Die fünf Freunde aus Borlänge in Schweden sehen sich selbst als ein weiteres Glied in der Kette aus Beatles und Rolling Stones, und schleudern sich damit großmäulig in eine Ecke, die von kritischen Musikjournalisten nur allzu gerne mit dem Besen der Gleichgültigkeit ausgefegt werden. Darf man den Mund so voll nehmen, nur weil er schön ist?

Sugarplum Fairy haben im Gegensatz zu anderen Bands die elterliche Beatles-Plattensammlung dazu benutzt, ihre Hausaufgaben mehr oder weniger ordentlich zu machen. Mal mit mehr Witz ein paar Beatles-Songs nachspielen, mal mit weniger Einfallsreichtum Songs komponieren, die nicht viel Eigenes, dafür eine Menge Oasis-Pathos haben. Und da es sich laut Sänger Victor Norén im schwedischen Borlänge den ganzen Tag darum dreht, entweder Fußball zu spielen oder Haue zu kriegen, haben sich die blutjungen, schönen Typen gedacht, mal schnell die beste Band der Welt zu werden. Der Titel des Debüts “Young & Armed” weist eben auf genau diesen etwas irren, aber amüsanten Vorsatz hin: “Wir hätten die Platte einfach ‘Youth’ nennen sollen, denn die Tatsache, dass wir jung sind, macht das Album zu dem, was es ist. Rock’n’Roll kann ohne Jugend nicht existieren und deswegen sind wir auf dem richtigen Weg. Das ist unsere Waffe.” 

Victor, jüngerer Bruder des Mando Diao-Sängers Gustaf Norén wirkt abgeklärt, unglaublich selbstsicher und sogar ein wenig genervt. Kristian Gidlund, nicht weniger jung und schön, fügt hinzu: “Wir sind gesegnet mit Melodien, Energie und Selbstvertrauen. Das ist alles.”  Wie das ankommt, ist verblüffend und entwaffnend. Und vielleicht auch ein wenig lächerlich, aber der Wunsch nach Anerkennung ist so verdammt groß. Victor erklärt: “Wenn du Musiker in Schweden bist, hast du einen starken Drang nach Berühmtheit. Ich meine, es ist so langweilig in diesem Land und man versucht dann alles, um irgendwie heraus zu kommen, um was von der Welt zu sehen.” Wirklich so schlimm? “Schweden ist in gewisser Hinsicht das bessere Amerika, und das ist eigentlich das Gute an diesem Land. Nur sage ich dir eins: ich würde doch tausend Mal lieber in New York leben als in Stockholm.” Victor meint das ernst und lacht schief. Hier wird richtig aufgeräumt mit dem Image des schönen Bullerbü-Landes, und man mag auch eine Weile lang an das böse Borlänge glauben. Etwas Gepose gehört sicherlich auch dazu, und ist spätestens seit der Pop-Epoche des dekadent besessenen Schurken Mick Jagger eine neue Art von Sexualität. “Die einzige Chance, vor unserem Publikum in Schweden zu bestehen, ist, eine Attitüde aufrechtzuerhalten und zu betonen, dass wir eine gute Band sind; die beste! Das gibt uns das Selbstvertrauen, weiterzumachen. Ansonsten würden wir ja darauf hören, was die meisten in Borlänge sagen, nämlich dass wir unsere Musik aufgeben sollten, um wie jeder andere in die Fabrik zu gehen und Geld zu verdienen.”  Das klingt schlimm konstruiert, aber die wütenden Augen Victors behaupten das Gegenteil. Das Gespräch ist zu Ende und der Händedruck der beiden wirkt kalt und zittrig. Auf der Bühne aber sind sie toll, spielen sich die Unsicherheit vom Leib und werden von den Augen der schönen und unkritischen Mädchen in der ersten Reihe verschlungen.

Text: Rebekka Bongart