Das nicht nur die besten Filme, sondern derzeit auch feinste Musik aus dem hohen Norden kommt, dürften wohl fast alle schon bemerkt haben. Ein Beweis, dass einige der livehaftig populärsten und frischesten popmusikalischen Formvollendungen bevorzugt aus Skandinavien kommen sind Kaizers Orchestra. Namentlich die sechs norwegischen Jungs: Jan Ove ”The Jackal” Kaizer (Gesang), Rune ”Mink” Kaizer (Drums und Aschenbecher), Terje ”Killmaster” Kaizer (Firebird original, erste Tonne), Øyvind ”Thunder” Kaizer (Kontrabass), Geir ”Hellraizer” Kaizer (Gitarre, zweite Tonne) und Helge ”Omen” Kaizer (Harmonium, dritte Tonne). Und also zeigen sie uns, was ein von Gitarren, Ölfass, Pumporgel, Kontrabass, norwegischen Dialekt-Tics und anderen konsequenten Eigenheiten geprägter Sound an klangvollem Rock zu generieren vermag.

Als Kaizers Orchestra sich 2000 in Bergen erfanden, fügten sie dem melodischen, eher ruhigen, Pop orientierten Sound ihrer früheren Formation “Gnom” Elemente von perkussiver Härte zu. Dabei kommt es schon mal zum Einsatz von u.a. Radkappen. Ganz schön abgedreht, die Jungs, die sich ihren Namen gaben, nach einem alten Stück von ihnen, indem es heißt: „Ich wurde an die Hand genommen von einem gewissen Herrn Kaizer/ er ist der bekannte Besitzer der dicksten Siamkatzen der Welt.“

Thematisch verschrieben sie sich auf ihrem Debut: „Ompa Til Du Dør“ einer allgemein gefassten kriegerisch schweren Szenerie. Das zweite Album „Evig Pint“ könnte als Skizze eines Zwei-Personen-Schicksals umschrieben werden. Auf „Maestro“ schließlich ist Nachkriegszeit und das bedeutet musikalisch und inhaltlich, dass unter dem Pflaster noch mehr schwarzer Humor sprießen darf. Denn wer sind und was genau machen die multiplen Charaktere einer fiktiven Einrichtung namens „ Dieter Meyers Institusjon“? Erkrankte Menschen, denen es besser geht und die heraus wollen, oder erkrankte Menschen, die krank bleiben und nicht herauskommen? Sind Senor Flamingo, Maestro, Papa, Dieter Meyer und die anderen doch alle in Allem der Direktor selbst?

Fragen, die sich spätestens dann erübrigen, wenn Kaizers Orchestras „Maestro“ auftaucht und alle Sinnsuche an die Wand spielt. Denn Sinn(lichkeit) ist, wenn Musik so eingängig treibt und sich reibt und rohstofflich rockt wie hier. Ohne dabei die Unterhaltung zu stören.