Das ist schon ein Kreuz mit dem Erfolg. Der stellt sich bei einer Band nämlich in der Regel nur dann ein, wenn die einzelnen Musiker ihre künstlerischen Vorlieben aus Rücksicht etwas eindampfen oder zurücknehmen. Totalitäre Stildiktatur durch einen einzelnes Mitglied kommt nämlich in den wenigsten Gruppen gut an. Daran hat sich auch Florian Weber a.k.a Flo von den Sportfreunden Stiller lange gehalten. Obwohl seine musikalische Sozialisation eigentlich so gar nicht zum Sound der Sporties passen will, hat er das Trio in den letzten Jahren tapfer und mit Begeisterung zum Erfolg getrommelt.

Den kleinen Egotrip namens Bolzplatz Heroes, den Flo seit drei Jahren mit Bruder Jörg und seinen gleichgesinnten Freunden Markus (Cosmic Casino) und Mäcki (The Notwist) fährt, dürften ihm seine alten Kollegen deswegen eigentlich nicht übelnehmen.
Markus: “Das geht zehn Jahre zurück. Als wir Anfang 20 und echte Grunge-Kids waren. Stark von Hardcore und Punk beeinflusst von Bands wie Helmet oder Quicksand. Und weil wir das in unseren Hauptbands nicht so unterbringen können, dachten wir, das wäre mal eine Gelegenheit, das jetzt auszuleben. Diese Leidenschaft, die vorher nie stattgefunden hat.”

Gesagt – getan. Nachdem die vier ihrem Spleen in der Vergangenheit eher zwanglos gefrönt haben – Konzerte gab´s nur sporadisch, geprobt wurde fast nie -, entschloss man sich den Fans zuliebe irgendwann doch ein Album aufzunehmen. Das Ergebnis fängt den Geist des Projekts sehr gut ein. Derber Hardcore trifft auf experimentelle Elektronikspielereien. Wild, enthusiastisch und roh. An vielen Ecken noch sehr unausgefeilt und ziellos. Aber vielleicht gerade deswegen immer spannend. “Wir waren uns ziemlich schnell sicher, dass jeder das macht, was er in seiner anderen Band nicht macht”, erklärt Flo. “Also Markus, der ja eigentlich Bassist bei Cosmic Casino ist, spielt bei uns Gitarre. Ich bin ja eigentlich Schlagzeuger und versuche hier zu singen.”

Wobei es “singen” eigentlich nicht ganz trifft. Vielmehr brüllt Flo das Mikro an, dass man Angst um seinen Blutdruck bekommt. Unterdrückter Geltungsdrang eines Schlagzeugers, der sich hier ein Ventil sucht? “Das ist auf keinen Fall das Egoproblem des Schlagzeugers, mal vorne sein zu wollen. Es ist einfach nix anderes geblieben. Ich kann nicht Gitarre spielen, ich kann nicht Bass spielen. Und dann habe ich mal versucht, ob ich singen kann – das kann ich auch nicht. Aber ich kann manchmal ganz passabel schreien. Und auf dieser Tugend haben wir aufgebaut.”

Man sollte sich von dieser lockeren Herangehensweise aber nicht in die Irre führen lassen. Für die Beteiligten sind die Bolzplatz Heroes nämlich nicht nur irgendein weiteres Spaßprojekt, sondern eine richtige Herzensangelegenheit.
Flo: “Der Zeitaufwand für die Band ist zwar einem Projekt nahe, von der Leidenschaft her ist es aber eine absolute Band. Wir lieben, was wir da tun und sind mit vollem Herzen dabei. Es ist das, was in uns brodelt!”

Text: Matthias Pflügner