In manchen Dingen steht die Zeit einfach still. Zum Beispiel wenn es um etwas eigentlich per Definition schnelllebiges wie die deutschen Charts geht. Denn hierzulande zählen bis heute nicht die Album-Downloads dazu und auch die Singles werden erst von dem Zeitpunkt an für die Charterhebung berücksichtigt, wenn auch eine Veröffentlichung auf CD-Maxi erfolgt ist. Warum, weiß ich auch nicht, das haben die in der ifpi (international ferderation of phonographic industries, das ist der Dachverband in dem sich in erster Linie die Majors zusammengefunden haben) einfach so beschlossen. Vermutlich haben sie Angst, sie könnten sonst die Händler verstimmen, täten sie es anders. Auf Nachfragen hört man von Menschen, die in den Chartausschüssen des Verbandes sitzen auf jeden Fall nur Ausflüchte, wie “bei der Sitzung war ich nicht anwesend”, oder noch besser “ach ist das wirklich so?”. Damit habe ich ein Problem, denn für morgen früh hat mich die BBC vor die Kameras gebeten, um den Zustand zu erklären. Denn britische Bands wie die in dieser Ausgabe des Newsletters zu recht gefeierte  Lieblings-Neo-Mainstream-Band Kaiser Chiefs, haben darunter zu leiden. Da wir Deutschen, bislang anders als die Briten, an einer rein durch den physischen Tonträger dominierten Marktsicht festhalten, erfolgte die Veröffentlichung ihrer ersten LP hierzulande mit über halbjährlicher Verzögerung. Früher hätte man auf die 2 bis 5 Tausend Importe gepfiffen, dafür einen besseren Charteinstieg gehabt (weil man den Bedarf aufgestaut und in der ersten Woche mehr Verkäufe gehabt hätte), aber weil heute nicht gestern ist, hatten alle Interessierten das Werk schon als zwangsweise illegalen Download, als es dann endlich auf den Markt kam. So groß wie im Vereinigten Königreich wurden die Kaiser Chiefs hier bei Weitem nicht. Verzweifelt an der Dominanz CD festzuhalten ist ein Eigentor, welches nicht nur den Kaiser Chiefs das Leben schwer macht. Man ignoriert dabei die Fakten. Als die CD vor fast 35 Jahren eingeführt wurde, geschah das mit der Argumentation, sie sei handlicher, unzerstörbar und klänge auch auf kleinen Anlagen gut. In all diesen Eigenschaften wird sie aber von MP3 als Nachfolgeformat glatt geschlagen. Dort wo sie MP3s durch Haptik, Optik und weicheren Klang überlegen scheint, ist sie deutlich schwächer als ihr Vorgänger, das Vinyl. In Berlin gibt es bereits 32 Läden, die wieder rein auf Schallplatten setzen. Zieht man mal Elektromärkte mit ihren CD-Schütten ab, ist das wahrscheinlich fast mehr, als es noch CD-Verkaufsstätten in der Hauptstadt gibt. Die CD ist überholt, aber wir weinen ihr nicht nach…