Der Unterschied zwischen International Pony und dem Rest dessen, was sich im Kabelgewirr von elektronischer Musik und Techno verstrickt hat, ist: a) DJ Koze und Cosmic DJ haben als ehemalige Fischmobler einen teilanalogen musikalischen Background, b) Erobique sieht besser aus als der Rest des DJ-Nachtlebens und c) Humor.

Es ging bei folgendem Gespräch im wesentlichen also wirklich darum, einen Plan zu entwickeln, der ein beliebiges Festivalpublikum eines Xavier Naidoo – Auftrittes dazu bringt, sich während eines Liedes plötzlich auf den Boden fallen zu lassen, um den Künstler denken zu lassen, es gäbe ein Erdbeben oder sein Gesang würde die Erde dazu bringen sein Publikum zu verschlucken. Soviel kann ich verraten: Es gab eine Lösung!

Ihr habt jetzt nicht wirklich vier Jahre lang an dem neuen Album gearbeitet? Obwohl es natürlich wirklich so klingt als hättet ihr!
Cosmic: Wir haben vier Jahre lang ausschließlich an diesem Album gearbeitet. Die Solo-Alben von Adolf Noise, DJ Koze und Keil Stouncil lagen alle schon lange in der Schublade und wurden dann zum richtigen Zeitpunkt rausgeschickt.

Ist das dann ein leichtes Arbeiten wenn man nur phasenweise zusammenkommt?
Erobique: Leicht und spielerisch ist es, Anfänge zu machen. Ich könnte meinetwegen die ganze Zeit immer nur Anfänge machen. Zuhause, alleine Zeugs zusammenfuckeln, in den Rechner oder auf DAT spielen und die dann so in die Runde stellen. Ab dann geht erst die eigentliche Arbeit los.

Wenn ich mir euer Cover-Artwork angucke oder euer Info lese, geht’s erstmal wenig um Musik – eher um Humor.
Cosmic: Was würde das bringen ein Info zu schreiben, in dem es um Musik geht? Letztendlich muss man Musik doch hören.
Koze: Und so ein Info muss man lesen – da kann’s doch ruhig mal lustig sein.
Cosmic: Auf musikalischer Ebene dagegen sind wir doch wahnsinnig ernst.

Ein Scherz?
Cosmic: Auf gar keine Fall! Wir sind wahnsinnig ernsthaft interessiert an guter Musik. Ohne da jetzt unseren Humor oder unsere Lockerheit zu verleugnen. Aber das ist eine ernste Sache.

Und nicht ein bisschen Satire?
Cosmic: Null! Gar nicht! Überhaupt nicht!


Fühlt ihr euch als Teil der Elektronik-Community?
Erobique: Was soll’n das sein?

Na so eine Art Kneipe wo man unter sich ist. Der Bushido hat ja auch noch andere Bushidos mit denen er sich abends trifft. Der geht ja nicht mit dem Gitarristen der Beatsteaks saufen.
Erobique: Aber wenn die sich auf dem Melt-Festival treffen? Beim Wildcampen? Dann vielleicht doch! Hamburg ist jedenfalls so lütt, da gibt es keine Grabenkriege. Da redet jeder mit jedem. Da ist das so, dass der Mense Reents auch mal mit Thees Uhlmann redet.
Cosmic: Geredet HAT! Einmal!
Koze: Das war aus Versehen! Da kam der grad von der Toilette und dann hat Thees nach dem Weg gefragt und der kam ja grad von da und wusste den Weg…
Cosmic: Also ICH bin Teil der Elektronik-Community!
Erobique: Na ich ja auch! Wir haben ja alle Handys und Internet und so.

Eure Internetsite ist kaputt.
Erobique: Die ist nicht kaputt, die ist nur langweilig.

Wenn man auf eurer Site den Link von eurer Plattenfirma drückt kommt als erstes ein Foto von ‘Superstar’ Tobias Regner.
Erobique: Das ist das Zugpferd unserer Plattenfirma.
Cosmic: Der ist gut! Der hält uns schön den Rücken frei damit wir auch mal ein Video drehen können.
Erobique: Oder Schnittchen bekommen beim Interview.
Cosmic: Tobias Regner – ein netter neuer Typ! Der aber nicht als Feature auf unser nächstes Album kommt.

Was sind die Top-3-Drogen?
Koze: Vom letzen Wochenende?


Nein Arbeitsdrogen – keine Freizeitdrogen.
Cosmic: Bier, Rotwein und Nikotin.
Erobique: Und was soll ich dann trinken?
Koze: Weißwein und Wodka.
Cosmic: Die Top-3-Arbeitsdrogen sind Alkohol und Zigaretten!
Koze: Ich muss mir immer die Haare waschen.

Ist seit eurem letzten Album irgendwas aufregendes musikalisches passiert da draußen?
Koze: Permanent! Ich bin wie ein Jäger ständig auf der Jagd nach schönen Sachen und wenn ich die finde dann inspiriert mich das TOTAL. Gerade der Club- und Technobereich ist die größte “Mind-Opening-Phantasiewiese” die es gibt. Aber natürlich auch die größte Ansammlung von Musik die einen depressiv macht, schon wenn man in den Club reinkommt.


Weil sie so düster ist?
Koze: Weil sie so schlecht ist! Und langweilig.
Erobique:

Elektronische, technoide Musik ist das größte was es gerade gibt, weil sie wirklich frei ist. Das bekommt man da draußen vielleicht gar nicht so mit.

Ist das gut so?
Erobique: Wahrscheinlich. Und wahrscheinlich hat sich das ursprünglich auch genau so gefunden. Du musst dir überlegen, das ist über die ganze Welt verbreitet, und das ohne Promo-Maschine. Überall auf der Welt gibt es diese Verrückten die das machen und hören, die nach irgendwelchen isländischen oder portugiesischen Platten suchen.
Koze: Dieses Rockding macht mich fertig!
Erobique: Ich hör auch mal Rockmusik – aber dieses ganze Rockismus-Gehabe und diese „junge-Frisuren-Typen“. Ich weiss nicht. Ich find nicht gern was Scheiße aber wahrscheinlich geht es denen genauso, wenn die elektronische Musik hören. Eigentlich will ich mich nur für Musik interessieren, die ich gut finde.
Cosmic: Das sind zwei verschiedene Lager die nicht gut zusammen kommen und in der versuchten Mischform, wie es sie grade immer wieder gibt, finde ich sie komplett überflüssig. Da bin ich Hart-Nazi und sage: Das Pure, Geile von dem Einen ist Geil und das Pure, Geile von dem Anderen irgendwie auch. Man muss nicht alles zusammenwürfeln um das nächste Große Geile zu finden. Das hätten wir schon gemerkt, wenn es das wäre.
Erobique: Es gibt Leute die können das, aber die wenigsten kriegen das gut hin. Da mag ich schon lieber den Ansatz der Hives. Das ist eine reine Rockband, aber die spielen wie Roboter. Die spielen Rock so steif als wären sie Maschinen.

Du hast doch in deiner Jugend auch Gitarre gespielt, Cosmic. Hilft das beim Computer hochbooten? Oder beim komponieren?
Cosmic: Nicht wirklich. Ich finde die Arbeitsmittel, mit denen man was macht, völlig irrrelevant. Das Eine ist das Eine und das Andere das Andere.
Koze:

Also Alkohol hilft mehr beim komponieren. Mehr als Gitarre! Das könnte an den Rockleuten auch mal sagen.



Kommt die Plattenfirma auch manchmal vorbei und will beim Komponieren helfen?
Koze: Nie. Die sind ja auch auf der Suche nach neuen Wegen, und wenn die dann mal eine Zelle gefunden haben, die in sich funktioniert, die alles selber macht und die Cover organisiert, und Ideen fürs Video hat usw., dann sind die froh. Dann kommen die eher vorbei und fragen: “Geht’s euch gut? Braucht ihr noch Wasser? Oder Schnittchen?”
Erobique: Die formbaren Produkte sind auch einfach mal 12 Jahre jünger als wir!
Koze: Das sind ja auch nicht zwangsläufig alles Musiker die bei so einer großen Plattenfirma arbeiten. Die wissen ja gar nicht, was wir da machen! Was sollen die sagen? Drück mal da den Knopf da und mach den Gesang lauter?
Erobique: So wie früher.

Da gab’s in den Studios den “Peter-Maffay-Knopf”. Das war ein Knopf oder Kanal am Mischpult der keinerlei Funktion hatte. Ein Placebo-Kanal. Wenn dann der Peter oder einer von der Plattenfirma kam, um sich das neue Zeug anzuhören, und wenn denen dann was zu leise oder zu laut war, dann hat der Produzent ein bisschen am Maffay-Knopf gedreht. “So besser?” “Ja danke! Cool! Na gut, dass ich mal vorbeigekommen bin!”

Cosmic: Das hatte ich mal live. Ich habe immer Zeichen gegeben, dass ich den Monitor lauter brauche und der Techniker hat nix gemacht. Nix! Da ist aber dann mal eine Bierflasche geflogen!
Koze: Von dir? Im Ernst?

Du machst mir grad keinen aggressiven Eindruck.
Cosmic: Ich bin ein richtiger warmer Soulbruder – der aber auch gerne mal zulangt. Ich hab mir auch den Schädel anbohren lassen um kontrolliert Gehirn-Innendruck ablassen zu können.

Fehlen dir nicht manchmal die “Worte”? Fischmob haben immerhin deutsche Literatur-Geschichte geschrieben.
Koze: Da hast du natürlich recht!
Cosmic: Da gibt es jetzt andere Leute. Der Dendemann macht das jetzt.
Erobique: Als Fischmob-Fan muss ich sagen, dass das was Cosmic bei Pony macht, an Worten zwar weniger ist, dafür ist es die Essenz dessen, was er kann.
Koze: Was du (Cosmic) z.B. bei dem „Solid Gold“ machst, ist textlich und gesanglich einfach auch viel mehr Wert als deutscher Rap.
Cosmic: Wortgesang ist so kopfig. Da muss man hinhören, sonst versteht man den Witz nicht. Bei Gesang kann man als Hörer auch mal loslassen UND man hört die Musik! Das ist viel langlebiger. Gerade Raptexte, die von Intelligenz und Wortwitz leben, leben auch vom Überraschungsmoment. Selbst die guten Texte von Bo und Dendemann – nach dem siebten Hören hab ich die dann.
Koze: Ich bin ganz froh, dass es nicht mein Beruf ist Humor zu verkaufen.


Könntet ihr zum Abschluss für mich die neue Deichkind-Platte musikalisch einordnen?
Alle reden durcheinander (stehen auf): Ja Danke, dann! Das war’s ja dann wohl jetzt. Vielen Dank für das nette Gespräch! Komm gut heim. Machs gut. Tschüss du!