Vor ein paar Jahren landete Fetsum mit dem gemeinsam mit Franky Kubrick frech adaptierten Song ‘Du Blutest Voll’, der auf dem Stück ‘Beautiful’ von Snoop Dogg und Pharrell Williams basierte, einen unglaublichen Internet-Hit. Danach standen nicht nur bei seinem Rap-Kollegen die Plattenfirmen Schlange. Aber auch Fetsum konnte sich nicht dazu durchringen, weitere Werke dieser Art zu fabrizieren und seine Karriere auf die wenig ernstzunehmende Basis von witzigen Coverversionen zu bauen.

Stattdessen blieb er lieber erst einmal dezent im Hintergrund. 2004 tourte er als Sänger mit Max Herre oder sang einzelne Lieder für die Platten von DJ Friction, Thomilla und natürlich Franky Kubrick. Für Franky hat er nicht nur die zwei Songs ‘Alles Cool’ und ‘Taub Und Blind’ mit seinem Gesang verfeinert, sondern sogar das Titelstück ‘Rücken Zur Wand’. Mit dem Duett im Refrain haben sich die Beiden für die Zukunft Mut gemacht: “Schaut mal her./ Schau mich an, Homie./ Es ist zwar schwer./ Kumpel, ich geb nicht auf./ Aber ich bin…/ Ich bin bereit und fighte mir den Weg hier raus./ Ich bin bereit, die Dinge so zu akzeptieren./ Mit dem Rücken zur Wand”.

Und siehe da, es wirkt. Fetsum geht weiter seinen Weg – Schritt für Schritt. Denn eine Warnung für diejenigen, die für ihre Träume zuviel aufs Spiel setzen, hat er mit ‘Rocco & Bunny’ geschrieben: “Hast du ein Ziel, musst du dahin./ Renn nicht zu schnell, sonst fällst du hin.” Doch Rocco hofft auf den schnellen Sieg beim Glücksspiel und verliert. Genau wie Bunny, die ihren Körper für Geld verkauft.

Fetsum selbst dagegen würde zwar für Musik alles geben, aber eine langjährige Karriere nicht dem flüchtigen Ruhm opfern. So sagt er selbst, dass er nicht Saisonliebling werden will. Dass er erst mit der Musik und dann von ihr leben will. Folglich teste er die Stücke seiner ersten EP ‘Meine Musik’ u.a. schon bei der Jubiläumsveranstaltung der Berliner Party-Reihe “LiveDemo” im Mai 2005, bei der er sehr gut ankam. Auch Franky hatte dort letztes Jahr bereits einen so tollen Auftritt hingelegt, dass er die dort aufgenommene Live-Version von ‘Tu’s Noch Mal’ gleich auf sein Album packte. Live begleitet von einer Band, setzt auch Fetsum im Studio auf organischen Sound.

Für fünf der insgesamt sechs Stücke zeichnet sich Tommy Wittinger aus dem Freundeskreis-Umfeld verantwortlich. ‘Vor & Zurück’ wurde hingegen von den Oja Tunes aus Berlin produziert. Max Herre und DJ Friction beteiligen sich zudem musikalisch an ‘Du Kannst Es Nicht Versteh’n’. In dem Stück geht es darum, wie sich ein Paar immer weiter auseinander lebt. Überhaupt interessieren Fetsum vor allem alltägliche Geschichten. ‘Keine Kohle, Baby’ dreht sich um die sicherlich altbekannte Ebbe im Portemonnaie. Mit etwas Glück dürfte die bei Fetsum demnächst etwas seltener auftreten.

Text: Holger Köhler