Der Begriff Metrik, geläufig durch das metrische System, kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet ‘Zählung’ oder ‘Messung’; verwendet ein Mathematiker ihn, so ist das akademische Umgangssprache und meint eine Distanzfunktion. Aha. Da Mathe ja schon immer äußerst unsexy war und man meint, sich vorstellen zu können, was eine Band mit diesem Namen sich auf ihren Instrumenten zusammenklöppelt, möchte man das Thema Metric eigentlich so schnell wie möglich abschließen.

Gut, wenn man sich von unliebsamen ersten Assoziationen nicht abschrecken und die CD im Gerät lässt, denn Metric sind eine weitere feine Band aus dem schier unerschöpflichen Schoße der Broken Social Scene. Emily Haines stiftete nicht nur letzteren ihren Beitrag, sondern unter anderem auch Kumpel Jason Collett auf seinem aktuellen Solowerk ‘Idols Of Exile’ und den Stars. Man kennt sich schließlich und das teilweise sogar seit der Schulzeit: Mit Amy Millan (u.a. BSS, Stars) teilte sie nicht nur die Schulbank, sondern auch die ersten Banderfahrungen, die Haines zwar als “very cute” abtut, die sie aber doch auf den Weg geführt zu haben scheinen, dem sie nach wie vor treu ist: Musik. In den späten Neunzigern lernt sie den Gitarristen James Shaw in Toronto kennen, man stellt die musikalische Liebe auf den ersten Blick fest und zieht nach einiger Zeit von Montreal nach New York. Mitbewohner im schäbigen Loft sind zukünftige Mitglieder der Yeah Yeah Yeahs und der Liars – pleite sind sie alle. Bis kurz nach der Jahrtausendwende bleiben Metric ein Duo, im Mittelpunkt stehen Keyboard und Drum-Machine. Mit Basser Josh Winstead und Drummer Joules Scott-Key wird man endlich komplett.

Das jüngste Album ‘Live It Out’, das hierzulande erst jetzt über das Hamburger Label ‘Lado’ erscheint, ist in Kanada bereits seit September 2005 erhältlich. “Es hat eine Weile gedauert, bis wir die richtigen Leute gefunden haben, aber jetzt sind wir mehr als zufrieden mit unserer Wahl”, erklärt Haines. Die Tocos, der Robocop und Konsorten sind ihr zwar noch unbekannt, aber das wird sich in Bälde sicher ändern.
Auch das Vorgängerwerk ‘Old World Underground, Where Are You Now?’ von 2003 wurde in Deutschland bislang überhaupt nicht veröffentlicht, kommt jetzt aber zeitgleich mit dem jüngsten Album in die Läden. Der Begriff “underground” taucht recht häufig auf in Verbindung mit Metric. Wie wichtig ist die Zugehörigkeit zu einer Subkultur denn gerade jetzt, wo die Band auch in Europa den Schritt aus dem Untergrund ins Helle wagt? Haines: “Auf ‘Old World Underground’ ging es vor allem um die Suche nach einer Community mit anderen Musikern, Künstlern und Gleichgesinnten – und die haben wir gefunden! Ich weiß nicht, ob ich jemals in einer ‘Underground-Band’ spielen wollte. Jede Band sollte wachsen können. Es geht nicht, dass man drei Monate auf Tour geht und trotzdem pleite nach Hause kommt, was so ziemlich das trifft, was wir die ersten drei Jahre gemacht haben. Ich bin wirklich froh, dass es endlich allen gut geht und meine Freunde ihre Miete bezahlen können!”

Text: Seraina Nyikos