… ist der heutige Rockstar! Dass Crowd Surfing, Pogo und Co. bei Konzerten und Festivals nicht (mehr) gern gesehen sind und mittlerweile von den Konzertveranstaltern auch mit Rausschmiss bestraft werden, ist ja schon langweilig genug. Aber dass es Schlagzeilen macht, wenn sich James Blunt beim Stagediven den Finger bricht, ist doch wohl der Gipfel der Verweichlichung unseres Zeitalters. Mal davon abgesehen, dass es nach meinem beschränkten Verständnis bzw. Kenntnis von James Blunts Musik sowieso nicht einen Song gibt, der so „rockt“, dass man in die Tiefen des Publikums abtauchen müsste. Aber wenn Herr Blunt sich schon ganz offiziell seinem Fetisch hingibt von Millionen Händen begrabscht und fast ausgezogen zu werden, dann ist doch ein gebrochener Finger nicht der Rede wert. Peter Gabriel wird nachgesagt der Erfinder des Stage Diving zu sein. Er hätte noch allen Grund gehabt sich zu beschweren, als in den 70ern das Publikum voller Liebe und Harmonie wahrscheinlich total überfordert war von Gabriels so gar nicht hippiemäßigem Rückwärts-Sturz in die Menge. Und natürlich einen Schritt beiseite ging! Gewalt war doch das letzte, was man in diesen Tagen fördern wollte. So die Legende! Aber auch nach Peter Gabriel gibt es genug kleine und große Musiker, die sich um einiges mehr verletzt haben als unser James Blunt und selbst dann noch das Konzert zu Ende gespielt haben – man denke nur an die atemberaubenden Stunts von der Toten Hose Campino. Dies soll nicht als gewaltverherrlichende Lobhymne auf Konzerten und Festivals verstanden werden. Aber bitte Herr Blunt: Wenn schon Stagediven, dann mit allen Konsequenzen! Und die werden dann mit Würde getragen! Oder: Schuster bleib bei deinem Leisten!