Mit Überschriften ist das so eine Sache. Sollen sie nur gut klingen oder sollen sie tatsächlich den Inhalt eines Textes wiedergeben? Klar, am besten wäre beides, aber das geht eben nicht immer – und so beginnt ausgerechnet diese Kolumne mit einem Absatz, der mit der Überschrift nicht allzu viel zu tun hat.
Denn Jim Carrey, der die Hauptrolle spielt in „The Number 23“, ist längst kein Aufsteiger mehr. Im Gegenteil: wenn man sich seine Karriere gerade einmal anschaut, dann scheint es eher den Bach runterzugehen. Kürzlich wurden gleich zwei Projekte mit ihm wieder abgesagt, weil die Produzenten kein Vertrauen hatten, dass der Komiker, sein Geld (immerhin 25 Millionen Dollar pro Film!) wirklich wert ist. Und die Filme, die bereits abgedreht sind, laufen an den Kinokassen auch nicht gut.
„The Number 23“ von Joel Schumacher ist gerade in den USA ziemlich gefloppt und wird das diese Woche wohl auch bei uns tun. Völlig zu Recht übrigens, denn der Paranoia-Thriller ist eine echte Gurke. Carrey spielt einen Hundefänger, der plötzlich auf den Gedanken kommt, von der Zahl 23 verfolgt zu werden. Warum das so ist, wird irgendwie nie so recht klar und überzeugt entsprechend wenig. Die bösen Ziffern verwickeln ihn dann sogar noch in ein mysteriöses Mordkomplott, doch Spannung kommt trotzdem keine auf. Es bleibt also Carrey nur zu wünschen, dass seine Durststrecke keine 23 Filme lang anhält…

Immer noch auf Höhenflug befindet sich derweil Justin Timberlake, und erstaunlicherweise kommt es auch im Filmgeschäft nicht zum großen Absturz. In „Alpha Dog“ spielt er zwar nicht die Haupt-, aber doch eine große Rolle und ja, er macht seine Sache ziemlich gut. Aufsehen erregt die Geschichte von jugendlichen Drogengangstern in Kalifornien aber auch aus anderen Gründern, denn als Vorlage diente ein mörderischer Kriminalfall, der in den USA noch immer verhandelt wird. Aus Angst, der Film könnte die Geschworenen bei ihrer Urteilsfindung beeinflussen, sollte er verboten werden. Ist er nun aber nicht, was für Timberlakes Kinokarriere sicherlich von Vorteil ist – und auch seine Kollegen freuen dürfte, zu denen in diesem Fall übrigens auch alte Hasen wie Bruce Willis und Sharon Stone gehören.

Auch „Die Fälscher“ basiert auf einer wahren Geschichte, und die ist noch um einiges unglaublicher. Im KZ Sachsenhausen ließen die Nazis einige Insassen Falschgeld herstellen, um die britische und amerikanische Wirtschaft zu ruinieren. Die Fälscher selbst genossen dabei eine sehr bevorzugte Behandlung – und steckten natürlich tief drin im moralischen Dilemma. Stefan Ruzowitzky, zuletzt für den Provinzhorror von „Anatomie“ zuständig, hat daraus einen überraschend unterhaltsamen Holocaustfilm gemacht, der trotzdem zum Nachdenken anregt. Karl Markovics, früher Assistent von „Kommissar Rex“, ist ganz exzellent in der Hauptrolle, neben ihm August Diehl ebenfalls und gerade wurde der Film für gleich sieben Deutsche Filmpreise nominiert. So viel also auch hier zum Thema Aufsteiger und Emporkömmlinge.

Ganz wörtlich zu verstehen ist die Überschrift derweil im Bezug auf „Am Limit“. Nach Eishockey und Radfahren hat sich Regisseur Pepe Danquart ein drittes Mal einer Sportart angenommen und nun einen Dokumentarfilm über Extremkletterer gedreht. Weil auch die Kameraleute, die die Brüder Huber bei Weltrekordversuchen und anderen Klettereien begleiteten, immer nur an Seilen hingen, sieht das auf der Leinwand atemberaubend aus. Genau das richtige also für alle, die selbst zu bequem und gemütlich für eigene Grenzgänge und Höhenflüge sind.
Auf dem Weg nach oben ist schließlich auch Melanie Laurent, die in Frankreich schon als kommender Filmstar der Extraklasse gehandelt wird. Für ihre Hauptrolle in „Keine Sorge, mir geht’s gut“ hat sie immerhin bereits den wichtigsten Filmpreis des Landes gewonnen und auch hier zulande sollte man schnell auf diese aufregende cineastische Neuentdeckung aufmerksam werden. Warum also nicht mal wieder eine leicht spröde, leicht verkopfte und sehr französische Mischung aus Familiendrama und Thriller ansehen? Es lohnt sich tatsächlich…

Wer dagegen lieber abtauchen möchte in eine völlig heile Welt und sich immer noch gerne an die Astrid Lindgren-Erzählungen aus der Kindheit erinnert, der ist in dieser Woche bei Detlev Buck bestens aufgehoben. Nach dem brutalen Depri-Ding „Knallhart“ ist in seinem Kinderfilm „Hände weg von Mississippi“ selbst Christoph Maria Herbst als Bösewicht richtig harmlos. Sonnenschein und Schäfchenwolken, kläffende Hunde und wiehernde Pferde – das klingt nach Sommerferien, wie man sie sich selbst als Erwachsener noch wünschen würde. Mit unserer Überschrift hat das natürlich so gar nichts mehr zu tun. Aber was soll’s – der Versuch war es wert.

Text: Patrick Heidmann