Aus dem hohen Norden kommt ein junges Quintett, das trotz – oder vielleicht sogar: gerade wegen – der großen Entfernung zur nächsten Großstadt einen mitreißenden Vorschlag für den Soundtrack zur Jugend in Deutschland im frühen 21. Jahrhundert liefert.

“Es wird nicht besser/ wenn man länger schreit/ und der Krieg hört nich’ auf, wenn man lauter weint.” Aber irgendwas muss man ja machen, nicht wahr?

Findus machen das Richtige: Musik. Findus sind Simeon Kschamer, Moritz Buhmann, Jannes Heinrich und Kristian und Stefan Kühl, fünf Jungspunde aus Kröß. Das gehört zu Oldenburg, und zwar dem Oldenburg ganz oben im Norden von Deutschland, in Schleswig-Holstein. Ganz in der Nähe liegen Örtchen wie Ernsthausen oder Putlos. Das nur als kleine Nebenanekdote, aber dennoch nicht nur, weil’s lustig klingt. Denn Ernsthausen liegt zwar in der “wirklichen Welt” nur einen guten Kilometer vom heimatlichen Kröß entfernt, aber das sprichwörtliche Ernsthausen könnte nicht weiter von dem entfernt sein, was Findus auf ihrem ersten Album “Sansibar” zu bieten haben. Keine erhobenen Zeigefinger, keine Verbissenheit, keine bemühte politische Korrektheit, keine verklausulierte Verkopftheit – Findus sind eben ganz und gar keine Ernsthausener.

Aber keine Angst: Die 12 Songs auf “Sansibar” sind bei allem hörbaren Spaß keine Deutschpunk-Albernheiten oder Sauflieder. Obwohl: Der Alkohol kommt schon verhältnismäßig oft in den Texten des nordischen Quintetts vor. Genau so, wie Feuer (richtiges und metaphorisches), Leere (drinnen wie draußen) und der Wunsch, diese sinnvoll zu füllen. Mit diesen Texten stehen sie auch schon mittendrin in einer Tradition mitreißender Bands aus nicht so weit entfernten Gegenden ähnlichen Längengrades, mit denen sie – natürlich – auch schon verglichen wurden: Turbostaat, Tomte oder auch Muff Potter. Das passt einigermaßen, sowohl was die Texte betrifft, in denen Ich-Befindlichkeit und Sozial-Beobachtungen gleichberechtigt stattfinden und aneinander abgearbeitet werden. Und auch musikalisch ist bei Findus der Geist des straighten alten Kumpels Punkrock englischer Prägung zu spüren, der sich mit flottem Indie-Rock paart. Aber auch Streicher (“Eisenhart New York und zurück”) und Bläser (z.B. “Weil Du heilig bist”) dürfen mitmachen, und an Superpunk erinnernde Motown-Einsprengsel sind genau so im Repertoire wie der Wechsel zwischen beinahe zärtlichen persönlichen Mitteilungen, nonchalanten Streunerlyrics und nahezu hysterischen Gesellschaftskritik-Shouts.

Findus haben in ihren Freunden vom Hamburger Label ‘Delikatess’ treue Verbündete gefunden, die dafür sorgen, dass “Sansibar” nicht nur auf CD und als Download erscheint, sondern auch auf Vinyl. Und dass das Cover der Zwölf-Zoll-Scheibe ein prächtiges Schiff mit gesetzten Segeln ziert, ist kein Zufall: In einer Zeit, in der viele ihrer Altersgenossen an der Schwelle der Entscheidung stehen, ob sie lieber BWL oder doch was mit Medien/Kunst/Wasauchimmer studieren sollen, machen sich Simeon, Jannes, Moritz, Kristian und Stefan auf, die Republik zu bereisen. Fast den ganzen November lang werden sich die Fünf auf den Bühnen von Kiel bis München, von Berlin bis Köln abrackern, um die Kunde vom Dreimaster “Sansibar” auch in eure Nähe zu tragen. Und das, wo’s gerade so kalt wird, draußen… Geht hin, wärmt euch am Findus-Feuer!

Stephan Behrens

Tourdaten:
06.11.2009 Neu Tramm, Raum 2
07.11.2009 Dresden, tba
12.11.2009 Bremen – Tower
13.11.2009 Husum – Der Club
14.11.2009 Kaiserslautern – Kammgarn
15.11.2009 Frankfurt – Nachtleben
18.11.2009 Oberhausen, Zentrum Altenberg Walzenlagerkino
19.11.2009 Köln, Blue Shell
20.11.2009 Gustavsburg, Gerbers Café
21.11.2009 Siegen, New Orleans
22.11.2009 München, 59 to 1
23.11.2009 Hannover – Bei Chéz Heinz
24.11.2009 Wittenberg Lutherstadt, Crush Club
25.11.2009 Hamburg – Grüner Jäger
26.11.2009 Hamburg, tba
27.11.2009 Kiel, Schaubude
28.11.2009 Berlin, Magnet
27.12.2009 JZ Ahlen Ost – Helldorado Festival