Musikalische Frühbildung zahlt sich am Ende immer aus. Das wissen auch die sechs Jungs von Gomez und klatschen ihr erstes Taschengeld für Metallica und Slayer Platten auf den Ladentisch. Später folgen noch, wie könnte es anders, sein Nirvana, Pearl Jam und Jimi Hendrix Tonträger. Als selbsternannte „absofuckinglutely Metalheads“ hatte man schließlich einen Ruf zu verlieren.

Irgendwann hatten aber Ian Ball und Olly Peacock die Nase voll vom Musik hören und daheim bleiben, man wollte selber Rockstar werden, eine Band musste her. Aus diesem Grund wird in der elterlichen Garage die Liverpooler Band Gomez gegründet. Das war 1996. Anders als die meisten Inseljugendbands frönen Ben Ottewell (Gesang/ Gitarre), Ian Ball (Gesang/ Bass/ Gitarre), Tom Gray (Gesang/ Bass/ Keyboards), Paul “Blackie” Blackburn (Bass/Gitarre), Olly Peacock (Drums/Percussion) und Dajon Everett (Percussion/Keyboards) fernab jeglicher Britpop-Ambitionen ihrem Hobby, dem Experimentell-Blues-Rock. Genauso untypisch wir ihr Bandname aber nicht minder gut. Das beweisen auch die ersten Demos der Band, aufgenommen auf einem Vierspurgerät der Eltern versteht sich. Das Ergebnis wird an unterschiedliche Plattenfirmen geschickt, von denen sich später mehr als 20 zurück melden. Die Band ist begehrt, Gomez wird zum Geheimtipp und brodelt langsam im englischen Indie-Untergrund.

Den Zuschlag bekommt letztlich ATO Records, über die auch das 1998er Debütalbum „Bring It On“ veröffentlicht wird. Das Album erweist sich als Indie-Kleinod, wird gekauft und Ende des Jahres sogar für den renommierten Mercury Music Prize nominiert. Dabei verweist der krasse Außenseiter renommierte Größen wie Massive Attack und The Verve auf die Plätze. Endgültige Adlung erhält die Band, als ihr Debüt Platin erhält und nicht weniger als drei Nominierungen bei den Brit Awards einheimst.

In der Folgezeit erscheinen die Platten „In Our Gun” und „Liquid Skin“. Zwei eher harmlose Rockplatten in der Gomez-Diskographie. Erst mit ihrem im Mai 2004 veröffentlichten Viertling „Split The Difference“ sorgen die sechs Liverpooler erneut für Aufsehen, da es für ihre Verhältnisse weniger sperrig ist als noch die drei Vorgänger. Hinzugesellen sich tragende Background-Chöre. Dennoch, wo Gomez drauf steht, ist auch Gomez drin.

Davon können sich auch die zahlreichen Besucher ihrer US-Tourne überzeugen. Mit Hilfe dieser will die Band endlich auch ein Bein auf den amerikanischen Boden bekommen. In der Folge werden im Vorprogramm von Cake etliche Colleges bespielt. Aussagekräftiges Zeugnis ist das Live-Album „Out West“.

Vom Land fasziniert lässt sich Sänger und Songschreiber Ian Ball Ende des Jahres mit Familie und Angehörigen in Kalifornien nieder.

2006 wieder im Studio, nehmen die sechs Jungs das Album „How We Operate“ auf, dass im Mai dann auf den Markt geworfen wird. Zusätzlich erscheint Ende des Jahres die Virgin-Labelcompilation „Five Man In A Hut“.

Hans Erdmann