Wenn man seinen Worten glauben schenken darf, war der vorzeitige Ausstieg von Max Buskohl aus der letzten Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” eine eher spontane Entscheidung. Die Vorstellung, seine Schülerband Empty Trash im Stich zu lassen und künftig nur noch Stücke aus der Feder Dieter Bohlens singen zu dürfen, hatte dem Berliner Mädchenschwarm offensichtlich schlaflose Nächte bereitet.

Trotzdem hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass es sich bei dieser Aktion in Wirklichkeit um einen cleveren PR-Schachzug gehandelt hat. Denn die ernorme Bekanntheit, die ihm dieser Stunt in den Medien eingebracht hat, ist in Geld kaum aufzuwiegen. Die bisherige Bilanz: Ein Majorvertrag für Empty Trash, Hives-Produzent Pelle Gunnarfeldt hinterm Mischpult und eine solide (meist weibliche) Fanbase vor der Bühne. Also nur beste Voraussetzungen für das Debütalbum “Confessions”, das in Kürze erscheint?

Wo die Nachteile dieser Popularität liegen, welchen Einfluss das auf die Bandchemie hat und was für eine Rolle Buskohls’ berühmter Vater in diesem Spiel spielt – das beantworten Max und Stefan (Gitarre) im Interview.

In eurer Bandbiographie findet sich folgender Satz:
“Auch Empty Trash wissen, dass sie das Rad nicht neu erfinden können, aber wofür Bands wie Blackmail und Beatsteaks einige Jahre und Alben gebraucht haben, gelingt Empty Trash hier auf Anhieb.” Würdest du das unterschreiben?
Stefan: Ouuh… (zögert) Ich glaube dieser Satz will nur ausdrücken, dass diese beiden Bands sehr viel Zeit brauchten, um erfolgreich zu werden. Aber auf der anderen Seite kann es auch gut sein, wenn man sich langsam entwickeln darf. Und das wurde uns durch diesen “Kickstart” etwas genommen. Wir sind jetzt auf einen Schlag ziemlich weit oben und müssen nun auch beweisen, dass wir es wert sind und die hohen Erwartungen auch erfüllen können.
Max: Ich habe den großen DSDS-Stempel, der nach dieser Sache auf mir lastete, zuerst gar nicht bemerkt. Es ist schwer, die Vorurteile abzuschütteln. Die Leute erwarten jetzt ein Pop-Album von mir. Aber wer sich die Platte deswegen aus Prinzip nicht anhören will, ist selber schuld. Man hat jetzt halt ein Image und muss dagegen ankämpfen. Aber, hey – Es ist okay wenn man etwas hat, wogegen man ankämpfen muss.

Es haben sich ja damals ein ganze Reihe von Majors um euch bemüht. Warum hat EMI den Zuschlag bekommen?
Max: Weil wir bei denen die meiste künstlerische Freiheit bekommen haben…

Weißt du die genauen Konditionen des Vertrages? Wie lange er läuft etc.?
Max: Das weiß ich jetzt gar nicht. Es ist auf jeden Fall ein guter Deal (lacht).
Nach meinem Ausstieg habe ich so etwas wie eine Labeltour gemacht. Und weil wir wegen RTL noch drei Monate nichts unterzeichnen durften, hatten wir genug Zeit, uns für das Richtige zu entscheiden. Sie hatten sich schon alle mit unserer Musik beschäftigt und ihnen war klar, wie wir klingen. Und klingen wollen.

Max’ Vater, Carl Carlton, ist ja ein alter Hase im Geschäft. Er spielte schon mit Udo Lindenberg und Peter Maffay und arbeitet inzwischen als Produzent. Berät er euch auch in geschäftlichen Dingen?
Stefan: Gelegentlich. Generell beteiligen wir uns sehr stark selbst daran, weil wir wissen wollen, wie das Business funktioniert. Aber ist es natürlich immer gut, Leute wie Carl zu haben, die einen vor Fallen warnen.

Wie greift er euch sonst noch unter die Arme? Managt er euch?
Stefan: Nein, unser Manager ist er nicht. Eher so eine Art ‘Mentor’. Also in gewisser Weise hat Carl uns am Anfang schon gemanagt. Wir standen da als 16-Jährige mit unseren billigen Amps. Und da hat er uns erstmal richtiges Equipment hingestellt. Im Studio war er Co-Produzent. Er hat viel am Album mitgearbeitet und uns geholfen, unseren Stil zu entwickeln. Carl hat ja sehr viel Erfahrung und merkt, wenn wir ein Soli von AC/DC in das Stück reinmogeln wollen. Er verhindert, dass unsere Sachen peinlich werden. Er ein Lehrer für uns, weil wir noch viel zu lernen haben. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Wenn ihr Interviews gebt, dreht sich ja in der Regel alles um Max. Belastet es nicht eine Freundschaft, wenn immer einer im Mittelpunkt steht? Oder nimmt man das hin?
Stefan: Belasten? Nein… man versteht das ja auch irgendwie. Man nimmt es einfach … (er überlegt kurz)… hin. Doch, du hast Recht. Man nimmt es eher hin. Aber jede Band muss auch Leute haben, die hinten sitzen und die Klappe halten. Es will nicht jeder von uns immer das Mikro in der Hand haben und sich in den Vordergrund schieben. Eigentlich sind wir recht glücklich mit dieser Arbeitsteilung.

Hat inzwischen jeder von euch seine eigenen Groupies?
Stefan: Ob jeder seine eigenen Groupies hat? (Max lacht im Hintergrund laut auf). Vielleicht? Wer weiß? Ich vermute mal, dass Max immer noch ein paar mehr hat. Aber… ich denke ja.

Und bei diesen Worten kann man Stefan durch das Telefon grinsen hören.

Text: Matthias Pflügner