Schicksalsbelastet, wie Elvis Perkins ist, bedient sich auch sein Debüt am grau getränkten Moll. „Ash Wednesday“ beinhaltet die Verarbeitung der düstersten Lebensmomente des amerikanischen Songwriters und besitzt trotzdem ein Licht am Ende des Tunnels. Klein, aber konstant leuchtend…

Es geschah am 11. September des Jahres 2001. Als sich die Nachricht von Terroranschlägen durch die amerikanischen Sendeanstalten verbreitete, saß Elvis Perkins gerade beim Frühstück und konnte seinen Ohren kaum Glauben schenken. „Ich fand die Situation so wahnsinnig irreal und dachte es handle sich um hoch gepuschte Meldungen“, erklärt er sehr reserviert. Stunden später wurde aus dem nationalen Ausnahmezustand sein ganz persönliches Drama: In einem der beiden 9/11-Flugzeuge, welche ins World Trade Center einschlugen, saß seine Mutter Berry Berenson. „Es war für mich einfach unvorstellbar, dass genau meine Mutter in einem der Flugzeuge gesessen haben soll! Als ich bei der Fluggesellschaft jedoch wegen der Passagierliste nachfragte, wurde aus meiner Vermutung erschütternde Gewissheit.“ Eine Starre setzte bei Elvis Perkins ein und führte dazu, dass er lange nicht in der Lage war irgendetwas zu schreiben oder gar Konzerte zu geben – das Karriereende lag in der Luft.

Für viele ist es unvorstellbar gewesen wieder zur Tagesordnung überzugehen. Wie kam es dazu, dass gerade danach deine Songs für „Ash Wednesday“ entstanden sind?
Elvis: Knapp ein halbes Jahr später, ziemlich genau am Aschermittwoch des Jahres 2002, verspürte ich den Drang, die Ereignisse zu Papier zu bringen. Der Zeitpunkt hat mich sehr gewundert, denn eigentlich ist der Aschermittwoch ein trostloser Tag. Ein Tag, an dem man nicht unbedingt neue Kräfte sammelt. Doch bei mir war es genau dieser Unstand, dieses sich wehren gegen die Düsternis.

Wie sah es neben der Musik aus? Du hattest den Tod innerhalb deiner Familie bereits 1992, durch das Ableben deines berühmten Vater Anthony Perkins, kennen gelernt.
Elvis: Obwohl ich vieles in meinen Songs verarbeiten konnte, war es trotzdem ein schrecklicher Schicksalsschlag für mich. Viele konnten sich in Amerika nach 9/11 kein normales Leben mehr vorstellen? Für mich war es unmöglich überhaupt ein Leben führen zu können. (überlegt) Ich weiß aber inzwischen, dass es für mich auch ein Dasein danach gibt: Als Musiker, als Künstler und vor allem als Mensch.

Trostvolle Worte aus dem Mund eines Mannes, dem man keinerlei Lebensmut absprechen kann. „Ash Wednesday“ ist auf der einen Seite eine düstere Collage der persönlichen Ereignisse geworden, anderseits verbreiten die Songs auch einen starken Optimismus. Eine Sicht der Dinge, welche mehr als versöhnlich ist!

Text & Interview: Marcus Willfroth