Die Liste von Kylie Minogues Veröffentlichungen ist schier endlos. Da wären nicht weniger als zehn Studioalben, zwei Live CDs, sieben Konzert DVDs, einige Best of – Veröffentlichungen und 43 international erfolgreiche Singles von denen 39 in Folge unter die Top 20 der UK-Charts kamen. Insgesamt verkaufte, die nur 1,55 große Australierin, über 60 Millionen Tonträger. Dabei verliefen die 20 Karriere-Jahre der Kylie Minogue nicht immer so geradlinig wie diese Zahlen suggerieren möchten.

Als elf-jähriges Mädchen startete die Laufbahn der kleinen Kylie im australischen Fernsehen. Sie spielte in diversen Sendungen größere und kleinere Rollen.1986, mit nur siebzehn Jahren, übernimmt sie die Rolle der Charlene in der erfolgreichen Soap „The Sullivans“. Von dort startet auch ihrer Sanges-Karriere. Bei einem Fussball-Benefiz-Spiel covert sie den Little-Eva Hit „Loco-Motion“ und bekommt augenblicklich einen Plattenvertrag angeboten. „Loco-Motion“ wird als Single veröffentlicht und landet vom Fleck weg auf Platz 1 der australischen Charts, wo er sich auch Wochen lang hält. Das britische Produzententeam um Stock Aitken Waterman nimmt Kylie 1988 unter Vertrag und produziert mit ihr die Hits am Fließband. Ihr erstes Album, schlicht „Kylie“ genannt wird zur erfolgreichsten Platte 1988 und „I should be so Lucky“ der Hit des Jahres.

Das zweite Album „Enjoy Yourself“ ist weniger erfolgreich und verkauft sich nur läppische 4 Millionen mal. Die Fachpresse nennt den Teenie-Star, mit Anspielung auf ihre australische Herkunft „The Singing Budgie“. Aber Minogue hat kein Interesse daran ewig der süße Wellensittich zu bleiben. Auf ihren nächsten Alben gibt sie sich bedeutend sexier, was ihre jugendliche Stammkundschaft verschreckt und für gehörige Umsatzeinbußen sorgt. Doch der Schubladenwechsel ist geglückt. Die homosexuelle Szene interessiert sich nun für den Club-tauglicheren Sound. Für das vierte Studio-Album „Shocked“ wird Kylie auch das erstemal nicht von der Musikpresse verlacht, sondern erhält anerkennende Kritiken von NME und Rolling Stone.

1992 beginnt eine neue Ära für Kylie Minogue. Sie wechselt von der Hit Factory von Stock Aitken Waterman zum Indie-Label Deconstruction Records. Auf ihrem ersten Album auf dem neuen Label „Kylie Minogue“, verwirklicht sie sich zwar selbst, wie auf noch keinem Album zuvor, der kommerzielle Erfolg blieb aber aus. Das änderte sich erst wieder mit dem Duett mit Nick Cave. „Where The Wild Roses Grow“ wird ein internationaler Super-Hit und erhält endlos viele Auszeichnungen. Oben drauf gab es auch noch Anerkennung aus Musikerkreisen die sonst nur auf den singenden Wellensittich herab geschaut haben. The Manic Street Preachers greifen Minogue für ihr sechstes Studioalbum „The Impossible Princess“, kräftig unter die Arme. Die Platte wird in Australien zur erfogreichsten Veröffentlichung seit ihrem Debüt. In Europa hingegen floppt sie fürchterlich und Deconstruction entlässt Kylie wegen Erfolglosigkeit. Die neue Freiheit nutzt sie, vom europäischen Plattenmarkt weitgehend ignoriert, für Zusammenarbeiten mit den Pet Shop Boys oder dem japanische Sound-Tüfftler Towa Tei.

EMI/Parlophone nahm die kleine Australierin 1999 wieder für Europa unter Vertrag und im Jahr 2000 gelang ihr mit dem Album „Light Years“ ein ordentliches Come Back. Die erste Single „Spinning Around“ stieg sofort auf Platz 1 der UK-Charts ein. Damit ist Kylie neben Madonna, der einzige Künstler der in drei Jahrzehnten einen Nummer 1 Hit auf der Insel platzieren konnte. Auf diesen Erfolg legte sie 2001 noch eine Schippe drauf. Das Album „Fever“ wurde zum internationalen Hit und die Single „Can`t get you out of my Head“ schoss in allen europäischen Ländern, außer Finnalnd, auf Platz 1.

Es folgen ausverkaufte Kolossal-Touren und 2003 das neunte Studio-Album „Body Language“. Nach Beendigung des europäischen Teils ihrer Welttournee musste Minogue ihre Termine in Australien, wegen Diagnose auf Brust-Krebs, absagen. Nach einem Jahr erfolgreicher Therapie trat sie 2006 wieder in Erscheinung und vollendete ihre Welttournee. Das Jahr 2007 brachte, neben der Tour-Dokumentation „White Diamond“, Kylie Minogues zehntes Studioalbum „X“. Das bewegte sich stilistisch mehr in Richtung Glam-Rock. International ist dieses Album zwar weniger erfolgreich, in Australien schafft die Single „2 Hearts“ aber eine weitere Nummer 1-Platzierung. Neben ihren musikalischen Veröffentlichungen und ihren gelegentlichen Film-Auftritte hat sich Kylie Minogue mittlerweile auch ein Standbein mit einer eigenen Mode- und Parfümmarke zu gelegt.

Sebastian Koch