft, um wirklich beim Hörer hängen zu bleiben. ‘Be My Enemy’ oder ‘Lump In My Throat’ sind tight und bleiben hingegen im Ohr. Bei manch anderen Liedern fehlt der treibende Beat. Live gestaltet sich die Sache ähnlich. Im Vorprogramm von Hot Hot Heat mag der Funke nicht richtig überspringen. Und da nützt ihnen der Ansatz für die Aufnahme von ‘Dirty Words’ herzlich wenig: “Wir wollten, dass sich der Sound des Albums genauso anhört wie unserer Live-Sound. Und dass die pure unverfälschte Energie eingefangen wird. Zugleich sollte es sich aber massig anhören.” Nach weiteren Ausführungen fährt man noch Vergleiche zu den Psychedlic Furs auf und gibt an, dass sich die Gitarren wie frühe U2 anhören. Und das Glänzen in den Augen des David Jones wird immer intensiver. Ein paar Minuten später hüpft David Jones in die hintere Hälfte des Tourbusses. Zurück bleibt nur noch der Bassist Ben Winton, der während des ganzen Gesprächs eher die Rolle des stillen Beobachters innehatte. “Der ist immer so. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel des Guten”, murmelt Ben vor sich her.

Text: Tanja Hellmig