Kopenhagen. Der Platz vor dem ‘Forum’, wo das dänische Art-Pop-Kollektiv Under Byen später an diesem Sommerabend beim gemeinsamen Super-Gig mit Massive Attack und den Cardigans ein begeisterndes Eröffnungsset spielen wird, ist noch verlassen, als Geiger Nils Gröndahl seine Tasche in der noch leeren 10.000er-Halle abstellt.

Auf dem Weg in ein kleines Café zwei Ecken weiter freut sich Gröndahl auf den Abend: “Natürlich haben wir hier in unserer Heimat schon viele Anhänger, aber gemeinsam mit Massive Attack und den Cardigans aufzutreten – das ist zweifellos etwas Besonderes!”

Verstecken muss man sich hinter den Kollegen ganz bestimmt nicht: mit ‘Samme Stof Som Stof’ veröffentlicht die Band dieser Tage ihr drittes Album, eine stilsichere Kombination aus zuversichtlicher Betonung bewusster Stärken – das doppelte Schlagzeug bekommt endlich mehr Spielraum, Sängerin Henriette Sennenvaldt wirkt präsenter denn je – und einem zugänglicheren, gelegentlich fast poppigen Sound, für den neben dem New Yorker Kevin Salem (u.a. Yo La Tengo und Giant Sand) auch der dänische Produzent Carsten Heller verantwortlich zeichnet.

“Es war und ist ja nicht unser Konzept, nicht einladend zu sein”, erzählt Gröndahl, der sich nach der anstrengenden Nacht, in der Under Byen als Live-Act auf einer Fähre zwischen Norwegen und Dänemark aufgetreten sind, mit einem stillen Wasser begnügt. “Aber wenn man sich die Songs anhört, die Carsten Heller abgemischt hat, merkt man schon, dass er in Pop-Zusammenhängen denkt. Als er uns die Stücke zurückschickte, wirkte der Sound sehr angenehm – so hatten wir uns das zwar eigentlich nicht vorgestellt, aber wir wollten uns überraschen lassen, und wir sind auf alle Fälle sehr glücklich mit dem Ergebnis.”

Nachdem ‘Samme Stof Som Stof’ ursprünglich in Berlin hatte eingespielt werden sollen – eine Überlegung, die die Band aus organisatorischen Gründen verwerfen musste – entstanden die Aufnahmen letztlich bei Freunden in einem alten Haus in Brüssel und in einer alten Dorfschule in der Einsamkeit der schwedischen Wälder. Gröndahl beschreibt die Atmosphäre dort: “Wir waren sehr konzentriert. Im oberen Bereich des Hauses haben wir gewohnt – gemeinsam mit Leafcutter John, den wir eigentlich als Produzent engagiert hatten, der aber letztlich eher ein Motivator war, der die Konzentration zusätzlich hoch gehalten hat – und unten war das Studio. Man konnte ein bisschen spazieren gehen – aber ansonsten eben nur arbeiten. Wir haben dann acht, neun Tage extrem konzentriert gearbeitet und eigentlich jeden Tag einen Song eingespielt und auch fertig gestellt.”

Herausgekommen ist dabei das bislang stärkste Album der Dänen, mit dem die Band im späten Herbst ein weiteres Mal auch durch Deutschland touren wird.