Die Musikindustrie langweilte und ärgerte schon so einige Musiker, wie auch ihre Fans und andere kritischere Zuhörer.
Damon Albarn – Blur, The Good The Bad And The Queen – und Jamie Hewlett – Comiczeichner u.a. für “Tank Girl”- dachten sich da 1998: „Angriff ist die beste Verteidigung gegen die künstlerische Einöde“ oder so ähnlich, und es wird ganz fix zurückgestänkert, indem mal eben die non-existente Band Gorillaz gegründet wird. Das hört sich an sich schon sehr paradox an, wird aber noch krasser, wenn man die Geschichte fortführt und von den phänomenalen Live-Auftritten und den Awards erzählt, welche vier Comicfiguren ihr Eigen nennen dürfen.

Sie heißen 2-D (voc, p), Murdoc (bg), Noodle (gt) und Russel (dr) und sind die Maske, hinter welcher sich eine wechselnde Gruppierung von Musikern aufhält. Darunter Dennis Hopper, De La Soul, Redman, D12, Terry Hall, Del Tha Funkee Homosapien, Shaun Ryder, Happy Mondays, Ike Turner, The Pharcyde, DJ Danger Mouse und die Erschaffer selbstverständlich auch. Sicherlich mehr ein Konzept als eine Band. Umso erstaunlicher wirkt der MTV Europe Music Award für “Best Group 2005”, der hier neben anderen mal hervorgehoben werden muss; auch, weil die Show eine eindrucksvolle 3D-Projektion der Band beinhaltete.

Auf die Ohren gibt’s von der Truppe ein wirres Dark-Elektro-Rock-Hip-Hop-Crossover.
Entspannt lassen sie Genregrenzen explodieren, gehen dem Populär-Rummel aus dem Weg und schicken gewohnte Band-Konventionen ins Nirvana. Jedes Bandmitglied hat eine eigene und, für Nicht-Lebendige jedenfalls, relativ ausführliche Biografie, die vom schüchternen Mädchen bis hin zum ungewaschenen Hobby-Satanisten berichten.

Mit dem Album “Gorillaz” werden sie 2001 als die erste gezeichnete Musikgruppe bekannt. Anstoß ist dabei Hit-Single “Clint Eastwood”. Ein Jahr später veröffentlicht man die B-Seite- bzw. Remix-Platten “G-Sides” und “Laika Come Home”. 2005 wird mit Galionsfigur “Feel Good Inc.” die Scheibe “Demon Days” hinaus in die Welt geschippert und man macht aus seichten Gewässern, stürmische Meere. Die neuartigen Klangmixturen bringen Aufmerksamkeit und beachtlichen Erfolg mit sich. Zum Beispiel die erste Position der britischen Album-Charts.

Ende 2007 erscheint eine weitere B-Seiten Kollektion namens “D-Sides“. Den Trickfiguren gebührend ist auch endlich der Gorillaz-Film “Bananaz” in der Entstehung.

Im März 2010 wird das dritte Album “Plastic Beach” veröffentlicht, mit dem die Alter Egos von Damon Albarn und Co. die Pop-Welt endgültig erobern wollen. Als Gäste ist eine illustre Schar an Berühmtheiten dabei. Lou Reed, Snoop Dogg, Mark E Smith, De La Soul, Mos Def und Bobby Womack haben einen Auftritt, aber auch das National Orchestra Of Arabic Music und das Hypnotic Brass Ensemble, eine aus Chicago stammende, neunköpfige Formation, die Jazz und HipHop spielt. Außerdem vereint das Album zum ersten Mal Mick Jones und Paul Simonon seit ihrer gemeinsamen Zeit mit The Clash.