Was ist doch so ein Feiertag schön! Noch dazu der zu Ehren der Wiedervereinigung und damit unseres eigenen Landes. Und das natürlich nicht deswegen, weil man einen Grund hat, am Brandenburger Tor Würstchen zu verkaufen und ein Umsonst-Konzert zu veranstalten, wo all jene Bands auftreten, die immer am Start sind, wenn sich irgendwo eine Bühne bietet, auf der man nicht auf zahlendes Publikum angewiesen ist (wo waren eigentlich Mia?!).
Viel besser verbringt man solchen Tagen damit, sich mal richtig lange den Rausch auszuschlafen und nach dem späten Frühstück gemütlich ins Kino, egal ob es dann nachmittags oder abends ist. In dieser Woche hatte man für einen solchen cineastischen Ausflug mehr als genug neue Filme zur Auswahl, denn der freier Tag in der Mitte der Woche scheint die Filmverleiher ganz wuschig gemacht zu haben. Statt ordentlich nach Plan, also wie immer am Donnerstag, starteten zwei Firmen ihre neuen Filme plötzlich schon am Tag der Deutschen Einheit, zwei andere sogar schon am Dienstag. Hauptsache man kann schnell noch ein Geschäft mit all den Vergnügungswilligen machen, die es nicht mehr zu Juli und Silbermond am Brandenburger Tor geschafft haben.
Weil die Zahl der neuen Filme in dieser Woche tatsächlich ausgesprochen hoch ist, werde ich versuchen mich kurz zu fassen. Mehr als ein paar kurze Tipps, welcher Film für welchen Geschmack etwas sein könnte, sind nicht drin. Aber eins ist sicher: von Einheitsgeschmack kann im Kino unseres Vertrauens momentan keine Rede sein.

„Planet Terror“: Genau das Richtige für alle, die es schön blutig mögen und nichts dagegen haben, wenn in schöner Regelmäßigkeit ein bisschen Hirnmasse durchs Bild fliegt. Also letztlich genau wie bei anderen Zombiefilmen auch. Wer allerdings immer schon fand, dass Robert Rodriguez nur so tut, als sei er so cool wie Tarantino, bekommt hier ein Problem. Doch wer würde so etwas schon sagen – vor allem, wo es hier doch so schöne Preise zu gewinnen gibt!

„Superbad“: Wer schon bei „Jungfrau (40), männlich, sucht“ und „Beim ersten Mal“ Tränen gelacht hat über diese gewisse Mischung aus hemmungslosem Prollhumor und liebenswürdig-clevern Einblicken in die männliche Psyche, wird auch bei dieser High School-Variante voll auf seine Kosten kommen. Wem Gags über pubertierende Teenager und das Menstruationsblut ihrer Tanzpartnerinnen prinzipiell nicht intellektuell genug sind, sollte vielleicht zu Hause bleiben.


„Ratatouille“: Eine possierliche Ratte nimmt sich des Trendthemas Kochen an, ein Restaurantkritiker ist so skurril wie einem Tim Burton-Film entsprungen, die Computeranimationen sind so brillant wie nie zuvor und von sprechenden Autos fehlt jede Spur. Dieser wunderbare Pixar-Film macht also alles richtig und ist deswegen auch wirklich jedem ans Herz zu legen. Nur die ewigen Nörgler, die immer noch verärgert sind, dass die Trickgenies sich haben von Disney kaufen lassen, werden wieder etwas zum Aussetzen finden.

„Stellungswechsel“: Wer sich tierisch freut, dass deutsche Komödien momentan wieder die Schlüpfrigkeit als Humorquelle entdecken, dürfen in dieser Klamotte über ein Grüppchen Arbeitsloser und die Callboy-Idee jubilieren. Gleichfalls alle, die sich schon beim Untertitel „Lieber Sex für Geld als kein Sex und kein Geld“ auf die Schenkel klopfen. Wer allerdings Florian Lukas, Herbert Knaup und Co. würdevoll in Erinnerung behalten will, sollte besser fern bleiben.

„Geliebte Jane“: Bestens geeignet für alle, die sich für romantische Kostümidylle à la Jane Austen erwärmen und darüber hinaus immer schon gerne Autor und Erzähler in einen Topf geworfen haben. Hardcore-Austen-Fans könnten in dieser fiktiven Lebensgeschichte ihres Idols allerdings nur einen schwachen Abklatsch des Originals erkennen.

„Prinzessin“: Allen, die im Kino gerne echte Entdeckungen machen, sei dieser Film ans Herz gelegt. Ein junges, deutsches Drama über Mädchen in der grauen Tristesse eines Vorstadt-Wohnsilos, in dem die Gewalt lange schwelt und irgendwann eskaliert. Sehr beeindruckend und erschütternd, und nur wer das ganze mit dem wesentlich leichtfüßigeren „Prinzessinnenbad“ verwechselt, dürfte enttäuscht aus dem Kino kommen.

„Immer nie am Meer“: Gibt es Leute, die sich sonntags auf dem Berliner Radiosender Radio Eins durch die bizarre „Show Royal“ quälen und hoffen, Vergleichbares mal im Kino zu sehen? Falls ja, können diese Menschen jetzt mal ein kleines Fass aufmachen, denn Grissemann und Stermann haben es auf die Leinwand geschafft. Selbst für österreichische Verhältnisse ist dieses schwarze Etwas von Komödie allerdings so sonderbar, dass sich alle anderen gründlich überlegen sollten, sich darauf einzulassen.

„Anderland“: Eine gute Gelegenheit, noch einmal auf die Zombies vom Anfang zurückzukommen. Denn auch dieser norwegische Film bietet Splatter und düstere Zukunftsvisionen – und ist doch weit entfernt von einer trashigen Schlachtplatte. Hier geht’s viel mehr um kühle Optik und nachdenkliche Utopien, weswegen statt eines Maschinengewehrbeines eher der Kopf zum Einsatz kommt. Und wir sprechen hier nicht (nur) von aufgerissenen Schädeldecken. Alle Blutrünstigen sollten also schnell in den Kinosaal nebenan flüchten.

Text: Patrick Heidmann