Tobias Kuhn hockt gespannt wie ein Flitzebogen auf seinem Sofa und ist mit den Antworten fast schneller, als die Fragen gestellt werden können. Am liebsten würde er an jede Antwort selber eine Frage hängen: Was siehst du, was hörst du und vor allem: Wie findest du mein neues Album? Im Blick zurück entstehen die Antworten…

“Ich bin mit meinen Eltern in Großbritannien aufgewachsen und mein Vater war sehr an moderner Musik interessiert: Roxy Music, Beatles und sogar die Sex Pistols. Schon damals war mir irgendwie klar, später will ich einmal Musiker werden.” Inzwischen sind mehr als zwei Dekaden ins Land gegangen und der junge Münchner scheint endlich mit sich im Reinen. Als ehemaliger Miles-Frontmann hatte er es nie wirklich leicht: Zwar liebten alle den zuckersüßen Pop der Band, aber die Scherereien mit den Plattenfirmen begleiteten Miles von ihrer Gründung bis zum vorläufigen Split vor drei Jahren. “Miles sind ein ganz großer Teil von mir! Doch, wenn du Musik machst und davon leben willst, ist es einfach mühsam, ohne Geld über die Runden kommen zu müssen”, erklärt er und schaut etwas bedröppelt drein. Worauf er anspielt, ist die Krise in der sich die großen Labels vor drei Jahren befanden. Miles waren eines ihrer vielen Opfer und die Combo um Tobias Kuhn wartet heute noch auf Zahlungen für ihre veröffentlichten Alben.

Ich halte es für unglaublich schwer, nach solchen Erfahrungen wieder Vertrauen in das Musik-Business zu finden und es mit einem Soloprojekt erneut zu versuchen?
Tobias: Erst mal müsste man klären, was Vertrauen heißt. Künstlerisch haben wir mit Miles immer das gemacht, was wir wollten. Nur sahen wir keine Kohle dafür. Dies lag aber weniger an den Menschen, mit denen wir zusammen gearbeitet haben, als vielmehr an den äußeren Umständen. (überlegt) Am Ende zählte für mich eben meine Position als Musiker und die habe ich verwirklicht gesehen, als ich Monta gegründet habe!

Dies ist auch schon wieder drei Jahre her und dein Debüt “Where Circles Begin” erhielt äußerst gute Kritiken. Doch der Vergleich mit Miles war damals noch sehr präsent – störte dich das?
Tobias: Was soll ich dagegen machen? Wenn du als Musiker mit einer Band den Durchbruch schaffst und plötzlich solo dein Glück suchst, dann ist das eine logische Konsequenz, glaube ich. Wichtig war mir, dass ich endlich alleine machen kann, was ich will und keine Kompromisse eingehen muss. Das klassische Bandkonzept erschien mir nach Miles einfach zu langweilig für meine Ideen.

Letztere ließen nicht nur “Where Circles Begin” von 2003 zu einem famosen Debüt geraten, sondern sind auch auf seinem zweiten Album “The Brilliant Masses” reichlich vorhanden: Sensibler Songwriter-Pop gibt sich die Hand mit schwelgerischen Melodien und dem stark emotionalen Aspekt seiner Musik. Die nötige Inspiration hierfür findet Tobias Kuhn immer wieder in seinem persönlichen Umfeld: War es für das erste Album noch ein gemeinsamer Frankreich-Urlaub mit seiner Frau, ist es nun seine Vaterrolle, die ihn beeinflusst. “Der Song ‘There’s A Hole In Your Heart’ ist nach der Geburt meines Sohnes entstanden, als die Ärzte bei ihm ein Loch in einer seiner Herzkammern festgestellt haben. Leider nicht behandelbar, aber auch nicht lebensgefährlich! Inzwischen weiß ich, dass fast jeder sechste Mensch darunter leidet, aber im ersten Moment war ich natürlich geschockt. (überlegt) Mit solchen Situationen habe ich mich schlussendlich beschäftigt, als ich die Songs für ‘The Brilliant Masses’ geschrieben habe.”

Good Morning Strangers – Video


Auch wenn die breite Masse von seiner Musik noch keine große Notiz nahm, ist es schön anzusehen, wie sehr sich Tobias Kuhn über jedes Lob hinsichtlich seiner Musik freut. Er schaut dann auf den Boden und nickt ein paar Mal zustimmend mit dem Kopf. “Monta ist eine extrem freie Angelegenheit für mich! Oft war es früher schwer an einem Songarrangement zu arbeiten, aber inzwischen geht es fast von selbst. Ich bin zwar immer noch ein wenig der Kontrollfreak von damals, sehe die Sache heute aber lockerer. Über diese Einsicht freue ich mich sehr.” Die Ohren der Indiewelt über ‘The Brilliant Masses’ sicherlich auch!

Text: Marcus Willfroth