Freiburg haben sie hinter sich gelassen. Aber ihre federleichte Beschwingtheit aus den Anfangstagen bildet immer noch die grüne Wiese, durch welche die Fünf von Tele musikalisch wandern. Während die einen Tele als harmlose kleine Kuschelknäule aus den Kindheitstagen wahrnehmen, dichten andere ihnen große Gesten und musikalische Neuerungen an. Wie das, mag man sich fragen, wenn man die Achtzigerjahre-Produktion von “Wovon Sollen Wir Leben” anhört? Braut sich hier ein Tal der Missinterpretation auf oder kann einfach flockig daherkommende Popmusik heutzutage wirklich noch polarisieren?

Ein Szenario. Zwei Meinungen. Ein Ort. Nummer Eins: Tele find ich toll, die haben so was Ehrliches. Und erst der Hit. Der kommt gleich. Der wird dich umhauen, dich greifen und dir einen Ohrwurm der besonderen Art bescheren. Von ‘Now, Now’ Now’ ist die Rede. Man befindet sich in der Hochburg des guten Indie-Geschmacks. Das ‘Immergut Festival’ tagt und lädt die nunmehr in Berlin ansässige Band Tele zur Audienz. Das passt. Irgendwie. Die Sonne scheint. Das Bier ist kühl und während Person Eins sein dämliches, Freude erfülltes Lächeln nicht mehr aus seinem Gesicht wischen kann, bleibt bei Person Zwei so gar nichts hängen. Leichte Popmusik ohne große Momente schallt einem entgegen. Da vereint sich gefügiger Pop ohne Ecken und Kanten gefällig mit der harmonische Landschaft der anliegenden Seenplatten und verschwindet so schnell aus dem Kopf wie er gekommen ist. Unspektakulär könnte man auch sagen. Und nun die Frage: Wie können solch verwischte wie auch unterschiedliche Meinungen zustande kommen? Taugen Tele wirklich nichts? Oder liefern die Jungs hier wirklich was grundauf Inspirierendes mit großen Momenten ab?

Schon die Sportfreunde Stiller haben diesen Spagat vorgemacht. Auch wenn diese hier musikalische überhaupt nicht in den Kontext passen, so bieten die drei bayerischen Buben aber eine Basis. Auch ihre Musik wird als gefällig vielleicht sogar als banal abgetan. Und trotz dieser Meinung können so manch andere sehr viel aus ihrer Musik ziehen. Da werden Sätze hin und her geschoben, interpretiert – vielleicht auch analysiert – bis die Texte eine größere Bedeutung zu geschrieben bekommen. In etwa genauso gestaltet es sich bei Tele. “Literatur und Lyrik will, dass es tausend Interpretationsmöglichkeiten gibt.” Soviel gibt Sänger und Songwriter Francesco Wilking zum Protokoll. Und obendrauf noch seinen Standpunkt zur negativen Wahrnehmung gegenüber seiner Musik: “Da kann mich sich nicht gegen wehren. Das sind Vereinnahmungen. Wenn jemand sagt, wir machen Soft-Pop, dann soll er es halt so nennen. Wenn Leute so etwas schreiben, dann gehe ich davon aus, dass sie unsere Musik gar nicht so gerne hören. Dass es aber genug Bands für sie gibt, so dass sie nicht unglücklich sind. Die kommen schon klar, die brauchen uns dann nicht. Es berührt einen natürlich schon, weil man ja gerne was sagen und die Leute erreichen möchte.”

Das mit dem Erreichen klappt aber eigentlich schon ganz gut. Auch wenn die Musik bei einem Selbst nicht das große ‘Aha-Erlebnis’ auslöst, so muss man den Fünfen zugute halten, dass sie eine Harmonie- wie auch Musikverliebtheit zutage legen, die ihresgleichen sucht. Auf ‘Wovon Sollen Wir Leben’ wurde solange gefeilt, bis auch jeder Ton sitz. Und auf Grund der gleichen musikalischen Referenzpunkte schlägt so manch einer eine Brücke zu Phoenix. Auch die feiern den Präfezisions-Pop und hinterlassen beim ersten Hören auch nicht gleich die große Wirkung. Solch eine Art von Musik muss arbeiten. Auch wenn es nur Popmusik ist. Und Tele fühlen sich bestimmt geschmeichelt über solch eine musikalische Brücke.

Text: Tanja Hellmig