Informationen vor dem Flug
Vor 25 Jahren berichteten die Zeitungen in einem Land weit entfernt von eigenartigen Ereignissen. Es war in der Melbourner Vorstadt Dingley, da erzählte man sich seltsame Geschichten über zwei engelsgleiche Brüder. Einer von ihnen, so hieß es, suchte sich die Töpfe und Pfannen der Familie zusammen und schuf ohrenbetäubende Klänge zu Mean Mr. Mustard der Beatles. Das andere Kind, gesegnet mit cherubischem Äußerem und einer Stimme, die den Teufel zu erwecken vermag, heulte zu altmodischem Soul und Rhythm’n’Blues wie ein besessener. Überall im Lande geschahen ähnliche Dinge. Ein Leo DiCaprio-Doppelgänger namens Mark Wilson, dazu auserkoren, Geschichte zu lehren, gab dies auf (wie einst Indiana Jones) und widmete sich dem Abenteuer des Viersaiters. Währenddessen verursachte ein stiller Proto-Ron Wood mit Namen Cam Muncey Wellen, indem er die Elizabeth Street in einem wehenden Gewand aus Seidenschals entlang flanierte, als sei er ein antipodischer Beau Brummell. Und wie die Jahre verstrichen, trafen sich diese vier Individuen aus einer anderen Welt in Melbournes Nachtleben. Flucht vor der stumpfen Welt, Suche nach Geschwindigkeit, Eleganz und Kraft – das war ihr Ziel! Sie nannten sich JET!

TAKE OFF!
JETs Debüt-Album Get Born erschien im Jahr 2003. Weltweit ein Hit, wurde es von unzähligen Kritikern begleitet, die es alle als erste loben wollten. Der NME schrieb einfach: “JET sind dafür bestimmt, planetengroß zu werden.” Der Rolling Stone schwärmte: “JET sind eine Band, die lebt, stirbt und trinkt “Exile on Main Street”. Blender nannte Get Born stromlinienförmigen Gonzo-Rock. Ihr wisst, was gemeint ist. Die Band landete schließlich auf den Podien von weltweit ausgetragenen Preisverleihungen von MTV bis zum ARIA. Aber ihr stolzester Moment kam, als Are You Gonna Be My Girl aus dem Stand an die Spitze der australischen Hot 100-Liste ging. Für Live 8 standen sie mit Neil Young auf der Bühne und spielten “Rockin’ In The Free World” in Kanada. Unnötig zu betonen, das Get Born auch nach vier Millionen verkauften Exemplaren überall gekauft wird. Denn wo ihre Retro-Rocker-Kollegen die Vergangenheit einfach recyclen, erfüllen JET sie mit neuem Leben. Songs wie Get Me Outta Here, Move On, Get What You Need passieren dir nur dann, wenn du fünf Jahre lang einen Gabelstapler in einer Gewürzfabrik in Melbourne gefahren bist – wie es Nic Chester tat.

Fasten Seatbelts
Das neue Album aufzunehmen, ging nicht ohne Turbulenzen ab. Während ihrer Welttournee 2003 (auf der sie sich die Bühne mit den Rolling Stones und Oasis teilten) mussten sich Nic und Chris mit dem Tod ihres Vaters auseinandersetzen. “Wir entfernten uns voneinander wegen der Drogen und des Alkohols,” erklärt Chris. “Es war schwer, damit klarzukommen. Das ist nichts, was man durch Lesen lernt. Als ich nach LA zurückkehrte, hatte ich das Gefühl, keinen Fuß auf den Boden bekommen zu können.”
Nachdem die Tour vorbei war, zerstreute es die Band in alle Winde, und den Brüdern wurde klar, dass nur Musik ihre Dämonen vollständig austreiben konnte. Also gingen sie zurück zu ihren Rock’n’Roll-Wurzeln, von denen sie immer besessen waren: Delta Blues, britischer Hard Rock und der sumpfige Surrealismus von Cpt. Beefheart und Dr. John. “Die Mode hat überhand genommen, während wir weg waren,” so Nic. “Es scheint, als sei es heute wichtiger, einen coolen Haarschnitt zu haben. Wir zogen uns aus all dem zurück und konzentrierten uns auf die Musik.”
Die Aufnahmen fürs Album begannen in einem Luxuskomplex auf Barbados, wo vor nicht allzu langer Zeit Michail Gorbatschow gewohnt hatte (“Wir sollten da gar nicht drüber reden, sonst ist irgendwann der KGB hinter uns her”, grinst Chris) und die Chester-Brothers eine Prise Glasnost atmeten. Nach weiteren Trips nach Woodstock und ein paar Sessions in Oz, gelangte die Frucht ihrer Arbeit dann nach LA. Wiedervereint mit Produzent Dave Sardy (der nach Get Born an Alben von Oasis, Dirty Pretty Things, Wolfmother und Primal Scream arbeitete), kürzte die Band in den Hillside Manor Studios 50 Tracks auf 15 zusammen und verbrachte die nächsten sechs Monate damit, ihren Studio-Teint zu perfektionieren.



Touch Down
Das Resultat heißt Shine On und wirkt wie ein Hardrock-Banana-Split, der von einem 10 000 Meter hoch fliegenden Angus Young einen Schuss Acid verpasst bekommen hat. Percussion-Klappern. Check! Schlangengleiche Basslinie Check! Twin-Gitarren-Anschlag. Check! Stimmengeheul, das Berge ebnet und Schlafzimmertüren öffnet. Check! Vom Big Star-beeinflussten Röhren von Stand Up bis zum Curtis Mayfield-Shuffle der ersten Single Put Your Money Where Your Mouth Is über den Punkrock-Boogie That’s All Lies und die Beach Boys-inspirierten Harmoniegesänge von Eleanor – JET zeigen was sie können und beweisen, dass Triumph aus Spannung entstehen kann. Der Titelsong Shine On ist ein berührender Nachruf an den verstorbenen Vater der Cesters, eine Ballade für Stadien. Aber nicht, dass JET zu emotional werden. “Das erste Album haben wir für die Clubs geschrieben,” grinst Chris beschwichtigend. “Dieses ist fürs Stadion.”
Achtet auf die Maschinen. Wenn es anfängt zu rocken, sind JET nah.

JET das sind:
Nic Cester – guitar, vocals;
Chris Cester – drums, vocals;
Mark Wilson – bass guitar;
Cameron Muncey – guitar, vocals.

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