Was hast Du gemacht, als du vierzehn Jahre alt warst? Dich gefragt, wie das tolle Mädchen aus der Nachbarklasse deine ersten Pickel findet? Überlegt, ob Du Dir jetzt lieber das Nirvana oder das Bob Marley Poster kaufen sollst? Und überhaupt: was muss man machen, um so cool wie nur irgend möglich zu wirken? Für einen jungen Mann namens Alex Ridha gab es in dieser Zeit mindestens zwei Dinge, die wichtiger waren als diese Fragen: seine Plattensammlung, das Schlagzeug und die Turntables. Dort wurden ganz andere Fragen gestellt, andere Zusammenhänge ersponnen.

Gesegnet mit einer sehr frühen Disco / House – Sozialisation durch den älteren Bruder scheinen diese Sachen irgendwie bedeutener zu sein. Anstatt nach der Schule mit den Jungs auf den Bolzplatz zu gehen, beginnt er im Alter von 15 Jahren in einem Techno/House Plattenladen zu jobben, ein Jahr später legt er vor 500 Leuten auf. Fortan ist die Disko sein erklärter Lieblingsort. Und hier muss man auch mal ganz klar herausstellen, dass die Diskowelt mit ihrer herrlichen Künstlichkeit eine ganz wunderbare Welt ist. Jener herrlich verrückte Ort, in dem die 4/4 Bassdrum zum Versprechen wird, dass Dir sonst niemand geben mag. Mit diesem Wissen tingelt der damals siebzehnjährige DJ Kid Alex durch ebenjene Diskos zwischen Budapest, Zürich und Berlin. Ungefähr zur selben Zeit erscheinen dann auch die ersten Produktionen und Remixe, Alex entdeckt seine Liebe zum Programmieren. Gemeinsam mit seinem Freund Andi Meid bastelt Alex an seinem Entwurf elektronischer Clubmusik. Die Disko nie aus den Augen verlierend, interessiert sich das Produzentenduo Kid Alex aber mehr für die Zusammenhänge zwischen Rock- und elektronischer Musik und wie diese in ihrem musikalischen Kontext zu positionieren sind. Mehr oder weniger zufällig beginnt Alex aus einer Laune heraus im Studio zu singen, das Ergebnis ist das Stück „Young Love“, sozusagen der erste Hit-oder-so-ähnlich der beiden Loverboys. Kurze Zeit später erscheint das erste Kid Alex-Album, die beiden gehen mit ihrer Band auf Tour und scheinen einen Mords-Spaß dabei zu haben. Eine Jungs-Clique, die gerade eine verdammt gute Zeit hat.

Heute, im Juni 2005, haben Kid Alex zwischen endlosen Remixarbeiten, u.a. für The Roots und Bloc Party, ihr zweites Album fertiggestellt. Das verfluchte zweite Album. Nicht für Kid Alex. Es scheint, als müssten gar keine Blockaden eingerissen werden, weil sie gar nicht existent sind. Nichts zu hören von „Wir müssen alles noch besser machen als bei der ersten Platte, aber klappt sowieso nicht“ – Ängsten. Mit einer flammenden Unbekümmertheit ist „Restless“ ein Album zweier Typen, die noch viel vorhaben. Die Stücke kämpfen sich aufgeregt durch die schlaflosen Nächte, in denen es um alles oder nichts geht, wissen aber um das innige Gefühl, das in ihnen steckt. Zwischen Soft Cell-Romantik und New Order-Dringlichkeit schreien die Songs erst: Disko!, dann: Pop!, um am Ende doch als eigentlicher Gewinner dazustehen.

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