Nein, hinter diesem Bandnamen verbirgt sich keine anstrengende, japanische Punkpop-Band. Fast ein wenig ironisch erscheint die Benennung, steht sie doch für Singer/Songwriter-Folk aus Finnland.

(Foto: Aleksi Rinta-Kauppila)

Den eigenen Namen über seine Songs zu schreiben, erschien Antti Reikko laut eigener Aussage zu narzistisch. Die Bedeutung des nun gewählten Koria Kitten Riot, lässt er jedoch im Geheimen. So mysteriös wie der Künstlername wirkt seine Musik allerdings nicht. Reikko ist kein großer Poet, eher ein Geschichtenerzähler, der auf seiner Terrasse sitzt und via Gitarre Lieder darüber komponiert, wie die kleinen Dinge in seinem Leben die großen beeinflussen. Obwohl die Terrassen-Analogie auf den ersten Blick nicht ins kühle Helsinki passt, klingt Reikkos zweites Album “The Lows And The Highs” doch eher nach freimütigem Herbst als beklommenem Winter.

Am 2. März erscheint “The Lows And The Highs” auf KYR Records. Das Münchner Label steht sonst für bayrische Lokalhelden wie Soundbastler Joasihno, Containerhead oder Mexican Elvis. Dort reiht sich der melodische, meist melancholische Folkpop von Koria Kitten Riot dennoch bestens ein. Alle Tracks hat der Künstler selbst aufgenommen, immer an anderen Orten — je nachdem, wo gerade Platz und Zeit war. In bester DIY-Manier und mit Hilfe von befreundeten Musikern, verlagerten sich die Aufnahmen wahlweise in eine Blockhütte in Südfinnland, die ehemalige Schule eines Mitmusikers oder wo auch immer die benötigten Instrumente anzufinden waren. Letztlich war er natürlich auch im Studio. Dessen Betreiber profitierten dafür von den Skills des ehemaligen Filmstudenten — eine Hand wäscht halt gern noch die andere.

Koria Kitten Riot – “An Anthem From The 80’s

Die Geschichten auf “The Lows And The Highs” werden untermalt von zahlreichen Instrumenten: Streichern, Gitarren, Synthesizern — auf “Playing Truant” findet sich sogar der Sound eines Weinglases. Hört man genau hin, kann man auch die Vögel, welche neben der Blockhütte zwitscherten, vernehmen. Auch das Inlay des Albums erklärt die Songs noch einmal auf liebevolle Art und Weise. Die großen Worte in den Überschriften kann man mit dem Songinhalt allerdings nicht immer offensichtlich verbinden – geht es in “I’ve Seen It All” wirklich um Mathematik und Apokalypse? “Wenn wir mit großen Dingen konfrontiert werden, leben wir doch immer noch unser alltägliches Leben, oder? Große und kleine Sachen sind verbunden und manchmal weiß man nicht einmal ob etwas groß oder klein ist.” Ganz unphilosophisch allerdings erzählt Reikko auch, dass er sich momentan viel mit Physik und Stringtheorie beschäftigt. Vielleicht handelt der Song ja wirklich vom Weltuntergang.

Um die vielmals besungene Liebe geht es bei Koria Kitten Riot auch nur im Großen. “Ich versuche wirklich so gut es geht keine Liebeslieder mehr zu schreiben”, sagt Antti Reikko. Der Titelsong “The Lows And The Highs” – laut Erklärung ein Lied über das Songwriting – beschreibt genau dies: “Nothing compares to a night spent alone with a bottle of wine, writing songs about love when you feel like a fish on a line.” Dass der Finne mit diesen Songs dennoch auf die erwähnte Terrasse passen würde, zeigt die Single “An Anthem From The 80’s”: Während die Zeit an uns vorbeizieht, verpassen wir Vieles und ändern trotzdem nichts an unserem Leben. Aber das kennt jeder, so ist das nun einmal: “Maybe you haven’t played in ages, but you buy guitars” / “If you’re the hero of the story, where’s the story gone?” Im Booklet steht “a song about fiction and fact” – Großes im Kleinen eben.

Koria Kitten Riot – Live 2012:

23.02. Ingolstadt – Tagtraum
24.02. Jena – Cafe Wagner
25.02. Berlin – Radio Buellebrueck Studio
26.02. Regensburg – Heimat
27.02. München – Provisorium