Was es so alles an Musik in Berlin gibt. Erfolgreichen Punkrock, den durchaus mehrfach. Gitarren-Pop, den gibt es in ziemlich angesagter Form. Und eine Menge möchtegern-hipper Kapellen, die uns ziemlich auf die Nerven gehen (Was ist eigentlich mit Mia. passiert? Haben wir die mittlerweile überlebt?) Was in der Stadt fast vollkommen fehlt: guter Post-Hardcore, Indie-Rock im Stile der Dischord-Bands. Zum Glück haben wir aber noch Kate Mosh, und die wiederum haben ein neues Album ‘Breakfast Epiphanies’ auf ‘Nois-o-lution’. Ein tolles neues Album, um das gleich hinterher zu schicken.

Denn ansonsten möchte ich meinen Gedanken erst einmal ein wenig ausführen. Was haben wir Washington D.C. immer bewundert – die Stadt hat etwas mehr als eine halbe Million Einwohner, und selbst wenn man all die Vororte mitzählt, ist Berlin noch größer. Aber dennoch gibt es hier nicht annähernd etwas wie ‘Dischord Records’, wo seit einem Vierteljahrhundert eine gute Hardcore-, Emo, Postrock oder Indie-Rock-Band nach der anderen dokumentiert wird. Nebenbei entstanden dabei so wichtige Stile und Ideen wie Straight Edge oder Emo. Hätte in Berlin ein Label ein ähnliches Unterfangen versucht, es wäre nach kurzer Zeit wegen Beschäftigungslosigkeit eingestellt worden.

Kate Mosh müssen dieses Gefühl kennen. “Wir hatten damals richtige Probleme, in Berlin mit unserer Musik Fuß zu fassen”, sagt Thom Kasting. “Wir lernten niemanden kennen, der dasselbe machen wollte. Damals waren alle so drauf, dass sie Gitarren überhaupt nicht mehr hören wollten.” Zum Glück stieß die Band dann auf Sinnbus, ein (Ost-)Berliner Kollektiv, das Konzerte veranstaltet und seit einigen Jahren auch Platten veröffentlicht. Kate Mosh lieben das Kollektiv: “In Zusammenarbeit mit anderen entsteht eben was Neues. Das gegenseitige Pushen funktioniert in der Band natürlich genauso wie darüber hinaus”, sagt SN Cleemann, der eigentlich Sebi heißt. Und Thom ergänzt: “Das ist schon so, dass man eigene Entscheidungen in der Zusammenarbeit mit anderen überdenkt und zu coolen Kompromissen kommt. Nichts Halbgares, sondern Sachen, mit denen alle leben können.”

Und dennoch hat die Band nun einen Schritt hinaus aus dem Kollektiv gewagt, veröffentlichen ihr neues Album auf dem Berliner Label ‘Nois-o-lution’ – eine kleine und sehr coole Plattenfirma zwar, aber dennoch. “Wir wollten Sinnbus ungern verlassen. Das war ein sehr schwerer Schritt”, betont Thom und deutet an, dass es nicht jeder, der in Sinnbus involviert war, gleich verstanden hat. “Wir hatten schon beim letzten Album gemerkt, was alles nicht geht. Wir sind in den ganzen Prozess involviert, nehmen die Platte selber auf und gestalten das Artwork. Man merkt, dass man irgendwann einfach durch ist. Und dann würde die ganze Labelarbeit beginnen. Das konnten wir nicht mehr leisten”, begründet er die Entscheidung.

Es könnte für Kate Mosh auch durchaus noch einen Schritt weitergehen. Warum auch nicht? Bei der gemeinsamen Tour mit New Black aus Chicago bemerkte die Band schließlich, dass die Amerikaner noch gar nicht so weit sind wie sie selber, aber dennoch schon viel mehr erreicht haben. Ein anderes Beispiel ist noch passender: Hätten sich Q And Not U (von eben jenen ‘Dischord Records’) nicht aufgelöst, sie wären heute wohl auf einem Majorlabel und auch über Szenekreise hinaus bekannt. An Q And Not U kommen Kate Mosh sicherlich nicht heran, aber warum sollte nicht auch mal eine gute Berliner Band Erfolg haben, ohne dass sie versucht, einem Trend zu folgen?

Immerhin auf einer Partyreihe von ‘Fierce Panda’ – jenem Label, das schon die völlig überschützten Art Brut hervorbrachte – in London haben die Berliner bereits gespielt. Und immerhin: dem Labelchef hat das Konzert gut gelaufen. Vielleicht also koksen Kate Mosh künftig mit Kate Moss in Londons Backstage-Räumen. Wäre doch auch was.

Text: Dietmar Stork