Als ich neulich im Konsum meines Vertrauens durch die warenbepackten Gänge stolperte und mich vor dem Teeregal wieder fand, klärten sich schlagartig alle Fragen des Lebens. Das muss es sein, daran krankt die Menschheit, dass ist der Grund für alles Schlechte auf der Welt. Denn anstatt Tee, gab es Indischen Tee mit leichter Zitrus-Note, Lung Ching Tee mit dem fruchtig-blumigen Geschmack und leichten süßlichen Note, herb und frischen Sencha Tee mit einer Spur Süße, und so weiTe(e)r und sofort. Ich habe das Gefühl, in der Angst wegrationalisiert und out beschimpft zu werden, hat der Mensch an einer bestimmten Stelle seiner Entwicklung das Signifikante aus den Augen verloren. Ich meine, verflucht, ich will doch nur Tee und keine visuelle Verkostung. Damit kritisiere ich gar nicht mal die Mannigfaltigkeit an Teeprodukten. Es ist allein die Präposition „mit“, die unser Leben so schwer macht. Das Böse hat also drei Buchstaben. M I T! Klingt auf den ersten Blick nach Kneipensabbelei, ist es aber keinesfalls. Ein Beispiel: Gehen wir davon aus, auf dem Etikett steht gut lesbar Tee, dann greift der Konsument lediglich ins Regal und ist nicht gezwungen, die Lesebrille zücken zu müssen. Kleingedrucktes gibt es ja nicht. Daheim in der 3-Zimmeraltbauwohnung angekommen, wird er sich hinsetzen und sehnsüchtig auf die Geschmacksüberraschung warten. Aus dem Routinetrinken wird ein Genuss. Es ist wie beim Lotto spielen. Der Reiz liegt im Ungewissen, nicht am Hauptgewinn. Wäre doch langweilig, schon beim Erwerb des jungfräulichen Lottoscheins zu wissen, dass die gerade getätigte 10 Euroinvestition ein Schuss in Ofen ist. Wenn also der Konsument daheim merkt, dass der erworbene Tee nicht schmeckt, kann er beim nächsten Mal sein Glück aufs Neue herausfordern. So wird aus profanem Einkaufen Erwerbsspaß. Toll!!! Dabei ist die Teeplakatierung nur die Spitze des Eisberges, bei innovativen Ideen muss Mann/ Frau schließlich in größeren Dimensionen denken. Setzt man beispielsweise beim Thema Musik an, offenbart sich hier schier Unendliches. Die wahre Schuld am Musikindustriescheitern trägt die zwanghafte Kategorisierungslust der Menschen, nicht etwa illegale Internettauschbörsen. Wie soll man denn auch im omnipresänten Schubladenjungel zurecht kommen. Bevor man sich also im Wave, New Wave, Nu Wave, Rave, New Rave, New New Wave verliert, flüchtet sich der Konsument doch lieber in bewehrten Kategorien. Und da das musikalische Gebiet bereits mehrfach abgegrast wurde, entscheidet sich die potenzielle Kaufkraft gegen den Erwerb des 18 Euro teuren Silberlings. Deshalb: Musik ist Musik bleibt Musik. Dafür braucht die Welt kein fetzigen Namen. Wenn Klaxons im Elektrofachgeschäft einfach Musik wären, bestünde die Möglichkeit, beim Konzert Mami und Papi den Neonstab in die Hand zudrücken, ohne schief angeguckt zu werden. Zielgruppen gebe es schließlich auch nicht mehr. Die Welt erhält sein persönliches Upload sozusagen.

So lange es aber noch nicht soweit ist, werde ich wohl weiter vor dem Teeregal im Konsum meines Vertrauens an Indischen Tee mit leichter Zitrus-Note, Lung Ching Tee mit dem fruchtig-blumigen Geschmack und leichten süßlichen Note, herb und frischen Sencha Tee mit einer Spur Süße scheitern.

Wir sehen uns auf der nächsten „M-I-T-kraft – nein danke!“ Demo.