Wer kennt es nicht: Man läuft zu seinem Lieblingsspäti und will sich eigentlich nur eine Mate kaufen, doch dann stolpert der Blick über all die Süßigkeiten. Auf gut Glück nimmt man was mit und die Mate ist dann völlig vergessen, weil OMG ist das gut! Unser Späti im Internet nennt sich Instagram, unsere Mate Musik und unsere Süßigkeiten Kunst. In dieser neuen Kategorie zeigen wir euch regelmäßig unsere liebsten Künstler*innen, die wir über die Plattform entdeckt haben und sie geben uns ein paar Eindrücke in ihren ganz eigenen Späti. Diesmal mit der Künstlerin Stefanie Thiele.

motor.de: Wenn deine Kunst eine Süßigkeit wäre, welche wäre sie und warum? 

Stefanie: Meine Kunst wäre ein Gobstopper, das ist wie ein riesiger Lolli ohne Stiel, der bis zu 8 Zentimeter groß sein kann und dementsprechend in Amerika auch Jawbreaker heißt. Im Endeffekt funktioniert ein Gobstopper so ähnlich wie eine Lush-Badebombe mit ganz vielen verschieden kunterbunten Ebenen und Geschmäckern. Man ist auch echt ultralang damit beschäftigt– genau wie mit meinen Bilder: Die sind auch ganz vielschichtig, bevorzugt riesengroß und mir wird oft gesagt, dass sie wunderschön sind, man sich stundenlang in ihnen verlieren kann, aber damit leben wäre für viele schwierig, dafür ist es zu viel auf einmal. Wie ein Gobstopper muss man den Spaß meiner Bilder also mit Vorsicht genießen. 

Der Kreislauf der Kontrolle

motor.de: Ausversehen oder lang geplant – Wie ist dein kreativer Prozess? 

Stefanie: Der wichtigste Teil meines Arbeitsprozesses ist Kontrolle abzugeben, weil ich im Leben schon oft mit Panikattacken und dem Wunsch nach Kontrolle zu kämpfen habe. Deshalb lasse ich die Farbe bei meinen Bildern am Anfang einfach spritzen und fließen, raste aus und hab einfach Spaß. Erst im nächsten Schritt gehe ich dann rein und suche Ecken und Bereiche, in denen ich detaillierter arbeiten möchte. Für diese Bereiche habe ich dann auch einen Ordner voller Muster-Inspirationen auf meinem Handy, sei es ein Kirchenfenster, Wolken oder die Fliesen in einem alten Hamburger Haus. Die Sachen male ich dann auch echt akribisch wie bei so einem Malen nach Zahlen Bild aus, was aber auch cool ist, denn so kann ich je nach Stimmung entweder ausrasten oder ganz besonnen arbeiten. Am Ende ist mein Arbeitsprozess ein ewiger Kreislauf aus Kontrolle abgeben und Kontrolle gewinnen. 

motor.de: Was war das letzte, was du ausversehen entdeckt hast und dann als sehr geil eingestuft hast? 

Stefanie: Diese Sache liegt zwar schon etwas länger zurück, aber diese Entdeckung hatte definitiv einen riesigen Einfluss auf mich: Ich hatte nie gedacht, dass ich ein Hundemensch wäre, aber vor fast zwei Jahren haben meine Freundin und ich uns einen Tierheimhund namens Karma angeschafft und mein Leben hat sich unfassbar zum Positiven verändert. Schon allein die Tatsache, dass man jeden Tag mindestens drei Mal an der frischen Luft ist um Gassi zugehen! Aber auch für meine Kunst ist sie mega wichtig: Zum einen mal ich sie sehr gerne, zum anderen erinnert sie mich, wenn ich total verbissen arbeite, daran, dass ich mal etwas chillen soll, um mit ihr zu spielen, was den ganzen Alltag viel entspannter macht und mir mehr Kapazität gibt, um inspiriert zu sein. 

Immer im Gleichgewicht – oder auch nicht

motor.de: Was ist die beste Musik zum Arbeiten und welche für den Spätibesuch?

Stefanie: Für die Arbeit ist es für mich definitiv so Alternative-Punk-Rock (ich würde das ja einfach als Emo beschreiben, aber der Begriff ist ja so verschrien…) oder mit anderen Worten: Musik, die sehr sehr laut und sehr sehr schnell ist, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Geschrei, Wut und Elend. Es ist halt irgendwie auch lustig, weil meine Bilder und ich so bunt und fröhlich sind und beim Malen höre ich dazu „I HATE EVERYTHING“. Das Leben findet immer ein Gleichgewicht. 

Dazwischen schummelt sich aber auch gern Mal etwas Harry Styles oder neuerdings eine Band namens Olox, die (ich hoffe ich erklär das jetzt richtig) sibirische, schamanische Gesänge mit elektronischen Klängen und Natur- und Tierlauten mischen – unfassbar beeindruckend und schön. Wenn die Musik beim Spätibesuch auch andere Leute hören, wird bei mir irgendwas unverfänglicheres angemacht. Auch wenn Besuch ins Atelier kommt, mach ich immer so ne Coffeehouse Playlist an, um die Leute nicht zu verschrecken. Aber im Späti würde wahrscheinlich Miike Snow laufen, so nen bisschen Elektronikbeats, wo man direkt zum Mitwippen verführt wird. 

motor.de: Wenn du mit deiner Kunst einen Späti hättest wie würde der aussehen? 

Stefanie: Der Späti wäre auf alle Fälle relativ groß, weil ich enge Menschenmassen einfach nicht mag, man müsste sich also nie durchdrängeln zur Kasse. Es gäbe zudem einen schönen Außenbereich und immer heißen Kaffee – aber RICHTIG heißen Kaffee zu jeder Tageszeit, das ist so ne kleine Marotte von mir, ich hasse lauwarmen Kaffee. Natürlich gäbe es auch eine Wand mit Porträts meiner Besucher im UGLY PRETTY CLUB Stil -wahrscheinlich wäre UGLY PRETTY CLUB auch der Name des Spätis.


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