Hi Alex, schicke Frisur!

Alex: Danke, schön, dass sie dir gefällt.

Ich habe eben vor dem Interview noch kurz die Online-Petition aufgerufen, die dich auffordert, zur alten Frisur zurückzukehren – bis dato haben 1.530 Leute unterschrieben.
Alex: Ach, die Petition. 1.530 Leute laden meine Frisur runter, setzen sich damit auseinander…
Bob Hardy: Du hast eine Petition veröffentlicht, heute Morgen?
Alex: Nein, das ist im Internet, es geht um meine Frisur – sie sind länger als vorher, was kann ich dazu sagen (grinst, wirkt belustigt).
Bob: Ach so

Ist das denn nicht unglaublich?
Alex: Ja, das ist es. Darüber denkt man besser nicht genauer nach.

Insbesondere wenn man sich die Gründe ansieht, die die Macher für ihr Begehren angeben: Angeblich stand dein alter Haarschnitt für Frieden, Freiheit und solche Dinge.
Alex: (Zunehmend belustigt) Aber das ist wahr, mir ging es bei meiner Frisur immer darum, ein Statement für die Meinungsfreiheit abzuliefern. Nein, im Ernst: Ich hoffe und glaube, dass man diese Petition nicht ernst meint, dass ihre Betreiber einen guten Sinn für Humor haben. An die Möglichkeit, dass so was ernst gemeint sein könnte, denke ich lieber erst gar nicht. Man sollte die Sache also mit Humor sehen.

Wenden wir uns anderen Dingen zu. Ihr habt nun relativ schnell einen Nachfolger aufgenommen, hättet ihr nach dem ganzen Stress des letzten Jahres nicht erstmal Urlaub verdient, auch um nicht auszubrennen?
Alex: Aber gerade deswegen haben wir ja so schnell etwas Neues aufgenommen, um sicherzustellen, dass wir gerade nicht ausbrennen. Es gibt heute den Trend im Musikgeschäft. ein erfolgreich laufendes Projekt so lange zu melken, bis auch der absolut letzte Tropfen herausgepresst wurde und man irgendwann garantiert jeden Spaß an der Musik verliert und nur noch funktioniert – ohne Leidenschaft. Wir hätten sicher ganz locker noch ein halbes Jahr länger mit dem ersten Album auf Tour gehen können und wahrscheinlich haben wir sogar ein paar Leute enttäuscht, weil wir in manchen Teilen der Welt, in denen wir erfolgreich waren, nicht mehr aufgetreten sind. Wir werden das nachholen. Aber am Wichtigsten für uns ist es eben als Band aufregend zu bleiben, uns weiterentwickeln, neue Dinge zu tun.

Habt ihr denn überhaupt eine Pause gehabt?
Bob: Um Weihnachten herum haben wir uns einen Monat frei genommen.
Alex: Und das ist ja schon eine lange Zeit! Ich meine, wer kann das schon? Kriegst du einen Monat Urlaub in deinem Job?

Eher selten, das stimmt. Wie seid ihr denn mit dem Druck umgegangen?
Alex: Wir haben uns dem Druck entzogen, indem wir mit den Aufnahmen aufs Land gegangen sind und ihn einfach ignoriert haben. Das habe ich auf der Schule und in der Uni gelernt: Druck einfach wegzuschieben. Damals habe ich vor wichtigen Klausuren und Prüfungen immer so getan, als gäbe es keinen Druck. (Lacht)

Habt ihr vor dem Beginn der Aufnahmen bewusst darüber nachgedacht, in welche Richtung selbige gehen sollten, oder habt ihr es einfach laufen lassen?
Alex: Oh Gott, du denkst ständig über die musikalische Richtung nach. Die meisten Leute haben scheinbar eine sehr statische Vorstellung davon, wie Bands und Musiker arbeiten, dass Platte, Tour, Songs schreiben und wieder ins Studio gehen streng hermetisch voneinander abgegrenzte Bereiche sind. So ist es aber nicht, das geht alles ineinander über, man denkt ständig über diese Dinge nach und wir haben jetzt schon wieder Ideen für die nächste Platte.

Ihr schreibt also die ganze Zeit über, auch auf Tour?
Alex: Ja, das tun wir. Wir arbeiten ständig an irgendwelchen Sachen.

Interessant, viele Musiker sagen, sie können auf Tour keine Songs schreiben.
Alex: Nun, wir haben natürlich unterwegs nicht die Möglichkeit, Sachen wirklich auszuarbeiten, aber wir entwickeln ständig Skizzen und Ideen.

Aufgenommen habt ihr die Platte in deinem Haus in Schottland, richtig?
Alex: Ja, das ist richtig.

Lebst du dort alleine?
Alex: Nein, ich lebe dort mit dem Rest der Band. (Lacht)

Während ihr aufgenommen habt, aber doch wohl nicht vorher, oder?
Alex: Vorher hatte ich das Haus noch gar nicht solange, ich hatte es mir gerade erst gekauft. Ich glaube, ich habe einige Nächte mit meiner Freundin alleine dort verbracht, aber dann sind schon die Anderen gekommen – wir haben es mit den Aufnahmen quasi gemeinsam eingeweiht.

Und da habt ihr nun zusammen gewohnt, gelebt, gearbeitet – wie ist es gelaufen?
Bob: Wir haben bei weitem nicht die ganze Zeit gearbeitet, sondern auch zusammen abgehangen, haben was getrunken, Platten gehört – solche Sachen.

Habt ihr dort ein Studio reingebaut, oder wie seid ihr vorgegangen?
Alex: Wir haben kein Studio gebaut, sondern einfach verschiedene Räume des Hauses für unsere Zwecke genutzt. In der Eingangshalle gibt es eine kleine Kammer, in die wir ein Klavier gestellt haben. Die Sache ist, dass dieses Haus früher einem Künstler gehört hat, der alles selber entworfen hat. Unser Hauptaufnahmeraum war sein früheres Atelier, das hat perfekt gepasst. Wir wollten auf keinen Fall ein Studio im klassischen Sinne dort haben, das ist ja der Hauptgrund, warum wir das mit dem Haus gemacht haben – um eben nicht in so einer sterilen Studio-Atmosphäre arbeiten zu müssen. Denn so wunderbar große Studios auch sind, was die technischen Möglichkeiten anbelangt, so schädlich sind sie leider für unsere Kreativität – weil sie einfach eine ungewohnte, unnatürliche Umgebung darstellen. Wir haben uns mit dem Haus sehr wohl gefühlt.

Während der Aufnahmen habt ihr eine Menge Vintage-Equipment eingesetzt und beinahe ausschließlich mit alten Bandmaschinen gearbeitet, ist das richtig?
Alex: Ja, das stimmt. Jedoch nicht aus Angst vor modernem Equipment, wir machen daraus keine Glaubensfrage. Es ist einfach eine ausgeprägte Liebe zu den guten alten Dingen. Wenn etwas gut klingt – benutze es, egal was es ist. Wir würden auch moderne Technologien benutzen, haben generell keine Berührungsängste. Aber wenn du ein Signal so weit wie möglich aussteuerst und analog auf Band aufnimmst, klingt das einfach viel besser. Auf der anderen Seite kann man mit digitaler Technik natürlich viel schneller arbeiten. Wenn du zum Beispiel versehentlich am Anfang eines sonst guten Tracks noch den Klick-Track des Drummers hörst, kannst du das mit Pro-Tools in sekundenschnelle reparieren – Bänder hingegen müsse geschnitten werden, das dauert Stunden und Tage.

Und das Bandmaterial ist teuer.
Alex: Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast, aber sie haben eine Zeitlang aufgehört, Tapes zu produzieren und damit die ganze Industrie in helle Aufruhr versetzt…

Ja, vor einigen Wochen sprach ich mit Dave Grohl, der sich mit den Foo Fighters gerade ein eigenes Studio gebaut hat, und er erzählte, dass es in L.A. zurzeit fast unmöglich ist, an Bänder zu kommen, da Rick Rubin sie alle aufgekauft habe.
Alex: Wirklich, das ist interessant. Der Typ, mit dem wir aufgenommen haben, ein Freund namens Rich Costey, hat viel mit Rick Rubin zusammen gemacht.
Bob: Und der hat auch eine Menge Tapes. (Alle lachen)
Alex: Ja, allerdings. Er könnte sich mit Rick zusammentun und einen großen Tape-Shop in LA aufmachen.

Zuletzt war in der Presse verstärkt von euerer Begeisterung für Hiphopper wie Snoop Dog oder Kanye West zu lesen. Hat das bereits einen Einfluss auf der aktuellen Platte hinterlassen?
Alex: Großartige Musik, wir haben immer schon sowas gehört. Wir lassen uns von allen möglichen Sachen inspirieren. Es ist doch wichtig, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Das Letzte, was wir hören, um uns zu inspirieren, sind Bands, die so klingen wie wir – das wäre doch todlangweilig. Deshalb klingen die ganzen amerikanischen Rock-Bands seit zehn, 15 Jahren alle so öde und gleichförmig – weil sie sich offensichtlich ausschließlich von ihrem unmittelbaren Umfeld inspirieren lassen.

Was hat euch noch inspiriert? Mich erinnert vieles an die Sachen, die Bowie in den Siebzigern in Berlin mit Eno zusammen gemacht hat oder auch an die zur gleichen Zeit dort entstandenen Solo-Alben Iggy Pops.
Alex: Das kann gut sein, ich liebe den Kram, den Bowie und Eno zusammen gemacht haben.
Bob: (Alex zugewandt) Das haben wir auch viel gehört, er hat Recht.
Alex: Ja, ja. Wegen der rhythmischen Sachen haben wir aber auch viele andere Sachen wie zum Beispiel Captain Beefhart aufgelegt – in Sachen Groove und Rhythmus absolut vorbildlich und sehr inspirierend. Mit Songs wie “Outsider” oder “Walk Away” betreten wir für uns ganz neue Ufer. Um uns für diese Sachen in Stimmung zu bringen, haben wir viel Joe Meek gehört, den englischen Produzent aus den Sechzigerjahren. Er und sein Partner Raymond Scott waren Synthesizer-Pioniere. Wenn man diese Sachen hört, die ja in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts entstanden sind, bekommt man einen Eindruck davon in wie viele unterschiedliche Richtungen sich diese Art von Musik noch hätte entwickeln können. Von denen, die wir kennen wie Techno oder House einmal abgesehen.

Bislang gibt es noch keinen Titel für die Platte, richtig?
Alex: Nein, und wir sind auch nicht sicher, ob wir überhaupt einen haben wollen. Ich mag eigentlich keine Titel. Einige meiner Lieblingsalben haben schreckliche Titel. So wie “Rubber Soul” oder “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band”. Du siehst, Titel spielen keine große Rolle. Man kann ein fantastisches Album mit einem schlechten Titel haben!
Bob: Wie sieht’s denn mit schlechten Alben mit tollen Namen aus, fällt dir dazu was ein?
Alex: Oh, das ist interessant. Was ist denn überhaupt ein guter Albumtitel? Warte mal…”Here Come The Warm Jets” (Brian Eno) ist gut, “Revolver” (Beatles) ist großartig. Und “Fear Of Music” (Talking Heads), ist das ein guter Titel?
Bob: Ja, auf jeden Fall. Ich mag auch “More Songs About Buildings And Food” (Talking Heads).
Alex: Ach komm, das ist nicht gut. Es ist ein ganz witziger In-Joke, aber als Albumtitel…Ich weiß nicht.
Bob: Es ist ganz offensichtlich, was gemeint ist.
Alex: Nein, das ist mir zu clever und abgehoben.
Bob: Oder “Talking Heads 1977”, also einfach das Entstehungsjahr.
Alex: Das ist gut. Vielleicht sollten wir das Album 2000 nennen. Ursprünglich wollten wir sogar die Band Franz Ferdinand 2000 nennen. Wir haben uns 2002 gegründet und damals ging es überall um den Jahrtausendwechsel, dieser ganze Millennium-Scheiß. Überall hieß es 2000, 2000, 2000. Seine Band so zu nennen, wäre das absolut uncoolste gewesen, was man hätte machen können, deshalb haben wir es überlegt.

Alex, du hast gesagt wenn das erste Album ein Tanzalbum für Mädchen war, dann ist das jetzige geeignet, sie zum Weinen zu bringen. Was ist so traurig an der Platte?
Alex: Dieses erste Statement war vor allem als Metapher gemeint, um das tanzbare Element in unserer Musik zu beschreiben. Das hat sich auch nicht so sehr geändert. Wenn du z.B. “The Outsider” hörst, wirst du dazu immer noch vortrefflich tanzen können. Dann gibt es aber gleichzeitig eine emotionale Art von Offenheit, die wir so auf dem ersten Album nicht hatten.

Während “Do You Want To” klassischer Franz Ferdinand-Tanzkram ist.
Alex: “Do You Want To” soll das Gefühl vermitteln, das auf einer ganz bestimmten Art von Partys in Glasgow vorherrscht, auf die wir gehen. Wir haben versucht, mit der Musik den Geist dieser Partys einzufangen. Die Lyrics sind beinahe eins zu eins eine Übersetzung dessen, was mir im Verlauf einer solchen Party von irgendwelchen Leuten ins Ohr geschrieen wurde.

Geht es um jene Partys im Chateau, den durch euren Erfolg legendär gewordenen Kunstverein, in dem ihr früher geprobt habt?
Bob: Nein, aber sehr ähnliche Partys. Es sind dieselben Leute dort, die damals auch immer im Chateau waren.

Worum geht es denn in dem Song “Walk Away”? Zunächst dachte ich es sei ein ganz normaler klassischer Love-Song und dann fallen am Ende Namen wie Churchill und Hitler…
Alex: Das ist nur ein Bild für eine extrem unlogische und schwer vorstellbare Situation. Und es gibt wohl kaum etwas schwerer Vorstellbares, als das Stalin, Churchill, Hitler und Mao Tse-Tung gemeinsam an einem Tisch sitzen und sich prima verstehen. Die extremsten Situationen im Leben sind doch immer die, in denen wir im Zwiespalt der Gefühle stecken und in verschiede Richtungen gezogen werden. Mich interessiert es nicht, darüber zu schreiben, wie verliebt oder wütend ich gerade bin, das ist langweilig. Wenn sich eine Beziehung dem Ende nähert, fällt es uns extrem schwer zu verstehen, was gerade passiert, wir sind einem enormen Wechselbad ausgesetzt. Das wollte ich mit dem pervers und unlogisch erscheinenden Bild dieser vier Figuren an einem Tisch ausdrücken.

Wie schreibst du denn überhaupt deine Texte? Kommt zuerst die Musik und von ihr lässt du dich dann beeinflussen oder schreibst du die Texte zuerst?
Alex: Mal so und mal so. Häufig sitze ich mit der Gitarre da und Musik und Text entstehen gleichzeitig. Dann wieder kommt es vor, dass ich zuerst einen Text habe und wir den dann vertonen. Oder Bob hat, wie damals im Falle von “Dark Of The Matinee” ein komplettes Konzept für den Song, welches er mir dann erklärt, damit ich mit dem Text darauf eingehen kann. Grundsätzlich ist es sowie so, dass jeder von uns an Ideen arbeitet, die wir dann zusammen als Band zu Songs werden lassen.

Euer Erfolg und der der Libertines hat eine gewaltige Renaissance britischer Pop-Musik ausgelöst, fühlt ihr euch dafür mit verantwortlich?
Alex: Ich wünschte, es wäre so (lacht). Aber natürlich sind wir nicht dafür verantwortlich, dass diese Bands existieren. Diese Jungs hätten sich zusammengetan und Musik gemacht, auch wenn es uns oder die Libertines nie gegeben hätte. Was unser Erfolg aber ausgelöst hat, ist die Tatsache, dass die verantwortlichen Leute in der Plattenindustrie solche Bands unter Vertrag genommen haben weil sie an unserem Beispiel gesehen haben, dass es funktioniert. Das ist doch eine tolle Sache und wenn wir dazu ein bisschen beitragen konnten, mach mich das froh.

Inmitten all der verrückten Dinge, die ihr in den letzten Jahren erlebt habt, gab es einen bestimmten Moment, an dem ihr gemerkt habt, was wirklich mit euch passiert ist?
Alex: Es gab eine ganze Reihe sehr surreale Momente in diesen zwei Jahren, wo wir wirklich gar keine Ahnung hatten, was mit uns passierte. Mir fällt da zum Beispiel unser Auftritt bei der Grammy-Verleihung ein. Beim Umbau ist etwas schief gelaufen und auf einmal hatten wir das Keyboard einer anderen Band auf der Bühne stehen. Darauf konnten wir natürlich nicht spielen. In solchen Augenblicken fällt dir dann plötzlich ein, dass da jetzt sieben Millionen Menschen vor dem Fernseher sitzen und du würdest am liebsten im Boden versinken.
Bob: Das war sowieso ein komisches Gefühl da zu spielen, während Janet Jackson, Usher und solche Leute am Bühnenrand standen.

Wie hat denn eure Freundschaft die ganze Entwicklung überstanden?
Alex: Die Freundschaft zwischen uns vieren war der Grund, aus dem wir die Band gegründet haben. Ich glaube, wir hätten sehr viel mehr Probleme, wenn wir in irgendeinem kleinen Kaff aufeinander hängen würden. Natürlich gibt es schwierige Momente. Aber wir alle sind ja erwachsene Menschen, wir wissen mittlerweile, wann wir aus einer Situation rausgehen müssen oder auch wann wir miteinander reden müssen. Wenn wir unsere Freundschaft verlieren würden, verlören wir die Grundlage gemeinsam in einer Band zu spielen.

Die Fans scheinen euch sehr wichtig zu sein wenn ihr sie, wie jüngst geschehen, auffordert, euch privates Material für eine DVD zu schicken.
Alex: Eine Band wird im gleichen Maße von ihren Fans definiert wie von der Musik, die sie spielt. Und das gilt natürlich vor allem live. Ein Konzert ohne Fans ist kein Konzert, man kann als Band auf der Bühne nur so gut sein, wie das Publikum. Besonders das deutsche Publikum ist übrigens der Wahnsinn. Einige unserer größten Momente hatten wir in Deutschland. Ich erinnere mich an ein Konzert in Berlin wo das Publikum den deutschen Text von “Darts Of Pleasure” lauter als wir gesungen hat, so dass wir aufhörten zu spielen und die ganze Halle singen ließen – das war ein absolut magischer Moment.

Wird es auf dem neuen Album auch wieder deutsche Textstellen geben?
Alex: Wir wissen es noch nicht. Nick probiert ein paar Sachen aus, er liebt die Deutsche Sprache.

Was sagt ihr eigentlich zu Liam Gallaghers frozzeligem Right Said Fred-Vergleich mit euch?
Alex: Ich fühle mich absolut geehrt in seiner Diss-Liste aufzutauchen, das heißt wohl, dass wir es geschafft haben. Wenn man da nicht dabei ist, dann ist man nicht populär genug. Liam erinnert mich ein bisschen an den Klassenkasper in meiner Kunstklasse früher. Noel Gallagher hat sich uns gegenüber übrigens sehr nett verhalten, als wir ihn kürzlich mit seiner Freundin getroffen haben. Noel ist ein fantastischer Songwriter, der eine Menge für die englische Popmusik getan hat, das steht fest.

Ihr habt einen eurer Songs für den Wahlkampf der Grünen freigegeben. Soweit ich weiß, habt ihr damit zum ersten Mal eindeutig politisch Flagge bekannt, denn auch wenn das zwar kein direktes Statement ist bezieht ihr damit Position…
Alex: Ich denke, dass es schon ein sehr indirektes Statement ist. Trotzdem kann man sagen, dass wir von allen politischen Parteien im UK die meisten Sympathien für die Grünen aufbringen, sie leisten gute und wichtige Arbeit, sind damit jedoch leider nicht so erfolgreich wie etwa die deutschen Grünen. Einigen wir uns darauf dass es ein halbes Statement ist, ja?

Meinetwegen. Aber ansonsten haltet ihr euch auch in Zukunft weitestgehend raus aus der Politik?
Alex: Nun, unsere Songs enthalten soziale Beobachtungen. Direkte politische Inhalte sind vielfach so plump und bevormundend, das mag ich nicht. Ich möchte nicht einer dieser Typen sein, die sich auf eine Plattform stellen und den Leuten sagen was sie denken sollen.

So wie Bono?
Alex: Noch einmal: Ich möchte nicht einer dieser Typen sein, die sich auf eine Plattform stellen und den Leuten sagen was sie denken sollen, ohne Namen. Auch wenn es durchaus Gegenbeispiele gibt. Jello Biafra hat zum Beispiel auf den frühen Dead Kennedys-Platten einen hervorragenden Job gemacht. Aber das lag vor allem daran, dass Biafra ein hervorragender Satiriker ist und das ist nun einmal nicht jedermanns Sache.

Text: Torsten Groß