“Okay, wir werden demnächst aber doch eine Veränderung vornehmen: Ich werde mich ab dem nächsten Album ‘Hollywood Hasselhoff’ nennen, und er dort wird ‘Osama Jim Laden’ heißen!” Tja, wer dumm fragt, kriegt auch eine dumme Antwort – aber zunächst dann doch eine ehrliche. Gefragt, ob man sich auf Neuerungen oder Veränderungen im Sound der Bloodhound Gang freuen dürfe, gibt Evil Jared Hasselhoff nämlich unmissverständlich zu verstehen: “Absolut nicht! Es ist wieder der selbe Scheiß wie auf den letzten beiden Alben!” Bevor der hünenhafte und backenbärtige Bassist dann die eingangs erwähnte Neutaufe seiner Wenigkeit und der seines Sängers, des ebenfalls zum Interview angetretenen Jimmy Pop Ali , ankündigt, rülpst er noch einmal ausgiebig. Na dann: Sport.

Aber warum, wenn das neue Album doch ganz der alte Scheiß ist, hat es dann zum Teufel mehr als fünf Jahre gedauert, bis nun mit ‘Hefty Fine’ der Nachfolger des letzten Bloodhound-Gang-Longplayers ‘Hooray For Boobies’ feilgeboten werden kann? “Nun, es ist nicht exakt der alte Scheiß – ich meine, es sind nicht die selben Songs, sondern neue…” setzt Hasselhoff an, bevor ihn Jimmy Pop Ali unterbricht: “Ja, wir hatten probiert, die Songs vom letzten Album nochmal zu benutzen – aber die Plattenfirma ließ uns nicht. Eigentlich sollte die CD auch schon 2002 rauskommen. Doch wir hatten da diese Sache mit den zwei Flugzeugen und den Hochhäusern, das hat eine Menge Zeit und Planung unsererseits erfordert – gepriesen sei Allah! Und dazu kam, dass wir nach der letzten Tour erst einmal drei Jahre brauchten, bis wir es wieder ertragen konnten, gemeinsam im selben Raum zu sein.”

Betrachtet man die beiden Mittdreißiger, die immer noch in einer bizarren Dauerpubertät gefangen scheinen und sich über jedes Körpergeräusch diebisch freuen können, mag man glauben, dass mehrmonatige Tour-bedingte gemeinsame Freizeitplanung selbst an langjährigen Freund- und Feindschaften zehren kann. Denn Ernsthaftigkeit oder Reflexion ist der beiden Pennsylvanianer Sache nicht. Auf die Frage, was er denn angesichts Michael Moores Filmes ‘Fahrenheit 9-11’ empfunden habe, als nämlich dort zu sehen war, wie US-amerikanische Soldaten zum Soundtrack von ‘Fire, Water, Burn’ von der Bloodhound Gang panzerfahrend irakische Städte kurz und klein machten, erklärt Jimmy Pop ohne eine Miene zu verziehen: “Nun, die Leute ficken, während sie unsere Musik hören, und sie töten, während sie unsere Musik hören. Ich denke, solange sie nicht gleichzeitig ficken und töten ist doch alles okay.” Nein, nebenbei angemerkt, das ist es nicht. Dennoch stimmt es natürlich, dass Künstler jeder Couleur keine Kontrolle darüber haben, was die Menschen mit ihrer Musik anfangen. Aber andererseits ist Gleichgültigkeit auch keine wirklich befriedigende Geisteshaltung, net woahr?

Damit nun aber der Bluthund-Bande nicht gänzlich Unrecht getan wird, sei erwähnt, dass ihr größtes Ass im Ärmel nach wie vor treffsicher im rechten Moment gezückt wird: Die Jungs wissen einfach, wie man einen catchy Punk-Pop-Song schreibt, der obendrein ob der textlichen absurden Cleverness mindestens einmal zum Grinsen zwingt. Auf jedes noch so ärgerliche Minderheiten-feindliche Wortspiel kommt eines, das auch Menschen Spaß macht, deren Frühstück nicht aus Bier, Popeln und Pornos besteht. Zeitverschwender wie ‘Uhn-Tiss’ (nicht umsonst zunächst mit dem spaßigen aber treffenden Arbeitstitel ‘The Bad Touch Reloaded’ gehandelt) stehen Backe an Backe mit wirklich coolen Songs wie ‘Ralph Wiggum’ (dessen Lyrics ausschließlich aus Original-Zitaten vom Bloodhound-Gang-Bruder im Geiste und ‘Simpsons’-Charakter Ralph Wiggum zusammengetragen wurden.) Und da die Spacken von der Bloodhound Gang ja angeblich Saufkumpel von Udo Lindenberg sind und noch angeblicher ihr neuer Drummer Willie The New Guy eine frühere Affäre mit einer späteren Affäre von Oliver Kahn gehabt haben soll, will oder könnte, glauben wir einfach mal, dass die Fünf auch Herbert Grönemeyer kennen. Denn es “Bleibt Alles Anders” im Hause BHG. ‘Hefty Fine’ ist zu gleichen Teilen (die selbe alte) Scheiße wie (das selbe alte) Gold, hat genau so viele Treffer wie Rohrkrepierer. “Und”, weiß Jimmy Pop, “jetzt ist September? Spätestens am Tag nach Weihnachten werdet ihr die Platte für drei Euro an jeder Tankstelle kriegen. Zwischen den Aufputschmitteln für die Fernfahrer und den Süßigkeiten! Das garantiere ich euch…”

Text: Ralph Schlegel