Nick Talbot hat einen Traum. Eher ein Albtraum. Und Nick Talbot hat einen Blog, in dem er über solche Dinge schreiben kann. So ist unter http://policediversnotebook.blogspot.com eben von besagtem Traum zu lesen, nämlich im Eintrag vom 13. Juli 2007 – ich übersetze mal in Auszügen: “Letzte Nacht hatte ich den Traum, der sich in letzter Zeit in das kollektive Bewusstsein von Millionen Menschen eingeschlichen hat: Ich saß in einem Flugzeug, das von Terroristen entführt worden war, und deshalb unweigerlich in einem hohen Gebäude enden würde. Neben mir saß ein glorreicher islamischer Märtyrer, der mich voller bösartigen Stolzes anstarrte. Das letzte, was ich vor meinem Tod aber sehen wollte, war das Gesicht eines fehlgeleiteten Idioten. Also beschloss ich, aus dem Fenster das Gebäude anzuschauen, in das wir stürzen würden und versuchte, über Architektur nachzudenken.”

So sieht die sachliche Seite des Künstlers aus, der mit ‘The Western Lands’ eines der schönsten und eindringlichsten Alben zwischen Melancholie und Krach geschaffen hat, das in letzter Zeit das Licht der Plattenläden erblickte. Die musikalische Seite der Medaille trägt dem aber durchaus Rechnung: Auch auf ‘The Western Lands’ tauchen ganz ähnliche Gedanken wieder auf, so wird zum Beispiel die ganze Platte eingerahmt von zwei Songs über das eingangs beschriebene Thema: Die Frage, was in einem Terroristen vorgeht, beschäftigt Nick Talbot genau so sehr, wie die Schattenseiten der Liebe oder die Überforderung mit dem eigenen Lebensweg – alles Dinge, die er in seinen Songs verarbeitet. Und dann ist der Mann noch gerissen genug, seiner Zweit-, Spaß- und Elektro-Pop-Band den Namen Bronnt Industries Kapital zu geben, denn “viele große britische Magazine hegen einen gewissen Fetisch für alles, was deutsch ist, wenn es um elektronische Musik geht. Also dachten wir uns: Wenn wir unserer Band einen absolut albernen, aber auch leicht deutsch klingenden Namen gäben, würden wir vielleicht eher eine Chance haben, im ‘Wire’-Magazin wohlwollend besprochen zu werden. Und so kam es dann auch”. Wie gut, dass die Musik seiner Hauptband Gravenhurst gut genug ist, auch ohne solche Fisimatenten wohlwollend besprochen zu werden. Zu Recht!

Text: Ralph Schlegel