Mit Vin Diesel ist das so eine Sache. Eigentlich kann man nicht behaupten, dass dieses Muskelpaket ein schauspielerisches Genie wäre, zumindest hat er sein Talent in dieser Richtung bisher kaum unter Beweis gestellt. Wenn man es sich genau überlegt, guckt der Mann eigentlich meist nur betont grimmig in die Kameras, sei es in „The Fast and the Furious“, als Riddick oder Babynator. Auch in seinem neuen Film „Babylon A.D.“, der in dieser Woche in den Kinos angelaufen ist, ist das nicht anders.
Doch irgendetwas hat Diesel, das ihn nicht nur auf toughe Art sympathisch macht, sondern ihm sogar auf der Leinwand einen gewissen Starappeal verleiht, der nicht nur seine Augen zum Funkeln bringt, sondern im Falle dieses apokalyptisch-düsteren SciFi-Thriller sogar hochkarätige Nebendarsteller wie Michelle Yeoh, Gérard Depardieu oder Charlotte Rampling in Schach hält. Es muss wohl, man kann es nicht anders sagen, echtes Charisma sein.

Ein sehr anderer Typ Mann ist dagegen Will Ferrell, und tatsächlich sind Charisma oder Ausstrahlung nicht die ersten Worte, die einem zu dem US-Komiker einfallen. Eigentlich wirkt er immer eher etwas blässlich und unscheinbar, fast wie ein großes Riesenbaby. Mit diesem Look wird man wohl eher Komödiant als Actionstar, und Witz hat Ferrell tatsächlich im Überfluss, meistens sogar einen ziemlich komischen. Wirklich bemerkt hat das in Deutschland allerdings noch kaum jemand, denn anders als in den USA waren seine Filme hierzulande bisher alles andere als Kinohits. Dass sich daran nun mit „Die Stiefbrüder“, einer gewohnt debilen, aber eben doch auch witzigen Komödie über zwei nicht mehr wirklich junge Jungs, steht momentan erst einmal nicht zu erwarten.

Doch kommen wir noch einmal zurück zu charismatischen Kinohelden. Auch das deutsche Kino hat diesbezüglich ja einiges zu bieten, selbst wenn man das manchmal kurz vergessen mag. Gut also, dass Barbara Sukowa sich mit „Die Entdeckung der Currywurst“ zurückmeldet. In den Achtziger Jahren war diese großartige Schauspielerin dank „Rosa Luxemburg“ oder ihren Arbeiten mit Fassbinder mal einer der größten Stars des deutschen Films. Dann ging sie in die USA, spielte mal hier, mal dort kleinere Rollen und verschwand ein wenig vom Radar. Nun meldet sie sich mit dieser netten Romanverfilmung zurück- und strahlt Dank ihres enormen Talent und Charismas einmal mehr heller als alle anderen!

Eine junge Kollegin, die es ihr durchaus nachtut, ist Brigitte Hobmeier, die man als aufmerksamer Kinogänger aus „Nichts als Gespenster“ oder „Räuber Kneißl“ kennt und ansonsten vor allem in München am Theater bewundern darf. Wenige Frauen im deutschen Kino haben eine so spezielle Schönheit und Ausstrahlung wie die rothaarige Bayerin. Dass so jemand nicht unbedingt in belanglosen Komödien neben Til Schweiger auftaucht, sondern eher in seltsam-ambitionierten Eigensinn-Filmen wie gerade „Weiße Lilien“ zu sehen ist, versteht sich eigentlich von selbst.

Ganz ohne spezielles Charisma (wenn auch natürlich nicht völlig ohne Schauspieler) kommt dagegen „Gomorrha“ aus. In dem Drama des italienischen Regisseurs Matteo Garrone gibt es nur einen Star, und das ist die Mafia. Mit beinahe dokumentarischem Blick taucht der Film nämlich in die Welt der süditalienischen Camorra ein, zeigt all ihre verschiedenen Geschäfte, Wucherungen und kleinen Rädchen im Getriebe und vermag nirgends einen Hoffnungsschimmer entdecken. Das ist alles noch wesentlich grimmiger anzusehen als die schlechte Laune von Vin Diesel – aber dabei um einiges sehenswerter!

Wie entscheidend letztlich ein Quentchen Charme für einen Film sein kann, zeigen diese Woche aber nicht zuletzt zwei Filme zum Thema Tanz. Während die Dokumentation „Dance For All“ über ein Sozialprojekt in Südafrika mitreißend und voller Leidenschaft erzählt ist, kommt das Teenie-Drama „How She Move“ trotz toller Choreografien nur wie ein uninspirierter, lustloser Aufguss jener Geschichte daher, die Hollywood in seinen Tanzfilmen schon seit Jahren erzählt. Und weil von Will Ferrell hier natürlich jede Spur fehlt, gibt es noch nicht einmal was zu Lachen!

Text: Patrick Heidmann