Es gibt Interviews, die möchte man nach fünf Minuten abbrechen. Nicht etwa, weil einem der Künstler – der Schwede mit argentinischen Wurzeln Jose Gonzalez – unsympathisch ist. Vielmehr ist da dieser Gedanke, wie anstrengend es für diese Person ist über sich und seine Kunst zu reden.

Man fühlt, hier sitzt einem ein besonderes Menschenexemplar gegenüber, ein Einsiedlerkrebs, der immer noch leicht irritiert angesichts des Erfolges ist. Um an ihn heranzukommen, etwas aus ihm herauszukitzeln, muss man schon die psychoanalytische Lupe auf die Lyrics seines neuen Albums ‘In Our Nature’ legen. Und so wird der Motor am eigenen Assoziationskarussell angeworfen, in der Hoffnung dieses scheue Tier aufzuschrecken.

Glücklicherweise gibt es auf seinem zweiten Album viele Sätze, die man in Gold gießen oder wenigstens in Stein meißeln möchte. Bei “Someday you`ll be up to your knees in the shit you seed” aus dem Opener ‘How Low’ ist es dann soweit. Jose Gonzales hebt den Kopf und fängt an zu grinsen. “Das ist einer dieser Sätze die ich sehr gerne mag, weil es jeder auf etwas anderes beziehen kann. Seien es die Ängste vor religiösem Terror, die globale Erwärmung oder einfach nur der Hass auf eine bestimmte Person, die versucht, Freunde gegeneinander auszuspielen”, erzählt er leise und spielt mit dem Daumen an seiner Teetasse. “Meine Wut habe ich in diesem Song auf bestimmte Medien projiziert, die Art und Weise wie einige Sender Nachrichten verbreiten, Fox News zum Beispiel. Sie haben so viel Macht und missbrauchen sie. Das kotzt mich wirklich an.”

Der Damm ist gebrochen, und auf einmal beginnt der musikalische Leisetreter zu erzählen. “Ich stand während der Produktion von ‘In Our Nature’ sehr unter Druck. Bei ‘Veneer’ hatte ich ja nichts zu verlieren, doch als der The-Knife-Coversong ‘Heartbeats’ und anschließend auch das Album so erfolgreich wurden, war natürlich die Erwartungshaltung an die neue Platte viel höher. Deswegen haben die Aufnahmen auch viel länger gedauert. ‘In Our Nature’ ist etwas lauter, kompakter und aggressiver. Ich finde es wichtig, dass hinter jedem Song ein klarer Gedanke steht.”

Steffen Meyer

Gonzales on tour
20.09.2007: Berlin, Bang Bang Club/Popkomm
12.11.2007: Berlin, Babylon
13.11.2007: Hamburg, Knust
14.11.2007: München, Atomic Café
19.11.2007: Köln, Gloria