Bedienen wir uns doch gleich einmal bei den Texten von TipTop. Selbst sagen sie ‘Das ist Allerhand’. Wir unterschreiben das gerne und schauen verwundert auf die geschminkten Augen von Beau Frost a.k.a. Peter S. Brugger auf den vorliegenden Pressefotos.

Peter macht mit seinem Bruder jetzt ein auf dicke Hose. Im weißen Trainingsanzug à la Missy Elliott und mit einer dicken Bling Bling-Rolex-TipTop-Uhr tänzelt er durch das Video zu ‘TipTop’ und schockiert im Retrolook mitunter den ein oder anderen Sportfreunde Stiller-Fan: “Manch einer kann nicht verstehen, was ich da jetzt mache. Einige Einträge aus dem Gästebuch der Sportfreunde Stiller Seite deuten darauf hin.” Aber so wirklich schockiert wirkt Peter nicht, auch wenn er die Augen beim Reden aufreißt. Lieber hat er wieder mit dem Rauchen angefangen und lümmelt sich mit seinem älteren Bruder Olli Parton auf der braunen Ledercouch und lässt die Kreise der selbstgedrehten Zigarette um seine Nasenspitze tänzeln.

Im Hintergrund läuft das Album. Das hört auf den Namen ‘TipTop’. Wie sollte es auch anders sein. Alles schön einfach halten, so dass es auch jeder versteht. Bis hin zum Volldepp. Um was es bei TipTop geht, fragt der ein oder andere sich. Um Spaß in erste Linie. Hier macht man das, was man all die Jahre nicht gewagt hat. Das ‘gewagt’ wird von Beau Frost in Frage gestellt während des Gespräches. “TipTop ist halt TipTop. Wenn ich und der Olli zusammentreffen, dann sind der Olli und ich halt wir. Da entsteht dann etwas besonderes, was toll ist.”

Und das kann wohl jeder nachvollziehen. Jeder von uns hat Freunde oder Verwandte, in deren Gegenwart man einfach sich selbst ist. Wo es witzig ist, wenn der eine mit einem komischen Dialekt spricht oder komische Moves präsentiert. Genau das liegt hier wohl vor. Olli Parton singt mit gekünsteltem deutsch-amerikanischen Dialekt bei ihrer ersten Single ‘TipTop’, und nach Überwindung des ersten Schocks darüber finden die Leute da draußen das auch witzig. “Uns ist es halt wichtig, was die Leute über uns denken”, sagt Beau Frost dazu.

Und Jungs, lasst euch eins gesagt sein: Die da draußen finden das witzig. Nicht umsonst wird in deutschen Großraumbüros der Indie-Macarena Tanz à la TipTop schon heute getanzt. Den bringen wir ganz groß raus, und in der Frühbucher Saison auf Mallorca tanzt den jeder: “Ja, dass ist eine gute Idee. Darüber sollten wir einmal mit unserer Plattenfirma reden.”
Zum Zeitpunkt des Interviews liegt der schreibenden Zunft leider nur die Single vor. Mutmaßungen werden geäußert. Und all zu falsch liegt man damit nicht. Was kann man sich im Kontext von TipTop vorstellen? Welche Musikrichtungen dürfen auf keinen Fall fehlen? Zum Beispiel ein Schlagerlied. Angelehnt an Michael Holm. Oder ein Country-Stück. Auch so etwas erwartet einen auf der kompletten TipTop-Platte. Ein Querschnitt durch die musikalische Trash-Geschichte. Bloß halt sympathisch interpretiert. So wie einst Andreas Dorau. Im Hintergrund läuft inzwischen das vierte Stück, während Beau Frost und Olli Parton über Liveauftritte laut nachdenken.

Den ersten hatten sie bei Stefan Raabs ‘Bundesvision Songcontest 2006’: “Da waren wir leider gezwungen, live zu singen. Aber uns schwebt eher Vollplayback vor, damit wir fette Moves performen können während wir singen”. Da muss Beau Frost selbst lachen. Auf die Frage hin, wer den der derbe DJ bei Stefan Raab im Hintergrund bei ihrem Auftritt war, fängt die fröhliche Raterunde an. Der Florian Weber von den Sportfreunden Stiller war es. Wenn man den beiden Brüdern glauben schenken mag: “Wir brauchten eine fetten HipHop DJ, der krasse Styles drauf hat und da haben wir den Flo gefragt, ob er das nicht machen kann.”
Kollegialer geht es wohl ja kaum. “Ja, man beäugt natürlich schon, was der andere da gerade mit seinem Seitenprojekt macht. Aber Konkurrenzdenken gibt es bei uns nicht. Ich freue mich, wenn im Radio erst die Band vom Flo (Bolzplatz Hereos) läuft und gleich danach TipTop kommt.”

Text: Tanja Hellmig