Zutätowiert und zartbesaitet – Die Power-Pop-Rock Königin Kanadas mit indischen Wurzeln, Beth Torbert alias Bif Naked, steht gerne zwischen den Extremen, wie der Titel ihres neuen und vierten Albums ‘Superbeautifulmonster’ bereits erahnen lässt. Dass sich darauf letztendlich weitaus mehr zerbrechliche und schöne Songs finden, als ihr taffes Äußeres erwarten lässt, überrascht nach unserem intensiven Gespräch mit der süßen Straight-Edgelerin dann auch nicht mehr all zu sehr.

‘Superbeautifulmonster’ gehört nämlich definitiv zur Kategorie Trennungsplatte: Dezent düster, persönlich emotional und ehrlich verpackt Bif hierauf ihre emotionale Karthasis in melodisch durchaus Mainstream-kompatible Midtemporocker und Halbballaden.
“Mein Privatleben war schon immer etwas finster. Ich tendiere dazu, immer ganz schlechte Entscheidungen zu treffen – mit Jungs. Und das resultiert bei mir in einer Menge Herzschmerz. Deshalb gibt es auf dem Album auch so viele traurige Liebeslieder”, erklärt Bif, die auf Grund ihres prall gefüllten Terminkalenders glücklicherweise gar keine Zeit hat, um unrasiert und in Jogginghose mit einer Schokoladeneis-Familienpackung auf die Couch gekauert über ihr Beziehungselend zu räsonieren.

Neben einem körperbewussten Workoutprogramm flüchtet sich Frau Naked nämlich gerne in künstlerische Arbeit jeglicher Form. Nicht nur, dass sie mit ihrer Band live ständig auf Achse ist, Nebenjobs als Label-Chefin, Kolumnistin, Radio-DJane, Spoken Word-Künstlerin sowie gelegentliche Film- und TV-Auftritte (wie zuletzt im US-Serien-Hit “The L Word”) sind in Bifs bewegtem Leben keine Seltenheit. Dabei hat die Frau selbst gar keinen Fernseher. “Ich hatte vier Zeilen, habe die Sendung aber nie gesehen. Ich hatte noch nie einen Fernseher, es war nie eine Priorität für mich. Die Band guckt auf Tour andauernd DVDs, und ich habe mich immer gefragt, was die da so schauen. Auf der letzten Tour habe ich dann einen kompletten Lehrgang in ‘South Park’ bekommen. Jetzt kenne ich jede Folge…” So ist Bif nicht nur mit den Sehgewohnheiten, sondern auch mit den, ihrem eigenen gesundheitsapostolischen Lebensstil diametral entgegengesetzten Ess- und Trinkgewohnheiten ihrer männlichen Begleitband mittlerweile bestens vertraut – somit hat sie auch keine Hemmungen, demnächst als Headliner bei den Harley-Days in Hamburg umringt von Bratwurstständen, Bierzelten und Bikerhorden ihren ersten deutschen Live-Auftritt seit vier Jahren hinzulegen. “In meiner Band essen auch alle Burger und trinken Bier, ich sehe das alles mehr mit einer ‘Jeder nach seiner Fasson-Mentalität’. Harley ist eine so respektable und traditionelle Firma, es war eine absolute Ehre für uns dorthin eingeladen zu werden.”

Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht bei nur einem Gastspiel in deutschen Landen bleibt, denn momentan verdeutlicht keine andere Frau im Rock-Business so extrem, wie sexy Extreme sein können.


Text: Frank Thießies
Foto: Marcus Ewers