Bin ich an dieser Stelle in letzter Zeit allzu miesepetrig gewesen? Fast könnte der Eindruck entstanden sein, schließlich habe ich weder an „Zusammen ist man weniger allein“, noch an einer weiteren lahmen Jackie Chan-Fortsetzung und schon gar nicht an Axel Stein ein gutes Haar gelassen. Das war aber scheinbar voll am Publikumsgeschmack vorbei gemeckert, denn all diese Filme laufen an der Kinokasse blendend. Deswegen zur Abwechslung mal etwas anderes: diese Woche wird sich hier nur gefreut!

Die Sache wird mir zugegebenermaßen leicht gemacht, denn es kommen gleich mehrere erfreuliche Filme ins Kino. Bei „Das Bourne Ultimatum“ ist das eigentlich keine Überraschung. Nach den sensationellen ersten beiden Teilen, die das Actionkino revolutioniert haben und selbst James Bond zum Nachmacher werden ließen, hatte man auf einen ebenbürtigen Nachschlag durchaus spekuliert. Und tatsächlich werden wir wieder so gut bedient, was uns getrost darüber hinwegsehen lässt, dass sich die Geschichte vom Geheimagenten mit Gedächtnislücken langsam totgelaufen hat. Auch auf den Kurzauftritt von Daniel Brühl als Franka Potentes kleiner Bruder hätte man verzichten können, aber dafür entschädigt die unglaubliche Verfolgungsjagd über marokkanische Dächer für alles!

Als noch viel erstaunlicher erweist sich daneben „Hairspray“. Ich war ja sicher, dass man diesen Film würde hassen müssen. Die Verfilmung eines Mainstream-Musicals, das auf dem gleichnamigen Film des unnachahmlich subversiven John Waters! Das konnte eigentlich nicht gut gehen, schon gar nicht in den Händen des Regisseurs von „Der Babynator“ – und mit John Travolta in Frauenkleidern. Doch so kann man sich täuschen: herausgekommen ist der vielleicht mitreißendste Gute-Laune-Film des Jahres, mit tollen Songs, mitreißenden Stars und ganz im Sinne Waters’, der das Unterfangen auch noch mit einem exhibitionistischen Cameo veredelt. Herrlich!

Wo ich gerade so im Jubelrausch stecke, lasse ich mich nicht so schnell wieder herausreißen. „Schwesterherz“ beispielsweise ist nicht unbedingt ein Welt bewegender Film. Aber die Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen Schwestern – eine erwachsen, voll im Berufsleben und in einer verfahrenen Beziehungskiste, die andere gerade 18 Jahren und höchst eigenwillig – hat durchaus ihre Reize. Geschrieben wurde sie übrigens zum Teil von Heike Makatsch, die auch die Hauptrolle spielt und neben Anna Maria Mühe noch einmal beweist, dass sie mittlerweile einer von Deutschlands sehenswertesten Kinostars ist.

Filmausschnitt Schwesterherz

Gerne guckt man auch den jungen Darstellern in „The Bubble“ zu. Der israelische Film erzählt vom relativ sorgenfreien Leben einer fröhlichen WG in Tel Aviv. Doch zwischen vielen Partys und ein wenig Aktionismus bricht irgendwann die politische Realität des nahen Ostens über die Mittzwanziger herein, als sich der Jude Noam in den Palästinenser Ashraf verliebt. Leider trägt Regisseur Eytan Fox mit der Zeit unendlich dick auf, aber weil heute nicht gemeckert wird, erwähne ich lieber die sympathische Selbstverständlichkeit, mit der der bunte Homo-Hetero-Alltag gezeigt wird – und noch einmal die erfrischenden Schauspieler.

Das Personal vor der Kamera ist schließlich auch in „Max Minsky und ich“ sehr sehenswert, der einfühlsam-amüsanten Verfilmung des Jugendbuchs „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“. Zwar hüpft gelegentlich der prätentiöse Jan-Josef Liefers durchs Bild, aber die Damenriege von Adriana Altaras über Rosemarie Fendel bis Monica Bleibtreu, die die jungen Hauptdarsteller unterstützt, ist blendend aufgelegt.

Und weil doch alle momentan so gerne Dokumentarfilme gucken und in den vergangenen Monaten auch immer wieder vom Maler Klimt die Rede war, gibt’s natürlich auch über die spannende Doku „Stealing Klimt“ nichts Schlechtes zu sagen, die den Kampf seiner Nichte um von den Nazis gestohlene Kunstwerke zeigt.
Und schließlich sind da natürlich noch die „Video Kings“, über die sich an dieser Stelle unter anderem bereits Regisseur Ali Eckert im Interview äußern durfte. Nach einer sehr cleveren Marketingstrategie, die den Film schon seit Wochen durchs Land ziehen lässt und sogar bei Stefan Raab untergebracht hat, erlebt die Komödie über das nicht unchaotische Leben zweier Videotheken-Angestellter nun auch seinen offiziellen Kinostart. Freuen wir uns darum, dass man mit so wenigen Mitteln einen so netten Film auf die Leinwand bringen kann und drücken die Daumen, dass nicht alle potentiell interessierten Zuschauer das Ding schon in irgendwelchen Secret Shows und Sneak Previews gesehen hat. Aber selbst wenn doch – nur nicht die Laune verderben lassen!

Text: Patrick Heidmann