Beinahe hätte man schon viel früher von dem aus Toronto, Kanada, stammenden Wirbelwind Fefe Dobson gehört. Denn bereits als sie 16 Jahre alt war hatte sie die Chance, ihren ersten Platten-Deal unter Dach und Fach zu bringen. Doch obwohl sie zweifelsohne über genügend Potential verfügte, die Pop/Rock-Welt zu verzaubern, wollte die heute 18-jährige Fefe erst ihr Können perfektionieren, bevor sie sich aufmacht, die Szene aufzurütteln. Damals hatte sie gerade begonnen, Songs am Piano zu schreiben, und die harmonischen Fundamente ihrer Pop-Kompositionen waren durchaus solide. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass alles irgendwie nicht rund war. “Es stimmte noch nicht, es fehlten einfach noch die richtigen Gitarren-Sounds”, erinnert sich Fefe.

Also warf Fefe, Tochter einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters, alles über den Haufen, verschrottete kurzerhand ihre alten Songs und fing nochmal ganz von vorn an. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Co-Produzenten Jay Levine von Left Hook Productions: “Ich habe Jay kennengelernt, als ich gerade wieder losgelegt hatte. Wir setzten uns zusammen, um einen Song zu schreiben – und nach 10 Minuten hatten wir ihn fertig. Es war sofort eine ganz bestimmte Magie entstanden.”

Diese besondere Chemie trug sogleich Früchte. “Wir spielten einen Part auf der Gitarre, dann spielte ich etwas Piano dazu und die einzelnen Teile kommunizierten hervorragend miteinander, sie passten. Ich dachte viel über mein Leben nach, über meine Erfahrungen, und schrieb darüber in meinen Songs. Jeder kann diese Songs verstehen, fühlen und nachvollziehen, weil sich jeder irgendwann solche Gedanken macht. Die Refrains kamen dann wie von allein. Das war alles wie ein heftiger Adrenalin-Schub!”

Das Produkt dieser kreativen Zusammenarbeit, das von Tom Lord-Alge abgemischte Album “Fefe Dobson”, strotzt nur so vor ungestümer Leidenschaft und ehrlicher Emotion. Gefühlvoll ködert es den Hörer, um dann die andere Seite der Medaille zu präsentieren und mit voller Wucht zu zuschlagen und zu treffen.

Aufgewachsen in einer musikalisch vielfältig interessierten Familie, führten diese unterschiedlichen Sounds, die ihr Zuhause erfüllten, Fefe gleichzeitig in verschiedene Richtungen. So hörte ihre Mutter meist Sachen wie Michael Jackson und Lionel Richie, während sie im Haus herumtanzte. “Meine Mom war unsere Disco-Queen”, lacht Fefe. “Sie war wirklich verrückt. Sie tanzte immer zu Sachen wie ‘Flashdance’. Ich habe immer nur gedacht ‘Irgendwie ist sie tatsächlich schon ein bisschen merkwürdig’, aber schließlich habe auch ich so gelernt zu tanzen.”

Es gab da aber noch etwas, was Fefes musikalischen Geschmack beeinflusste: “Meine Schwester war ein eingefleischter Nirvana-Fan”, erklärt sie. “Sie ging immer in ihr Zimmer, schloss die Tür und ließ ‘Smells Like Teen Spirit’ aus der Anlage donnern. Ich durfte nie zu ihr hinein, aber ich habe mich vor ihre Tür gesetzt, mein Ohr an den Türspalt gelegt und zugehört. In den Songs wird viel über Erfahrungen gesungen – die Jungs hatten einiges mitgemacht. Die Musik kam direkt aus Kurt Cobains Seele, es lag viel Schmerz in seinem Gesang. Man konnte das wirklich spüren, fast miterleben. Wenn man jung ist, denkt man noch nicht ‘Diese Person wird dein Leben ändern’ oder so was. Wenn man aber seine eigenen Songs aufnimmt, kommt das wie von allein zurück und Erinnerungen werden wach.”

Als sie dann die Gesangs-Parts ihres Albums aufnahm, ließ Fefe sich von Cobain motivieren und diese Gefühle in ein paar Songs einfließen. “In dem Raum, in dem ich sang, hatte ich ein paar Poster an den Wänden, um mich zu inspirieren – von Coldplay, Jeff Buckley, The Vines, Judy Garland und natürlich auch von Nirvana. Es gab mir so ein Gefühl wie: ‘Sie habe es gemacht, jetzt bin ich an der Reihe.’ Das hat mir zusätzlich Kraft gegeben. Als ich dann gesungen habe, habe ich Kurt Cobain angeschaut und mich so gefühlt, als würde er mir sagen: ‘Du kannst das auch.'”

Trotzdem ist in Fefe Dobsons Musik weit mehr als nur diese düster-bedrückenden Feelings der “Alternative”-Schiene. Stilistisch kann man sie vielleicht ein bisschen wie Pink mit einen Hauch Avril Lavigne und einem Tupfer Ashanti beschreiben. Und doch ist sie eindeutig und unverwechselbar Fefe Dobson. Was sie eindringlich mit ihrem selbstbetitelten Island-Debüt belegt, auf dem sie all die verschiedenen Einflüsse ihrer musikalischen Vorbilder einbezieht und daraus etwas entstehen zu lassen, das trotzdem nichts anderes ist als Fefe in reinster Form. “Es sind so viel Dinge, die mich beeinflusst haben, viele verschiedene Genres, und daraus ist mein Material erwachsen”, erklärt Fefe. “Das reicht von Nirvana über Red Hot Chili Peppers bis hin zu Madonna.”

So lässt Fefe auf dem Track “Everything” beispielsweise Erinnerungen an die Bangles und die Peppers wach werden, während ihre starke, ausdrucksvolle Stimme über dem bissigen Gitarren-Riff ertönt. Ganz anders ist dann die erste Single-Auskopplung, das wehmütige “Take Me Away”, mit dem sie versucht, aus der Realität in eine romantische Welt zu entfliehen. “Ich hatte eine heimliche Beziehung zu einem älteren Mann”, erklärt sie. “Aber ich konnte es meiner Umwelt nicht mitteilen, da die Leute es nicht verstanden, sondern mich verurteilt hätten. Auch meine Mom wäre damit nicht einverstanden, nicht glücklich gewesen, denn er war wirklich viel älter.” Umgesetzt hat sie dies durch eine bezaubernde Melodie mit echtem Ohrwurm-Charakter auf begeisternden Gitarren-Sounds, die den Hörer in einem Meer aus Gefühlen versinken lässt. Oder aber die bittere, donnernde Nu Metal-Nummer “Unforgiven”, in der sich die Musik und der Gesang genau an dem Punkt treffen, an dem die Erfahrungen des Lebens sich mit unverfälschtem künstlerischen Ausdruck vereinen. Vielschichtige Gitarren-Parts auf einem mächtigen Beat zu einem Gesang, dessen Schärfe wie Säure ätzt. “Daddy Daddy, why’d you break your promises to me…” Wie ein immer wiederkehrendes Echo dominiert diese Zeile die “Ode” an ihren Vater: “Er trat in mein Leben, als ich neun Jahre alt war, versprach mir die Welt und ließ sich dann nie wieder sehen.” Oder schließlich das frech-kantige “Bye Bye Boyfriend”, auf dem Fefe mit ihrem Ex abrechnet – mit geradezu vernichtenden Lyrics…

Obwohl Fefe auf ihrem Album mit diversen, turbulenten Beziehungen “abrechnet”, zeigt sie aber auch witzig-ironische Texte, die direkt auf die Zwölf treffen – wie beispielsweise auf dem punkigen, gitarrenlastigen Tune “Stupid Little Love Song”. Dieses ganze, ebenso vielschichtige wie farbenprächtige Material wird abgerundet von der akustischen, einfühlsamen Ballade “The Revolution Song”. Insgesamt gesehen ist Fefe Dobsons Debüt ein Album, das die enorme stilistische Bandbreite der jungen Künstlerin einfängt und wie gemacht dafür, die Liebhaber des Schubladendenkens in arge Schwierigkeiten zu bringen und zu verwirren.

“Wenn ich live auftrete, dann können die Leute tanzen und grooven, sie können moshen und headbangen. Sie können tun, was immer und wie immer sie mögen. Denn schließlich und endlich ist nur eine Sache wichtig – es bin immer ich. Und das Album rockt”, ist Fefes ebenso schlichter wie treffender Kommentar.

Doch nur “rocken” ist fast zu dünn ausgedrückt – denn die Scheibe ist randvoll hardrockiger Gitarren. Im Studio haben Jay Levine und sie Könner wie den Bassisten Jack Daly (Lenny Kravitz) dazu geholt, um ihre Riffs zu unterstützen. Und obwohl sie zwei großartige Gitarristen an ihrer Seite hat, gibt sie nicht auf, auch selbst immer besser am Instrument zu werden. “Ich habe mir bis jetzt alles selbst beigebracht”, sagt Fefe. “Ich habe, als ich noch jünger war, vier Jahre lang Klavier spielen gelernt – aber an der Gitarre hole ich jetzt schnell auf. Ich arbeite hart daran und entwickle mich wirklich weiter. Ich hoffe, dass ich auch auf der Bühne bald beide Instrumente spielen kann. Das ist wirklich etwas, auf das ich mich sehr freue.”

Fefe kann sich aber noch auf ganz viele andere Dinge freuen. Wie beispielsweise darauf, Live-Gigs vor neuen Fans zu spielen. Bisher hatte sie nur ein paar Auftritte mit ihrer Band, aber diese tollen Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat, ließen sie hungrig auf mehr werden. “Es ist großartig. Mit den Gitarren und den Drums; es ist, wie es sein soll. Es ist laut, die Leute sind begeistert und es ist ein tolles, befreiendes Gefühl!”

Jetzt, da Fefe Dobson alles versucht, es auch über die Grenzen Kanadas hinaus zu schaffen, verlässt sie natürlich den sicheren Schutz ihrer gewohnten Umgebung. Dinge, die sie durch Energie, Aufrichtigkeit, Authentizität und Integrität ersetzt, durch ihren neuen Fokus, um den sie mit harten Bandagen kämpft. Sie will mit der ganzen Welt ihre Lebenserfahrungen und ihr Verständnis der Dinge teilen. Jetzt ist es an Fefe, aus ihrer heilen Welt auszubrechen. Und sie macht diesen Schritt, geht geradlinig und unbeirrbar ihren Weg – denn ihre Musik und Gedanken hinaus zu den anderen Menschen zu tragen ist das, wovon sie schon immer geträumt hat…