Zum Semesterauftakt der Leipziger HTWK-Studenten gab es gestern, 27.März ab 23.00 Uhr Ortszeit, im Kulturbundhaus Kulinarisches auf die Ohren. Für schlappe 2 Euro durfte man das Gehirn abschalten (wenn nicht gleich zu Hause gelassen) und sich von zwei ortsansässigen Bands die Magengrube durchschütteln lassen. „Möhrchen und Ei“ und „Acid.Milch&Honig“ gaben sich bis in die frühen Morgenstunden die Ehre, wobei der Schwerpunkt bei der Auswahl der beiden Bands wahrscheinlich eher darauf lag, ein gelungenes kulinarisches Menü zusammenzustellen denn ein Musikalisches, da die beiden Bands unterschiedlicher kaum sein könnten. Den Anfang machten Möhrchen und Ei. Und auch wenn’s nicht zum großen Pogo-Gelage kam – es wäre auch gar nicht genug Raum gewesen, denn um die höheren Gefilde der Elektromusik zu erklimmen, musste die Durchgangstür immer fein geöffnet und wieder geschlossen werden, was zu einigen unfreiwilligen Zusammenstößen führte – so war das zumindest kopfnickende oder fußwippende Publikum doch angetan von dem, was die Leipziger Jungs da ablieferten. Wenn auch Manchem Unverständnis ins Gesicht geschrieben stand… aber die Erleuchtung erwartet wohl selbst die Band von ihrem Publikum nicht bei Texten wie „Wir können keinen Jazz (20x wiederholen!)“ oder „Die Vöglein zwitschern (30x wiederholen und pfeifen!)“; dann doch lieber auf Englisch, da verstehen’s wenigstens nicht alle und man kann auch ein bisschen nuscheln („To The Rocket Rock In“ oder so)! Musikalisch gleichen die Drei das lyrische Defizit aber auf jeden Fall mehr als aus und überzeugen mit einer Mischung aus schrammeligem Garagen-Punk, klassischem Rock’n’Roll und Grunge à la Nirvana der frühen 90er. Nicht ein Song zum durchatmen, vom Intro bis zur Zugabe, die die Jungs natürlich gerne, nach Absprache mit dem Publikum, geben! Treibend jagt ein Riff das Andere, drischt Micha auf die Drums, werden Tempo- ebenso wie Stimmungswechsel erzeugt, nicht zuletzt auch durch die Kopfstimme vom Bassisten Hannes, die sich ein Stelldichein mit der brummenden Bauchstimme vom Gitarristen Ringo gibt. Billiger Drei-Akkorde-Punk? Fehlanzeige! Musik, die nicht schwer im Magen liegt, wie der Bandname weiß machen will, sondern Musik, die die Eingeweide durchrüttelt! Das Publikum so angeheizt, kann nun eigentlich nichts mehr schief gehen! Selbst wenn man einen musikalischen Stilbruch der krassesten Sorte vornimmt und nun mit „Acid.Milch&Honig“ in die Tiefen der Herzflimmer-Musik absteigt. Dem Publikum gefällts! Getanzt wird nun zu einer Mischung aus Techno-BumBum, Pop, Drum’n’Base und Punk, der sich vor allem in den Texten des Ein-Mann-Projekts Andi ausdrückt: „We don’t need no Mindestlohn!“ Equipment auf der Bühne ist ein Mischpult, eine Klobürste, die als Luftgitarre dient und Andi, der es versteht, nicht nur seine Texte (die übrigens auf seiner Homepage zum Auswendiglernen bereitstehen) eingängig aufzubereiten und zu präsentieren, sondern ebenso das Publikum zu animieren und mit ihm zu feiern bis in die Morgenstunden. Alles in Allem wurde für 2 Euro ein kulinarisches Drei-Gänge-Menü (2 Live-Acts und nicht zu vergessen die Elektromusik auf der obersten Etage!) versprochen und geboten wurde Musik, die in die Eingeweiden geht und Herz-Rhythmus-Störungen verursacht! Gelungener Abend, meine ich!

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Acid.Milch&Honig zu Hause
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