Viele Wege führen nach Rom. Und mindestens ebenso viele führen aus Oslo heraus. Vor allem wenn man prägende Erweckungserlebnisse durch Punk und Hardcore hinter sich hat und bis zum Kragen voller Energie, Wut und Neugier auf die Welt da draußen steckt. JR EWING rempelten sich schnell nach oben und waren schon 2003 dank ihrem Album „Ride Paranoia“ einer der Geheimtipps in der Szene. „Die rocken dich platt!“ lauteten die einhelligen Kommentare. Und die einhelligen Kommentare hatten Recht.

2005 ticken die Uhren jedoch etwas anders. Denn, daran gibt es keinen Zweifel: JR EWING haben sich verändert. „Wir hatten das Gefühl, dass wir in der Vergangenheit etwas zu loyal unserem Genre gegenüber waren“, so Gitarrist Erlend Mokkelbost. „Diese typischen Zwei-Minuten-Punksongs reichten uns nicht mehr. Unsere Songs strahlten meist ein einziges Gefühl aus, alles fand mehr oder weniger auf demselben Level statt. Diesmal wollten wir uns weiter ausbreiten, unsere Grenzen austesten, einen interessanteren, nicht so offensichtlichen Sound kreieren und mit den Erwartungen brechen.“ Mit den eigenen und mit denen der Hörer – das war der Anspruch. Das Ergebnis lautet „Maelstrom“ und man braucht nicht lange um festzustellen: Der Anspruch wurde erfüllt. 

Wollten JR EWING früher mit dem Kopf durch die Wand, führen sie heute Umwege ans Ziel. Lautete der Kampfschrei früher „Auf sie mit Gebrüll!“, gehen sie nun etwas subtiler zu Werke. Keine offene Feldschlacht wird hier gefochten, sondern geschickt konstruierte Fallstricke ausgelegt. Das Ergebnis jedoch ist dasselbe: Man hebt die Hände und ist überwältigt. Und kratzt sich etwas ratlos am Kopf. Was machen die da? Und vor allem: Wie machen die das?

Wer „Maelstrom“ nahe kommen will, muss nach oben greifen im Assoziationsregal, und zwar ganz nach oben. Dort, wo die Kompromisslosigkeit von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead aufbewahrt wird. Die Portion Wahnsinn der Blood Brothers. Der Freigeist von Refused. Der Brückenschlag von ideologischer Glaubwürdigkeit zu musikalischer Weitsicht, wie ihn Bands wie Fugazi oder Sonic Youth hinbekamen. Auf „Maelstrom“ ist alles möglich: Landscape-Gitarrenflächen á la Dredg. Rhythmisch vertrackte Kraftbolzen in bester At The Drive-In-Manier. Gediegene Motorpsycho-Momente. Fesselnder Queens Of The Stone Age-Groove. Allerdings können Vergleiche, und seien sie noch so ehrenwert, nicht annähernd darstellen, was hier los ist. Denn JR EWING sind in erster Linie: sie selbst, JR EWING, eine der spannendsten Bands, die es zur Zeit gibt.

Doch trotz aller Leichtigkeit, mit der die Band ihre musikalischen Visionen hier umsetzt: „Maelstrom“ fiel den fünf Norwegern keineswegs in den Schoß. Im Gegenteil. Denn 2004 war ein äußerst schwieriges Jahr für die Band. Nach diversen Touren quer durch die westliche Zivilisation und im Verbund mit solch exquisiten Tourpartnern wie Blood Brothers, Pretty Girls Make Graves und The Mars Volta war der Akku so leer wie Ted Nugents Gehirn. Hinzu kamen diverse persönliche Tiefschläge, die man in dieser geballten Form selten erlebt: Langjährige Beziehungen gingen zu Ende, Todesfälle ereigneten sich im Kreis der Verwandten und Freunde, darunter sogar der ehemalige Bassist der Band. Kein Wunder also, dass Mokkelbost heute sagt: „Diese Platte zu machen war wie ein Exorzismus. Daher der Albumtitel: Wir fühlten uns wie in einem Strudel, der uns immer weiter nach unten zieht, Doch die Musik holte uns da wieder raus. Ich weiß, dass es cheesy klingt, aber für ein paar von uns war es wirklich hilfreich, diese Platte zu machen.“

Mit dem Überraschungsmoment, das „Maelstrom“ prägt, ist der Hörer übrigens nicht allein. Auch die Band konnte kaum glauben, was sie da geschaffen hatte: „Als die Platte fertig war, waren wir ein bisschen geschockt. Das hatte mit den JR Ewing von früher nicht mehr viel zu tun. Wir hörten auf einmal eine ganz neue Band. Eine bessere Band!“ Doch dem Schock folgte schnell die Gewissheit, dass man auf dem richtigen Weg ist, so Mokkelbost. „Ich hatte noch nie soviel Glauben und Zuversicht, was unsere Musik angeht. Endlich schöpfen wir unser Potenzial aus. Wir wissen: Wir können alles erreichen, was wir wollen.“ Es ist ihnen gelungen.

Am 02. Dezember 2005 erschien das Album bei Motor.

JR EWING auf Tour:
13.02. München – Backstage
14.02. Stuttgart – Die Röhre
15.02. Köln – Underground
16.02. Hamburg – Molotow
17.02. Berlin – Knaack