So schnell kann es gehen! Plötzlich ist die Adventszeit da und alle geben sich, wenn sie nicht gerade schwer im Weihnachtsstress sind, ordentlich Mühe, auch ganz besonders besinnlich zu sein. Auch auf der Leinwand weht plötzlich ein anderer Wind: eben noch ging James Bond auf Rachefeldzug, jetzt dreht sich im Kino plötzlich alles um Familien. Was nun aber wiederum nicht heißen soll, dass es dort immer ausgesprochen festlich zugehen würde.

 “Mein Schatz unsere Familie und ich”

In „Mein Schatz, unsere Familie und ich“ jedenfalls geht es gerade darum, dass man die Feiertage nicht mit den Liebsten zuhause verbringen möchte. Reese Witherspoon und Vince Vaughn haben allerdings Pech, denn die Flüge in den Urlaub werden gestrichen und so pocht der umfangreiche Anhang auf sein Recht. Und das bedeutet für uns: kotzende Babys, prügelnde Brüder und jede Menge Peinlichkeiten und Prollhumor. Wer allerdings glaubt, hier immerhin dem schmalzigen Weihnachtsfinale zu entkommen, hat sich natürlich getäuscht!

 “Madagascar 2”

Chaos am Anfang und Harmonie am Ende hat auch „Madagascar 2“ zu bieten, das Wiedersehen mit den immer noch leicht nervigen Tieren aus dem New Yorker Zoo. Dieses Mal verschlägt es sie aufs afrikanische Festland, wo es zumindest für den Löwen Alex zu einem familiären Wiedersehen der ganz besonderen Art kommt. Die eigentlichen Stars sind aber ohnehin wieder diverse exzentrische Pinguine, Schimpansen und Lemuren, deswegen darf man guten Gewissens die allzu kinderfreundlich Botschaft von Familie, Freundschaft und dem immer beliebten „Sichselbsttreubleiben“ überhören!

  “Vicky Christina Barcelona”


Um Wahlfamilien geht es derweil in Woody Allens neuer Komödie „Vicky Cristina Barcelona“, auch wenn es sich dabei eher um eine menage à trois als um eine ganze Affenherde handelt. Scarlett Johansson teilt sich nämlich Tisch und Bett mit Penelope Cruz und Javier Bardem, was bei Allen erstaunlicherweise nicht zu einer neurotischen Altherrenphantasie wird, sondern eine höchst charmante, manchmal sogar sinnliche Angelegenheit ist. Vor allem ist der Film genau das richtige für alle Weihnachts- und Wintermuffel: statt Glühwein am Adventskranz wird hier fruchtiger Rotwein unter der Sonne Barcelonas getrunken!

  “Geliebte Clara”

Von einer Dreiecksbeziehung – und manchmal auch vom Genuss alkoholischer Getränke – erzählt auch „Geliebte Clara“. Eigentlich ist das Thema dieser im 19. Jahrhundert spielenden Geschichte über das legendäre Komponistenehepaar Robert und Clara Schumann und den jungen Johannes Brahms allerdings ein durchaus modernes. Wie bekommt man als Frau die eigene Karriere hin, wenn man sich nebenbei auch um Haushalt und Familie kümmern muss? Und vor allem, wenn man es – wie Martina Gedeck in der Titelrolle – auch noch mit einem Ehemann zu tun hat, der langsam dem Wahnsinn anheim fällt?

 Trailer: “Quarantäne”

Bleibt noch ein letzter neuer Filmstart zu erwähnen, der tatsächlich weder eine wie auch immer gestrickte Familiengeschichte erzählt noch irgendwie mit Weihnachten zu tun hat. „Quarantäne“ handelt von den Erlebnissen eines Fernsehteams, das aus einem unter Quarantäne gestellten Mietshaus berichtet. Was genau sich dort vor der Kamera der Reporterin ereignet, dürfte jedem bekannt vorkommen, der den spanischen Horrorfilm „[REC]“ gesehen hat, denn dies hier ist das vorlagengetreue US-Remake. Aber weil auch die Neuauflage wirklich effektiv daherkommt, sollte sich niemand beschweren. Die hübschen Socken, die Tante Erna jedes Jahr unter den Tannenbaum legt, bereiten schließlich auch immer wieder viel Freude. Denkt sie zumindest – und gerade der Familie will man zu dieser Jahreszeit ja wohl keine Illusionen rauben!

Patrick Heidmann