Die dänischen Indie-Käuze Figurines haben Ende August mit ihrem dritten Langspieler durchweg überrascht und der großen Pop-Architektur nachgeeifert. Zum Tourbeginn in Leipzig stand Drummer Kristian Volden in der beschaulichen Nato Rede und Antwort.

Let’s Head Out

Die Tage der Built To Spill-, Pavement- und Modest Mouse-Vergleiche sind sicherlich gezählt mit eurem neuen Album ‘The Deer Wore Blue’. Sind die Veränderungen in Songstruktur und -diversität etwas, was ihr unbedingt machen wolltet wegen der zunehmenden medialen Eingrenzung, à la Figurines: die Built To Spill von Dänemark? Oder ist der neue Sound unabhängig von äußeren Einflüssen entstanden und vielmehr eine natürliche Weiterentwicklung von euch als Musiker?
Es wäre für uns einfach überhaupt nicht interessant gewesen eine ‘Skeleton Nr2’-Platte zu machen. Ich glaube, wir wollten einfach ein Album machen, was uns am Herzen lag, ohne daran zu denken jeden zufriedenzustellen und nicht notwendigerweise alle Erwartungshaltungen zu erfüllen. Weil bei ‘Skeleton’ jeder glaubte wir seien Built To Spill und Pavement sehr ähnlich, kamen schon viele, nachdem die Aufnahmen beendet waren, auf uns zu und waren sehr überrascht von dem Ergebnis, aber nicht wir als Musiker. Natürlich mögen wir diese Bands noch, aber ich zum Beispiel habe sie vielleicht vor sieben oder acht Jahren das letzte Mal gehört. Insofern ist ‘The Deer Wore Blue’ schon eine natürliche Weiterentwicklung für uns, da wir in den letzten Jahren vorrangig alte Musik aus den Sechzigern gehört haben. Dies spiegelt sich natürlich in unserem Werk wieder und daher klingt unser neues Album nicht annähernd so Gitarren-rockig wie unser Vorgängerwerk.

‘The Deer Wore Blue’ ist in den schwedischen SilenceStudios entstanden. Ein sehr zurückgezogenes und isoliertes Studio im schwedischen Nirgendwo, weit weg die nächstgelegene Kleinstad Koppom, wo so unterschiedliche Acts wie die Hellacopters und Sophie Zelmani aufgenommen haben. Hat sich die Stille auf euer Schaffen ausgewirkt?
Es war einfach mal schön, isoliert und völlig abgeschieden zu arbeiten. Wann immer man nach draußen ging war da komplette Stille, keinerlei Ablenkung oder ähnliches. Man wacht auf, ist nicht der Hektik einer großen Stadt ausgesetzt und konzentriert sich viel leichter auf die Musik. Nur wir und das Studio, wenn du so willst. Zwar gingen wir mit Demo-Aufnahmen hinein, hatten also konkrete Ideen, waren aber gleichzeitig sehr offen für Veränderungen, die natürlich auch durch unsreren Produzenten Jeremy Lemons entstanden, der von außen Ideen einbrachte und der uns schon so gut kennt als wäre er ein neutrales Mitglied der Band.



Psychedilischer Pop aus den Sechzigern, Zeitreisen ähnlich den Flaming Lips bekommt man in einigen Rezensionen zu lesen. Wo steht dieses am stärksten aus der Art schlagende Album für euch persönlich im Vergleich zu ‘Skeleton’ und eurem Debüt ‘Shake A Mountain’?
Das ist schwer zu sagen. Ich meine, als wir ‘Shake A Mountain’ fertig hatten, war ich sehr stolz auf ‘Shake A Mountain’ und als wir ‘Skeleton’ gemacht habe, war ich stolz auf ‘Skeleton’. Und jetzt natürlich das gleiche. Als Musiker tue ich mich schwer meine Werke unterschiedlich zu wichten, vielleicht kommt das später, wenn man zehn oder mehr Alben veröffentlicht hat. Es ist einfach schön ein neues Album herauszubringen und zu lieben was darauf ist.

Mit dem neuen Sound wird eure gerade beginnende Tour sicherlich sehr aufregend. Was erwartet ihr?
Es wird definitiv spannend. Denn viel von der Energie, die auf dem hier beruht (trommelt einen Indie-Rock-Beat), ist weg. Es wird sehr viel schwieriger und auch komplexer, was das Publikum zu hören bekommt. Das sich trotzdem niemand langweilt, weil er einen gewohnten Sound erwartet hat und wir mit dem neuen Album überzeugen können, wird unsere Aufgabe sein. Das alte Material kennen wir in- und auswendig. Von daher ist es auch für uns als Band spannend endlich wieder mit ganz neuen Songs auf die Bühne zu gehen.

In folgenden deutschsprachigen Städten könnt ihr euch, in den nächsten Tagen, selbst von den Livequalitäten der Dänen überzeugen:

Figurines On Tour:
23.09.07 Dresden, Star Club
24.09.07 Wien, B72
25.09.07 München, Orangehouse
26.09.07 Stuttgart, Schocken
27.09.07 Köln, Studio 672
28.09.07 Wiesbaden, Schlachthof
29.09.07 Hamburg, Reeperbahn Festival

Text & Interview: Mauricio Quinones