Die erste Veröffentlichung, bei der Saad offiziell rappte, war 2004 auf ‘Electro Ghetto’ von Bushido. Seitdem arbeitet er nicht nur eng mit dem Berliner MC zusammen, sondern teilte sich das Mic auch schon mit Szenegrößen wie Eko und Azad. Mit ‘Das Leben Ist Saad’ könnte er nun in diese Königsklasse aufrücken.

Dabei fiel Saad auf dem ‘Ersguterjunge’-Sampler ‘Nemesis’ eher unangenehm auf, da im Booklet als seine wichtigste Zeile “Libanon-Power, ich schieß auf die Towers./ Manche Leute denken, ich wäre ein ziemlicher Bauer” abgedruckt wurde. Doch solche Ansagen sollte niemand auf die Goldwaage legen. “Mit ‘Libanon-Power’ wollte ich einfach demonstrieren, dass ich Libanese bin. ‘Ich schieß auf die Towers’ ist dagegen nur ein Wortwitz, da alle Araber seit dem 11. September 2001 als Terroristen abgestempelt werden. Wer mich kennt, der weiß, dass ich das nicht ernst meine. Ich werde halt so abgestempelt, deswegen habe ich das einfach mal raus gehauen, da es sich auch gut gereimt hat. Ich bin aber auf jeden Fall gegen terroristische Anschläge, schließlich weiß ich selber, wie es ist, im Krieg zu leben.”

Seine Kindheit im Libanon ist daher auch Thema der ersten Single ‘Womit Hab Ich Das Verdient’. Als er das Video dazu das erste Mal gesehen hat, bekam er selber eine Gänsehaut. “In dem Stück erzähle ich über meine Vergangenheit im Libanon, wie das Leben da ist und was der Krieg dort anrichtet. Als ich den Track einigen Verwandten vorgespielt habe, mussten sie weinen, weil da natürlich Erinnerungen hochkommen. Aber diese Geschichte ist ein Teil von mir, den ich erzählen wollte. Ich wollte den Leuten sagen, was ich erlebt habe und dass ich froh bin, hier zu sein, um etwas aus mir machen zu können.”

Auch sein ‘Erstguterjunge’-Kollege D-Bo war so von einer Geschichte beeindruckt, die der Vater von Saad ihm während eines Auftritts seines Sohns erzählt hat, dass er sie unbedingt in einem Stück verarbeiten wollte. Saad hat da natürlich zugestimmt, wollte das Ganze aber wirklich so persönlich wie möglich gestalten, wodurch sie auf eine trickreiche Umsetzung gekommen sind. In ‘Verschwunden’ erzählt er am Anfang nur, dass er aus der Schule gekommen ist und sein Vater nicht mehr da ist. “Er ist einfach verschwunden. Auch meine Mutter hat mir nicht erzählt, warum er weg ist. Am Ende der Strophe schimpfe ich auf ihn, warum er mir das antut. Schließlich rappt D-Bo in der Rolle meines Vaters, dass er festgenommen wurde und ich das nicht erfahren soll, damit ich nichts Unüberlegtes mache. Zum Schluss kommt er aus dem Knast raus und umarmt mich.”

In eine deutlich andere Richtung geht dagegen ein Stück, dass Saad mit der Rapperin Bahar aufgenommen hat. Da hier ein Battletrack ebenfalls nicht in Frage kam, verarbeitet Saad auch darin persönliche Erlebnisse – allerdings sind diese ein wenig näher an der Realität deutscher Jugendlicher dran. “Bahar spielt in dem Stück meine Freundin und findet es nicht so toll, dass ich andauernd toure. In dem Gespräch wirft sie mir zum Beispiel vor, dass ich sie betrügen könnte. Ich hatte so eine Beziehung, wo es genau so lief. Einmal hat mich meine damalige Freundin angerufen und mein Akku war leer. Aber sie dachte, ich hätte keinen Bock auf sie und einfach aufgelegt. Diese Geschichte habe ich jetzt mit diesem Song schön verarbeitet!”

Genau diese Ideen sind es, die ‘Das Leben Ist Saad’ über die Durchschnittsware der Konkurrenz heben und somit ‘Ersguterjunge’ möglicherweise doch noch zum wichtigsten HipHop-Label Deutschlands in diesem Jahr machen. Zumal im Herbst schon das nächste Album von Bushido angekündigt ist.


Text: Holger Köhler

Foto: Kasskara