Auf die Veröffentlichung von “Back To Back” kann die Wahlberlinern Anja Schneider stolz sein: Es ist die erste Werkschau ihres Musiclabels ‘mobilee’. Im Jahre 2005 gegründet, beherbergt es mit Sebo K oder auch Pan-Pot eine Reihe von Künstlern, die aus der Elektro-Szene der Hauptstadt kaum noch wegzudenken sind. Doch viel wichtiger, die Chefin selbst präsentiert sich im persönlichen Gespräch glücklich wie Oskar!

Endlich Geburtstag!

Seit einen guten Jahr gibt es das Label mobilee nun schon in Berlin. Mit der Compilation”Back To Back” scheint die erste Etappe erfolgreich gemeistert!
Anja: Ich bin sehr glücklich über unsere bisherige Entwicklung. Es hat alles sehr gut geklappt. Schließlich weiß man heutzutage ja nicht, ob man in der Sparte der elektronischen Musik noch Erfolg haben kann?! Deswegen gab keinen besseren Zeitpunkt für eine Zusammenstellung unserer bisherigen Outputs als jetzt.

Das besondere an dem Album ist jedoch, dass es nicht nur dem aktuellen Minimal-Hype Berlins musikalisch mit technoiden und housigen Sounds die Stirn bietet, sondern ausschließlich Eigengewächse präsentiert.
Anja: Zum einen muss ich sagen, ich mag Minimal. Es gibt wahnsinnig gute Künstler, die sich diesen Stil gewidmet haben. Aber es war eben nie meine Intention, ein ähnliches Label wie m_inus oder Perlon zu gründen. Desweiteren war von Anfang an unser Vorhaben, jungen, neuen Acts, wie z.B. Exercise One oder dem Griechen GummiHZ, eine Plattform zu bieten. Eben nicht unzählige Summen für große Namen auszugeben, sondern zu schauen, welche Newcomer für mobilee in Frage kommen.

Einmal in Bewegung, immer auf Sendung

Bekannt dürfte Anja Schneider vielen durch ihre Moderation beim Berliner Radiosender Fritz sein. Doch ihre Karriere begann im beschaulichen Neukölln. Dort hatte anfänglich Kiss FM seinen Sitz und war überrascht, als plötzlich eine junge Frau in den Redaktionshallen auftauchte: “Ich hatte einfach nichts zu tun und bin kurz entschlossen dort vorbeigefahren und erklärte ihnen, dass ich den Sender mag.” Dies ereignete sich Mitte der Neunziger, als Kiss FM noch nicht ausschließlich auf R’n’B und Blackmusic setzte. Anjas Selbstbewusstsein konnte überzeugen und sie arbeitete fort an bei der Programmgestaltung mit. Meistens in Nacht- und Spezialsendungen, welche natürlich immer mit elektronischer Musik zu tun hatten.


Einige Zeit später bist du zu Radio Fritz gewechselt und hattest dort mit “Dance Under The Blue Moon” deine eigene Sendung – welche du völlig unabhängig und kompromisslos moderieren durftest.
Anja: Im Prinzip gibt es nichts Schöneres, als den Leuten die eigenen Lieblingsplatten vorzuspielen. Tatsächlich war ich aber am Anfang nicht so recht überzeugt. Vorher war es eine Sendung, die wechselnde Moderatoren hatte und nun sollte ich eine feste Rolle bekommen? Da war ich erstmal skeptisch! Aber Radio war für mich bis dahin das Ding und ich wollte den Leuten mit meiner Sendung dasselbe Gefühl vermitteln, welches mich immer packte, wenn ich auf eine bestimmte Sendung gewartet hatte, in der dann bestimmte Musik gespielt wurde.

Eine Erfahrung, von der du bestimmt heute noch profitieren kannst?
Anja: Auf jeden Fall gibt es da Parallelen. Auch als Moderatorin muss man natürlich ganz genau schauen, was gerade angesagt und hot ist. (überlegt) Natürlich gibt es auch negative Erfahrungen! Wenn du zum Beispiel einen Helden deiner Jugend zu Gast hast und der ist überhaupt nicht so, wie du es erwartet hast. Das ist dann zwar schade, aber nicht zu ändern!

Frisch aufgetischt

Mit dem Label mobilee wagte sich Anja Schneider auf ein neues Terrain. Abseits ihrer Radiokarriere und den langjährigen Erfahrungen mit dem Musikbusiness ein mutiger Schritt.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Ist wirklich alles so gekommen, wie du es dir erhofft hattest?
Anja: Ich hatte nie eine Idealvorstellung, wie es ist, ein Label zu haben. Aber ich wusste, dass das nicht eine einzige große Party wird! Wir sitzen auch acht bis zehn Stunden am Tag im Büro und haben unglaublich viele bürokratische Dinge zu regeln!


Und dann gibt es wahrscheinlich noch eine Flut von Demoaufnahmen, die dich tagtäglich erreicht?!
Anja: Das ist manchmal schon sehr anstrengend, alles durchzuhören. Manches gefällt mir einfach nicht, oder die Sachen passen musikalisch nicht zu uns! Aber man auch wird immer wieder mit wirklich guten Songs belohnt. Mit diesen Künstlern kommen wir gerne ins Gespräch und wenn ein gemeinsamer Deal entsteht, ist es toll zu sehen, wie viel Vertrauen wir auch zurückbekommen.

Aus diesem Vertrauensverhältnis ist inzwischen ein familiärer Kleinbetrieb geworden. Mobilee glänzt nicht durch große Acts, sondern mit viel versprechenden Newcomern. Jetzt geht es auf gemeinsame Tour und passend zur “Back To Back”-Compilation dürften es sehr abwechslungsreiche Abende werden: “Mit diesen Auftritten schauen wir auch auf unsere bisherige Entwicklung zurück. Dabei fühle ich mich aber nicht als Chefin, sondern als Kollegin”, erklärt Anja. “Ich bin eben jemand, der sich darum kümmert, dass alle pünktlich aufstehen, das Gepäck nicht vergessen wird und die Organisation der Reise stimmt.” Und wie ist es mit einer reinen Männerbande zu reisen? “Das ist toll. Man kann rülpsen und weiß, dass es nicht erforderlich ist vor dem Gig noch einmal zu duschen. Kurzum, mit einer Männerbande unterwegs zu sein, macht richtig viel Spaß!” Dann dürfte langfristig nichts schief gehen.

Text: Marcus Willfroth