Eines vorweg: Auch wenn einem der erste Eindruck vielleicht etwas anderes sagt, der Vergleich von den New Yorkern Diamond Nights mit The Darkness hinkt. Weniger Plattitüde als vielmehr die pure Liebe zu Hard-Rock, wie dem von Thin Lizzy, regiert auf dem ersten Album des Quartetts aus den Staaten. Und das hört sich alles ganz schön cool an. Daher vielleicht auch der Titel ‘Popsicle’.

Frontmann Morgan Phalen widerlegt diese Annahme. “Die Idee dafür kommt aus dem Song ‘Destination Diamonds’, in dem ich singe: ‘Never thought that a popsicle chick could taste so good.’ Sie sind süß und kühlen dich ab, wenn es richtig heiß ist”, lacht Morgan und ergänzt: “Also, so ein Eis am Stiel meine ich natürlich. Aber im Grunde sind unsere Texte nicht von solch gravierender Bedeutung. Ich hoffe sie sind nicht zu plump, aber ich erwarte nicht, dass jemand durch sie erleuchtet wird.”

Doch eigentlich verkauft sich Morgan Phalen unter seinem Preis. Denn dieser Typ ist nicht nur unheimlich sympathisch, gebildet und an Kunst interessiert (nach den getanen Interviews klapperte er beispielsweise sämtliche Museen in Köln ab), sondern hat auch einiges zu erzählen. Aufgewachsen in Mexiko City, verschlägt es Morgan nach einigen Umwegen und Zwischenstopps 2001 nach New York City, wo er Musiker werden will. Nebenbei verdient er sich seine Brötchen in einem Architekturbüro. “Der tollste Augenblick, den ich als Musiker erlebt habe, war der, als ich meinen Job kündigen konnte. Seitdem kann ich endlich das machen, was ich will. Lange schlafen, trinken wann ich will, Drogen nehmen und dazu noch tolle Leute aus der ganzen Welt treffen. Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass es uns nur um die Musik geht. Ehrlich gesagt geht es bei Diamond Nights in erster Linie wohl um Mädchen”, berichtet Phalen mit einem schmunzeln und weiter: “Wirklich bewusst wurde mir das ganze Musikding nach einem unserer Konzerte in New York. Der Keyboarder von Blondie war auch da und nach der Show saßen wir mit ihm an der Bar. Irgendwann fingen wir an, über Rock’n’Roll zu reden. Er sagte uns, dass es drei wichtige Regeln im Rock-Biz gibt. Du musst von einer Droge und Alkohol abhängig sein und etwas total Verrücktes machen. Ich war daraufhin etwas schockiert und sagte ihm, dass ich nicht unbedingt meine Zähne, Freunde und Familie verlieren will um eines Tages alleine in der Betty Ford Klink zu sitzen. Dazu sagte er nur, dass es nicht passieren wird und wenn doch, gibt es Zahnärzte und Therapeuten. Und ich glaube er hat Recht, denn wenn man etwas Verrücktes tun kann, dann sollte man es konsequent verfolgen. Manche Menschen sind wohl eher wie Katzen, andere mehr wie Igel.”

Bevor es Diamond Nights übrigens gab, spielten die vier Jungs, alle mittlerweile in den späten Zwanzigern oder gar in den frühen Dreißigern, in verschiedenen Art-Rock- und Instrumental-Bands. Die Idee zur Gründung von Diamond Nights, so Phalen, war wohl die, dass man nun endlich auch einmal die Musik spielen wollte, die man während der Zeit in der High School nie gespielt hat. In dem Falle bleibt nur noch zu sagen: besser spät als nie. Welch ein Glück.

Text: Manuel Möglich

Nachtrag: Soeben wurde bestätigt, dass die Diamond Nights Mando Diao auf ihrer Europatour supporten.